Diandra Linnemann

Autoreninterview Diandra Linnemann

Diandra Linnemann ist diplomierte Übersetzerin und darüber hinaus Autorin mehrerer fantastischer Bücher und Kurzgeschichten. Sie mag Kaffee, Katzen und ihre neuen Laufschuhe. 

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 Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war ein stilles, langweiliges Kind, das sich gerne Geschichten ausgedacht hat. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer, verstörender Schritt für die Menschheit.

 Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Eigentlich bin ich von Natur aus ungeduldig, also möchte ich immer direkt losschreiben. Allerdings weiß ich aus bitterer Erfahrung, dass das Überarbeiten in solchen Fällen die reinste Folter ist. Also schreibe ich höchstens eine oder zwei Szenen, die mir unter den Nägeln brennen, und halte mich sonst vornehm zurück, bis der Plot möglichst detailliert steht. Umschmeißen kann ich das Ding anschließend immer noch.

 Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Beides – meine „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe veröffentliche ich selbst, das humorige Chiclit-Fantasy-Abenteuer „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ ist im Chaospony Verlag erschienen. Wenn MhdsB fertig ist und ich mich auf das nächste GAP („grandioses aufregendes Projekt“) stürze, muss ich gucken, wo es am besten unterkommt. Aber langfristig kann ich mir die Kooperation mit enthusiastischen Verlagen gut vorstellen.

 Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Persönlich bin ich sehr langweilig, darum bediene ich mich hemmungslos bei den Abenteuern, die meine Freunde erleben. Außerdem belausche ich fremde Gespräche im Bus, fotografiere merkwürdige Szenen und spinne oft Kleinigkeiten aus anderen Geschichten als „Was wäre, wenn …“ weiter. Manchmal dauert es einen Moment, bis die verschiedenen Ideen sich in meinem Kopf zu einer ganzen Geschichte zusammenfinden, wie bei einem guten Eintopf: Alles schmoren lassen, bis etwas Wunderbares dabei herauskommt.

 Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Bei Notizen greife ich am Anfang oft auf Papier und Stift (oder beim Plotten auf Karteikarten, wenn die Reihenfolge noch nicht feststeht) zurück. Da ich aber viel schneller tippe als kritzle, hat sich das Direkttippen inzwischen bewährt. Übung macht eben den Meister. Nur Briefe schreibe ich immer noch am liebsten von Hand.

 Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Eigentlich komme ich damit gut zurecht und finde immer wieder schnell in die Szene – das ist der Vorteil davon, wenn man mit Geschwistern aufgewachsen ist. Befinde ich mich allerdings in einer „heißen Phase“, kann ich ungemütlich werden. Mann und Katzen haben gelernt, mir dann aus dem Weg zu gehen, bis das Klappern der Tastatur verstummt.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ geht?

Natürlich um das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Und um Castingshows, Harzer Käse und einen Planeten ohne Sinn für Humor. Diese Konstellation braucht Andrea nämlich, um zusammen mit dem Außerirdischen Bob und ihrem schwulen besten Freund Sven die Welt zu retten.

 Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Ich habe einen eng getakteten, unmöglich einzuhaltenden Schreibplan mit drei weiteren MhdsB-Büchern für 2018 und dem GAP, dem ich mich 2019 endlich widmen kann – das brennt mir seit einem Jahr unter den Nägeln, doch ich reiße mich noch zusammen. Die nächsten drei Bücher um meine Hexe Helena Weide und ihren wortkargen Assistenten möchte ich am Stück schreiben, weil wir das fulminante Finale ansteuern. Mal schauen, ob das alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Diesen Monat recherchiere ich Legenden aus der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, die brauche ich für den nächsten Plot.

Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

Liebesromane kann ich mir nicht vorstellen, und obwohl ich wirklich gerne Kinderbücher schreiben würde, hat es bislang noch nicht geklappt – vielleicht habe ich dafür einfach kein Talent. Aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf.

 Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Wenn ich groß bin, möchte ich wie Neil Gaiman werden. ^^ Ansonsten lese ich viel – nicht so viel, wie ich möchte – und alles Mögliche, und schaue mir die gelungenen Kniffe der anderen Autoren dreist ab. Auch von Negativbeispielen lerne ich eine Menge. Wahrscheinlich ist das ein Autorenfluch.

 Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Meine Familie unterstützt mich sehr und ist stolz auf mich, auch wenn sie meine Geschichten oft ein wenig merkwürdig findet. Mein Partner liest meine Bücher und Kurzgeschichten gelegentlich, ist aber selbst eher ein Fan von Science-Fiction, da habe ich mich noch nicht drangewagt. Er unterstützt mich auf jeden Fall bei jeder noch so absurden Idee – lässt mich zum Schreiben in Frieden, trägt schwere Pakete, verzichtet auf Tisch und Stühle, wenn ich dringend etwas basteln muss, und schweigt vornehm zur wachsenden Zahl Bücher in unserer Wohnung. (Nein, Schatz, die waren schon immer da. Ein neues Regal? Wo denkst du hin? Das steht da nicht erst seit heute Morgen. Ich schwör!)

 Hast noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Ein bisschen. In erster Linie gehe ich laufen und zweimal pro Woche mit einer Freundin ins Fitnessstudio – für September 2018 habe ich mich für einen Strongman-Run angemeldet, das war wieder eine von diesen Schnapsideen. Außerdem koche und backe ich gerne und gehe regelmäßig in Museen, von denen wir in Bonn ja reichlich haben. Aber es ist ein Balanceakt, alles unter einen Hut zu kriegen UND ausreichend zu schlafen. (Hausarbeit wird überbewertet.)

 Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Ich möchte viel reisen. Als ich jung war, konnte meine Familie sich das nicht leisten, und im Studium bin ich – obwohl ich Japanisch und Arabisch studiert habe – auch nicht weit herumgekommen. Allmählich hole ich auf, mein Favorit bislang war Island, aber es gibt noch so viele Gegenden, die ich unbedingt sehen möchte!

 Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Neulich habe ich überlegt, dass Michael Fassbender oder Tom Hardy sich gut als Protagonist im GAP eignen würde, aber das kann sich natürlich noch ändern. Das wird jemand, dem man zutrat, mit bloßen Händen einen Löwen zu erlegen – auch wenn er das natürlich nicht tut, ich mag Tiere. Generell kenne ich mich mit der Filmlandschaft nicht aus und würde solche Entscheidungen den Fachleuten überlassen.

 Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Keine Ahnung. Gestern hatte ich eine E-Mail von einer jungen Dame in meinem Postfach, die signierte Bücher bestellt hat, und ich bin völlig ahnungslos. Irgendwie tauchen die einfach auf. Zugegeben, ich bin nicht besonders gut im Umgang mit anderen Menschen. Meistens finden sie mich.

Hattest du schon Lesungen?

Zu meinem letzten Geburtstag habe ich mir selbst ein Lesungsevent in der großartigen Brettspielekneipe „Voyager“ in Bonn geschenkt, sozusagen als Generalprobe für Ruhm und Ehre. Eine Freundin hat mir einen großen, dreidimensionalen Tentakelwesen-Aufsteller gebastelt, und zum Anstoßen gab es für jeden, der wollte, einen „Kraken“-Rum. Viele Gäste waren Freunde und Bekannte, aber einige Leute kannte ich nicht, und das Event lief insgesamt hervorragend.

Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Ich habe gerne recht.

 Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Meine Werbestrategie ist die wahrscheinlich dümmste, die es gibt – wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme und sie über meinen Humor lachen, erzähle ich ihnen von meinen Büchern. Ich konvertiere sie sozusagen einzeln und von Hand. Das dauert natürlich. Ansonsten bin ich auf den üblichen Social-Media-Plattformen zu finden, wo ich Fortschritte und Anekdoten teile, aber so ein richtiges Konzept könnte ich mir ja zum nächsten Geburtstag wünschen …

 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Wenn ich am Schreibtisch sitze, läuft eigentlich immer Musik – oder eine Serie, die ich kenne und bei der ich nicht aufpassen muss. Dann ist meine innere Nörgeltante abgelenkt. Manche Bücher oder Charaktere haben ihren eigenen Soundtrack. „Knochenblues“, der gegenwärtig jüngste Band der MhdsB-Reihe, wurde inspiriert von „The Bonny Swans“, in der Version von Loreena Mckennitt. Und falls ich mich mal zum Schreiben aufraffen muss, hilft Musik von Queen merkwürdigerweise immer.

Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

… gäbe es Tote. Oder Torte, eine Karriere als schlechtgelaunte Konditorin wäre nicht völlig abwegig.

 Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Tu’s. Alles Schlechte, was du schreibst, ist um Längen besser als das, was du nicht schreibst. Überarbeiten kannst du später immer noch – damit darfst du es dann nur nicht übertreiben!

 Deine drei Wünsche an die gute Fee?

– Mehr Zeit zum Schreiben.

– Ein von Zauberhand aufgeräumtes Häuschen im Wald.

– Eine magische Kaffeekanne, aus der immer frischer, heißer Kaffee kommt. (Natürlich FairTrade und Bio.)


Vielen Dank für das offene Interview, Diandra Linnemann, und weiterhin viel Erfolg.

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