Geschichte des Tages: Petra Weise – Die englische Krankheit

Geschichte des Tages: Petra Weise – Die englische Krankheit

20.03.2018

Die englische Krankheit

Als Autor kann ich nur schreibend leben. Das Schreiben ist meine Heimat. Ich liebe diese Heimat und meine Muttersprache sehr und schreibe ausnahmslos in Deutsch, denn so kann ich mich am besten ausdrücken. Unsere Sprache verfügt über so viele Worte, dass ich für jedes Gefühl, für jede Handlung das passende finde. Zudem kann ich im Deutschen Wörter zu ganz neuen Worten zusammenfügen wie Blumen-Topf oder heraus-holen oder mit-bringen oder Buch-Titel. Das ist in anderen Sprachen nicht möglich.
Umso erstaunlicher finde ich, dass unsere schöne Sprache von englischen Vokabeln regelrecht aufgeweicht und direkt zersetzt wird und begreife den Grund dafür nicht.
Das liegt wohl in der Erziehung, denn schon kleine Kinder bzw. kids gratulieren nicht mehr zum Geburtstag, sondern plärren „Häbbie Birsdei!“. Zum Ehrentag gibt es kein Fest, sondern eine party, gern open air statt einfach draußen. Das Essen bzw. den finger food bringt ein catering service. Das finden alle cool und macht sie happy. In der Schule und sogar in der Kirche lernen sie nur noch englische songs, unsere deutschen Volkslieder kennt kaum noch jemand. Ich bedaure das sehr, denn damit geht unser Kulturgut verloren – und das in einem Land, wo all die berühmten und weltweit bekannten Komponisten herkommen. In Japan lernt jedes Kind ein Instrument zu spielen, während hierzulande kaum noch gesungen wird. Vielleicht besuchen sie mit ihrem dad ein event statt eine Veranstaltung. Dort spielt natürlich weder ein Orchester noch eine Kapelle, sondern eine band.
„Worum geht’s in deiner Storry?“, werde ich gefragt. Ich schreibe Geschichten und veröffentliche diese selbst, doch mag ich kein selfpublisher sein. Meine Bücher haben wunderbar passende Titelbilder und keine cover. Die Leipziger Buchmesse wirbt mit event tickets. Man lädt mich ein, Meet and Greet zu besuchen. Wenn ich den Stand nicht finde, hilft mir keine Auskunft, sondern der point of information. Ich entdecke ein Plakat mit dem Aufruf, shelfies für einen contest einzusenden. Für Jungautoren ist ein future!publish! organisiert und für Buchhändler Best Practise, um ihren Umsatz zu steigern. Nach der Messe gab es ein statement.
Das Arbeitsamt wurde ganz modern und zeitgemäß zum job center und demzufolge die Arbeitsstelle zum job. Hier trifft man sich nicht zu wichtigen Besprechungen, sondern nennt es meeting. Selbst die kleinste Firma möchte nicht mehr in der nächsten Umgebung verkaufen, sondern viel lieber global player sein und weltweit per website mit ihren Produkten werben.
Im Sport gibt es statt eines Spiels ein match – man fights mit viel power. Aus dem Sieger ist der winner geworden, aus dem Tormann der keeper. Im Wald treffe ich statt der vielen Dauerläufer nur noch jogger oder auch biker, die schon lange keine Radfahrer mehr sind. Bei einem Zusammenstoß bittet keiner um Entschuldigung, sondern ruft fröhlich sorry. Begegne ich einem Bekannten, wünscht er mir keinen Guten Tag – ein kurzes hallo reicht ihm völlig aus. Und falls er alleinstehend ist, nennt er sich single.
Man mietet kein Auto, sondern rent a car. Man geht nicht einkaufen, sondern shoppen. Über den Schaufenstern kleben große Hinweisschilder: sale. Ich kaufe im shop kein Unterhemd, sondern ein top, dazu einen slip und keinen Schlüpfer, statt Pullover bevorzuge ich shirts und leggins statt Strumpfhosen. Wenn ich Pech habe, finde ich zum Bezahlen keine Kasse, sondern nur einen POS (point of sale). Viele Leute schlürfen keinen Kaffee aus Pappbechern, sondern gönnen sich einen coffee to go.
In Fernsehsendungen werden best of geboten und Germanys next topmodel oder the voice of Germany gesucht, die in battles, challenges oder competitions gegeneinander antreten.
Nein, lieber Leser – Englisch spreche ich mit Ausländern, wenn sie kein Deutsch verstehen. Hierzulande benutze ich unsere wunderbare Sprache, gern auch mit Dialekt, um das Heimatgefühl zu verstärken. An der englischen Krankheit leide ich zum Glück nicht und mache es mir zur Die englische Krankheit

