Gedichtewettbewerb: Erik Lüngen – Der Weltenbürgertraum

Erik Lüngen – Der Weltenbürgertraum

Der Weltenbürgertraum

Ernst schaut mein Gesicht im Pass den Grenzer an.
Er nickt mir zu und ich kann passieren dann.
An vielen Grenzen ging es mir schon so,
USA, Indien, China, Europa, Anderswo.
Manchmal brauche ich Stempel oder Visum,
Doch selten diskutiert man mit mir rum.
Arbeiten, leben, verweilen wo und wie ich will,
Ausser dieser Plastikkarte bedarf es nicht viel.

Mein Ausweis öffnet fast jeden Schlagbaum,
In Deutschland geboren lebe ich den Weltenbürger-Traum.

Und Du? Dich lassen die Türsteher nicht rein,
Du gehörst nicht dazu, das wird so schon richtig sein.
Bist zur falschen Zeit am falschen Ort geboren,
Somit hast Du eigentlich schon jetzt verloren.
Du hast keinen Pass, kannst Dich nicht ausweisen,
Wirst überall weggeschickt, musst weiterreisen.
Gezeichnet von Krieg, Flucht und Demütigung,
Bewahrst Du Dir irgendwie Zuversicht und Haltung.

Mein Ausweis öffnet fast jeden Schlagbaum,
In Deutschland geboren lebe ich den Weltenbürger-Traum.

So gerne würde ich auch für Dich die Schlagbäume öffnen lassen.
Ging mein Ausweis nur für Zwei, dann würde es für Beide passen.
Ich würde Dir auch einen ganz eigenen Pass bezahlen,
Um zu Beenden das Vakuum, das Suchen und die Qualen.
Nur in welcher Amtsstube können wir vorsprechen
Um die unmenschliche Warterei und die Schlagbäume zu durchbrechen?
Wo ist der Beamte, der Dein Problem lösen kann?
Wann fängt Dein Weltenbürger-Traum endlich an?

Oder noch besser, Nationen vertragen sich, Staaten öffnen Raum,
Und wir leben alle zusammen den Weltenbürger-Traum!

(c) Erik Lüngen 

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