Selfpublisher oder Verlagsautor?

Selfpublisher oder Verlagsautor?

Immer wieder höre ich von Selfpublishern die gleichen Argumente fürs Selfpublishing – ich kann alles selbst machen als Selfpublisher, niemand redet mir in irgendetwas hinein, ich habe keine Terminvorgaben, wozu also sollte ich einen Verlag brauchen?

Das hört sich im ersten Moment sehr gut an, aber ist es wirklich so? Bei einigen mit Sicherheit. Bei denjenigen, die für sich selbst einen Weg gefunden haben, sich bekannt zu machen, sich und ihre Werke zu vermarkten. Einige sollen sogar davon leben können, hört man.

Doch bei der großen Masse der Selfpublisher sieht es anders aus. Warum sonst immer wieder die gleichen Fragen im Netz?

Wie kann ich mich als Autor bekannter machen?

Wie bekomme ich meine Umsatzzahlen nach oben?

Wo kann ich meine Bücher noch ausstellen, damit sie bekannter werden.

u. s. w.

Eigentlich wollen wir AutorInnen doch nichts anderes als schreiben, schreiben und nochmal schreiben. Das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Wir wollen uns nicht um den ganzen Kleinkram nebenbei kümmern.

Warum gibt es dann so viele Selfpublisher? Ist es die Angst vorm Verlag, vor Ablehnung? Ist es der Drang, unabhängig zu sein, nimmt man dafür den zusätzlichen Zeitaufwand in Kauf? Traut man sich innerlich nicht zu, gut genug für einen Verlag zu sein? Ist der Ruf der Verlage mittlerweile vielleicht wirklich so schlecht? Wenn er das ist, warum eigentlich?

Bei vielen Selfpublishern, die niedrige Verkaufszahlen beklagen, verdient nur einer das Geld – die Plattform auf der veröffentlicht wird. Denn bei denen macht es die Masse. Auf der großen A Plattform veröffentlichen tausende von Autoren ihre Werke. Wenn da nur 5 – 100 Exemplare verkauft werden pro Autor, hat die Plattform schon verdient. Der einzelne Autor bekommt letztendlich nur ein Taschengeld im Monat, von fehlendem Bekanntheitsgrad oder Ruhm ganz zu schweigen.

Seriöse Verlage – nicht DKZV oder Verlage die Pseudo Dienstleistungen anbieten, die eigentlich zum Standard eines Verlages gehören – bieten da andere Möglichkeiten. Zuerst einmal professionelles Lektorat, Korrektorat, Cover, Werbung u. s. w.

Ist es denn wirklich so schlimm, sich Ratschläge zu Stil, Logik und Rechtschreibung geben zu lassen und davon zu profitieren? Ist das ein Reinreden in die Belange des Autors? Oder ist es nur das Bestreben des Verlages, in Zusammenarbeit mit dem Autor ein möglichst perfektes, professionelles Werk herauszubringen, wofür der Leser letztlich dankbar ist?  Diese Verlage haben jahrzehntelange Erfahrung mit ihren Lesern. Kann man auf diese Erfahrung einfach so verzichten?

Natürlich ist es zeitaufwendig, auf Verlagssuche zu gehen, vielleicht eine Literaturagentur zu beauftragen und natürlich bekommt man von Verlagen nicht so viele Tantiemen wie von den Selfpublishing Plattformen. Aber dafür geht der Verlag auch in Vorleistung, trägt mehr Risiko als der Autor, der vorab nichts zahlen muss, muss Personalkosten zahlen. Der Verlag bewirbt den Autor, ist auf Messen vertreten, nutzt öffentliche Medien. Das alles kostet den Verlag Geld. Es liegt im Interesse des Verlages, das Werk eines Autors an den Mann zu bringen, denn mit den Einnahmen aus den Verkäufen steht und fällt das Verlagsgeschäft.

Ein Selfpublisher, der Lektorat und Cover als Dienstleistung machen lässt, trägt dagegen die Kosten selbst dafür, tritt in Vorleistung. Manchen ist das egal, wie sie schreiben. Für die ist es ein Hobby, das Geld kostet wie alle anderen Hobbys auch. Doch wer betriebswirtschaftlich denkt, stöhnt innerlich auf, wenn er ausrechnet, wie viele Bücher verkauft werden müssen, um das Geld wieder hereinzubekommen. Und er muss für sich selbst werben, sich ständig über Neuerungen informieren, neue Wege finden, auf denen er sein Buch öfter oder besser vertreiben kann.

Was ist so schlimm an Terminvorgaben? Haben wir die nicht alle täglich in unserem Brotjob? Journalisten sind auch Autoren, die müssen sich täglich an Termine halten.

Ist das nicht nur eine Frage der Kontinuität, des eigenen Arbeitseifers, ob wir diese Termine halten können oder nicht? Bei Terminen kommt es wie bei allem anderen doch nur auf die Kommunikation zwischen Verlag und Autor an. Schaffst du es, dein nächstes Buch bis Tag X fertigzustellen, damit es noch ins Herbstprogramm kann oder nicht? Wenn man an dieser Stelle ehrlich mit nein antwortet, wird der Verlag bestimmt sagen, okay, dann nehmen wir es ins Frühjahrsprogram, wenn er wirklich an einer Zusammenarbeit mit uns Autorinnen und am Buch interessiert ist.

Geduld braucht man immer, egal welchen Weg man einschlägt, egal ob als Selfpublisher oder als Verlagsautor.

Soweit einmal meine Gedanken zu diesen Themen. Jeder kann es so halten wie er will, kann Selfpublisher bleiben oder Verlagsautor werden, jeder hat seine Entscheidungsfreiheit. Das hier ist völlig kritikfrei, nur vielleicht einmal ein Gedankenanstoß, für die, die an ihren Umsatzzahlen verzweifeln oder gerade erst als Autorinnen beginnen. Man muss schon ein Talent haben, für Eigenwerbung, für den eigenen Verkauf, als Person oder für seine Werke, um wirklich Erfolg als Selfpublisher zu haben.

Macht euch im Vorfeld ausreichend Gedanken, welcher Weg der eure ist. Seid kritisch zu euch selbst, ob ihr die Ausdauer und den Nerv habt, als Selfpublisher alles selbst und euch bekannt zu machen. Genau so, wie es dazu gehört, zu überlegen, was man und ob man etwas erreichen will.

Beide Wege sind hart, verlangen Geduld, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Einen Bestseller zum Start ins Autorenleben schaffen nur die wenigsten.

*Diese Seite kann Verkaufslinks und Werbung beinhalten.

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