Gedichtewettbewerb: Maik Drossel; D-Day

Maik Drossel; D-Day

03.04.2018

D-Day

Invasion 06.Juni 1944

Narben 
einer letzten gebliebenen Erinnerung.
Alles, was wirklich bleibt,
ist ein gerahmtes verzagtes Lächeln
unter strahlend müden Augen.
Einem verblichenen Paar
nun gleich derer von 12 Tausend.
Wellen,
die sich an belgischen Toren brechen.
Wellen, die,
könnten sie nur sprechen,
von Tränen, Sand und Blut erzählen.
Wellen,
auf deren roten schaumigen Kronen
Helme wie verlorene Boote
ohne Steuermann segeln;
fast so wie wir selbst.
Und wieder diese
wunderbaren tiefen Augen,
die mir immer wieder
traurig erklären,
dass sie niemanden töten können
und werden,
auch wenn es den zitternden Händen
befohlen wurde.
Nur fünf Kilometer,
wie ironisch klein doch die Welt ist,
wenn wir sie abstecken.
Fünf Kilometer Hölle
aus Feuer, Metall
und flehenden Herzen,
deren hoffnungslose Gebete
nur der stürmische Wind besang,
in dessen Klang
ihre Schmerzen
ungehört verhallten.
Fünf Kilometer
überblicken diese Augen,
diese wundervollen Augen,
die nie mehr auf die Frucht
ihrer Liebe schauen dürfen,
weil sie sich in den Wirren
der Welt verirrten.
Ein zu kurzes
ungewolltes Dasein
zwischen Kimme und Korn,
richtig und falsch,
Leben und Tod.
Er senkt die offene Visierung,
atmet langsam tief ein
und erwartet den Schuss.
Was am Ende bleibt,
sind einzig die Augen
und ein Lächeln,
das einzig in der Erinnerung
aus weiter Ferne ruft.

© Maik Drossel

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