Als Autor kann ich nur schreibend leben. Das Schreiben ist meine Heimat. Ich liebe diese Heimat und meine Muttersprache sehr und schreibe ausnahmslos in Deutsch, denn so kann ich mich am besten ausdrücken. Unsere Sprache verfügt über so viele Worte, dass ich für jedes Gefühl, für jede Handlung das passende finde. Zudem kann ich im Deutschen Wörter zu ganz neuen Worten zusammenfügen wie Blumen-Topf oder heraus-holen oder mit-bringen oder Buch-Titel. Das ist in anderen Sprachen nicht möglich.
Umso erstaunlicher finde ich, dass unsere schöne Sprache von englischen Vokabeln regelrecht aufgeweicht und direkt zersetzt wird und begreife den Grund dafür nicht.
Das liegt wohl in der Erziehung, denn schon kleine Kinder bzw. kids gratulieren nicht mehr zum Geburtstag, sondern plärren „Häbbie Birsdei!“. Zum Ehrentag gibt es kein Fest, sondern eine party, gern open air statt einfach draußen. Das Essen bzw. den finger food bringt ein catering service. Das finden alle cool und macht sie happy. In der Schule und sogar in der Kirche lernen sie nur noch englische songs, unsere deutschen Volkslieder kennt kaum noch jemand. Ich bedaure das sehr, denn damit geht unser Kulturgut verloren – und das in einem Land, wo all die berühmten und weltweit bekannten Komponisten herkommen. In Japan lernt jedes Kind ein Instrument zu spielen, während hierzulande kaum noch gesungen wird. Vielleicht besuchen sie mit ihrem dad ein event statt eine Veranstaltung. Dort spielt natürlich weder ein Orchester noch eine Kapelle, sondern eine band.
„Worum geht’s in deiner Storry?“, werde ich gefragt. Ich schreibe Geschichten und veröffentliche diese selbst, doch mag ich kein selfpublisher sein. Meine Bücher haben wunderbar passende Titelbilder und keine cover. Die Leipziger Buchmesse wirbt mit event tickets. Man lädt mich ein, Meet and Greet zu besuchen. Wenn ich den Stand nicht finde, hilft mir keine Auskunft, sondern der point of information. Ich entdecke ein Plakat mit dem Aufruf, shelfies für einen contest einzusenden. Für Jungautoren ist ein future!publish! organisiert und für Buchhändler Best Practise, um ihren Umsatz zu steigern. Nach der Messe gab es ein statement.
Das Arbeitsamt wurde ganz modern und zeitgemäß zum job center und demzufolge die Arbeitsstelle zum job. Hier trifft man sich nicht zu wichtigen Besprechungen, sondern nennt es meeting. Selbst die kleinste Firma möchte nicht mehr in der nächsten Umgebung verkaufen, sondern viel lieber global player sein und weltweit per website mit ihren Produkten werben.
Im Sport gibt es statt eines Spiels ein match – man fights mit viel power. Aus dem Sieger ist der winner geworden, aus dem Tormann der keeper. Im Wald treffe ich statt der vielen Dauerläufer nur noch jogger oder auch biker, die schon lange keine Radfahrer mehr sind. Bei einem Zusammenstoß bittet keiner um Entschuldigung, sondern ruft fröhlich sorry. Begegne ich einem Bekannten, wünscht er mir keinen Guten Tag – ein kurzes hallo reicht ihm völlig aus. Und falls er alleinstehend ist, nennt er sich single.
Man mietet kein Auto, sondern rent a car. Man geht nicht einkaufen, sondern shoppen. Über den Schaufenstern kleben große Hinweisschilder: sale. Ich kaufe im shop kein Unterhemd, sondern ein top, dazu einen slip und keinen Schlüpfer, statt Pullover bevorzuge ich shirts und leggins statt Strumpfhosen. Wenn ich Pech habe, finde ich zum Bezahlen keine Kasse, sondern nur einen POS (point of sale). Viele Leute schlürfen keinen Kaffee aus Pappbechern, sondern gönnen sich einen coffee to go.
In Fernsehsendungen werden best of geboten und Germanys next topmodel oder the voice of Germany gesucht, die in battles, challenges oder competitions gegeneinander antreten.
Nein, lieber Leser – Englisch spreche ich mit Ausländern, wenn sie kein Deutsch verstehen. Hierzulande benutze ich unsere wunderbare Sprache, gern auch mit Dialekt, um das Heimatgefühl zu verstärken. An der englischen Krankheit leide ich zum Glück nicht und mache es mir zur Aufgabe, unsere schöne Sprache so gut es mir möglich ist zu pflegen.

(c) 2018 Petra Weise

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1 Gedanke zu „Geschichte des Tages: Petra Weise – Die englische Krankheit

  1. So ist es. Unser Kulturgut, unsere wunderschöne Sprache, die wird immer mehr verdrängt mit dieser Unsitte. Leider.
    Ich selber mache das nicht mit. Wenn ich englisch sprechen und schreiben will, dann richtig oder gar nicht.
    In meinen Geschichten, Gedichten, Versen, Sprüchen vermeide ich das.
    Die Leute, die solche Worte in den Mund nehmen, die sind sofort bei mir durch, weil ich sie geistlos finde, es mich wütend macht.
    Besonders auch bei den Moderatoren im Fernsehen, Radio.

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