Gedichtewettbewerb: Thomas Märtens – Der Clown

Thomas Märtens – Der Clown

01.04.2018

Der Clown

Der Clown lief im Manegenrund,
er war so lustig und so bunt.
Die dicke rote Nasenknolle 
unter’m Hut gelockte Wolle.
Und dann die weite Pluderhose,
die Hosenträger waren lose.
Riesengroße, gelbe Schuhe,
so saß er dort auf einer Truhe.
Schräger Sound aus schriller Tröte,
er machte Faxen, spielte Flöte,
wie ein Floh sprang er umher,
die Kinder johlten, wollten mehr.

Und der Clown war gar nicht feige,
schrammelte auf einer Geige,
konnte Purzelbäume machen,
ließ die Kinderscharen lachen.
So verging zu schnell die Stund‘
im sandigen Manegenrund
wo zuvor die Elefanten
voll Elan im Kreise rannten
und, nachdem der Clown gegangen,
Pferde an zu springen fangen.

Doch später hinter’m Zirkuszelt,
in unserer so realen Welt,
stand er abseits in Pluderhosen
rauchte stumm, trank Bier aus Dosen.
Stand dort verlassen und allein,
wer mochte der Mensch hinter der Maske sein?
Ob er Frau und Kinder hat?
Vielleicht hat er das Clown sein satt
und möchte ganz woanders sein,
wo Frühling ist und Sonnenschein.

Als ich ihn neulich wiedersah,
nahm ich ihn ganz anders wahr.
Wie eh und je sprang er herum,
dann fiel der „dumme August“ um,
ging auf Händen, lachte laut,
hat trottelig umhergeschaut.
Er machte nur verrückte Sachen,
doch ich konnte nicht mehr über ihn lachen.

(c) Thomas Märtens

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