Sybille B. Lindt

Autoreninterview Sybille B. Lindt

Geboren und aufgewachsen in der brandenburgischen Provinz.
Nach dem Abitur und dem Abschluss einer Maurerlehre ging sie zum Bibliothekarsstudium nach Leipzig.
Arbeitete ein Jahr in öffentlichen Bibliotheken in Berlin-Prenzlauer Berg.
Rückkehr nach Leipzig, Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften.
Kurze Tätigkeit beim Verband Bildender Künstler, dann sieben Jahre am Zentralinstitut für Biblio-thekswesen in Berlin als Redakteurin für Skandinavische Literatur und Sachberaterin für den Be-reich Reproduktionen und Artotheken.
Ab 1983 freiberuflich tätig als Kulturjournalistin für die überregionale Tageszeitung „Der Morgen“ und als Übersetzerin aus dem Schwedischen.
Erlebte am 9.November 1989 an der Bornholmer Brücke den Fall der Berliner Mauer.
Lebt seit 1996 in Köln und der Mecklenburger Schweiz.
Verheiratet, zwei Töchter. Ist Autorin, Fotografin, Ausstellungsmacherin und Kritikerin von Kinder- und Jugendliteratur.
Schreibt Kurzprosa, gelegentlich auch Lyrik, Kinderbücher und Reiseliteratur.
Veröffentlicht sei 1990 in Zeitschriften, Anthologien und Einzelwerken:
„Valdemar Lindholm: Märchen und Sagen aus Lappland“ Übersetz. aus d. Schwed., Reclam 1989
„Schräge Vögel“, Hrsg., Bonn: Kid-Verl., 1994
„Zugbrücke: Neun Kölner Autorinnen“, Mitautorin, Weilerswist: Landpresse, 1997, 1999
„Ungleiche Schwestern“ (mit H. Emge u. S. Schönhof),Nordhausen: Bautz Verl., 2006 (1.A.1999)
„Der SCHÜCHTERNE Hase“, Köln: Edition LINA, 2014/15
„Die kleine Friederike“, Köln:Edition LINA, 2016/17
„Stadt am Rhein – Die Ankunft“, Köln: Edition LINA, 2017


Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich hatte schon als Kind viel gelesen und dann als Zehnjährige mein erstes Buch geschrieben, ein dickes Schreibheft voll. Der Titel war „Wer fährt ans Schwarze Meer?“ Zwischen 17 und 19 Jahren schrieb ich eine Menge Gedichte über den Sinn des Lebens. Anfang der 80er Jahre, da war ich Mitte dreißig, begann ich mit dem Übersetzen aus dem Schwedischen und schrieb wieder Gedichte. Ende der 80er begann ich Kurzprosa zu schreiben mit dem Ziel, sie auch zu veröffentlichen.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Ich schreibe keine Romane, sondern ausschließlich Kurzprosa und Lyrik. Meist geht mir eine Geschichte lange im Kopf herum und dann schreibe ich sie in einem Guss nieder. Lege sie weg und bearbeite sie später noch. Lyrik schreibe ich eher spontan.

Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich hatte schon bei Verlagen veröffentlicht, als ich mich bewusst für das Selfpublishing entschied.

Worin ich viele Vorteile für die eigene kreative Entfaltung sehe. Doch ich würde Verlage nicht grundsätzlich ausschließen, wenn der Lektor und die Konditionen stimmen.

Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Nur bei den Bänden „Zugbrücke“ und „Ungleiche Schwestern“, die ich mit anderen Kölner Autorinnen veröffentlicht habe, stand eine bestimmte Idee am Anfang, die ich eingebracht habe, um die anderen mitzureißen. Die Idee zu „Ungleiche Schwestern“ (Leben in Ost und West gegenüberzustellen) bekam ich nach der gleichnamigen Wander-Ausstellung, die das auch tat, wenn auch mehr äußerlich. Mein letztes Buch „Stadt am Rhein – Die Ankunft“ ist aus Texten entstanden, die ich in meinem Ankunftsjahr in Köln 1995/96 geschrieben und in dem Band nun zusammengefügt habe. Wobei in diesem Prozess auch noch etwas Neues entstand und Texte verändert wurden.

  Meine Inspiration zum Schreiben bekomme ich fast immer aus dem realen Leben, dem meinen oder dem anderer Menschen, aus Geschehnissen, die mich bewegt oder beeindruckt haben, sei es positiv oder negativ.

Manchmal schreibe ich auch nach vorgegebenen Themen, z.B. für Wettbewerbe oder Anthologien.

Schreibst du direkt am PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Ich schreibe jede Geschichte zuerst in ein dickes Notizheft handschriftlich ein. In den PC erst dann, wenn ich sie in einem bestimmten Zusammenhang brauche, für ein Buch oder einen Wettbewerb.

Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Ich muss beim wirklichen Schreiben, absolut allein sein, jede Störung bringt mich aus meinen Gedanken heraus. Deshalb schreibe ich oft in schlaflosen Nächten und am frühen Vormittag, da mein Mann erst spät aufsteht.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Stadt am Rhein – Menschen und Orte“ geht?

Der zweite Band von „Stadt am Rhein – …“ umfasst Texte über „Menschen und Orte“, die ich in den letzten zwanzig Jahren, bis 2017 heran, in der Stadt am Rhein kennengelernt habe. Wobei manches heute historisch interessant ist, manches von vor zehn Jahren noch immer erstaunlich aktuell. Insgesamt gibt der Band wohl ein facettenreiches Bild von den Menschen dieser Stadt am Rhein, vom Standpunkt einer weiblichen Beobachterin, die von außen kommt und gern auch eine Prise Ironie einstreut.

Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Ja, es gibt einige Projekte, die ich noch verwirklichen möchte: Einen Band mit Texten aus meiner Berliner Zeit, einen Band zu meiner Kindheit in einer brandenburgischen Kleinstadt und mindestens zwei Bände zu meinen Reisen. Einer davon, zu den Reisen in die USA, umfasst schon 50 Seiten.

Ob noch ein Kinderbuch entsteht, hängt davon ab, wie wichtig mir eine spontane Idee/ Eingebung wird.

Gibt es ein Genre, in dem du nicht schreiben würdest/ könntest?

Krimis, Horror, Thriller – ich würde sie nicht schreiben wollen.

Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Ich habe in meinem ganzen Leben sehr viel gelesen, auch von Berufs wegen und hatte unterschiedliche Vorlieben in bestimmten Zeiten. Doch seit meinem Bibliothekarsstudium habe ich immer

wieder gern die amerikanischen Short Stories gelesen, von Twain, London und Melville über Hemmingway, Th. Wolfe und Steinbeck bis zu Salinger, Plath und Carver und heute T.C. Boyle und Alice Munroe. Und von den nichtamerikanischen Autoren Herta Müller, lange bevor sie den Nobelpreis bekam, Elsa Triolet (Rosen auf Abzahlung), Natalia Ginzburg (Stimmen des Abends) und einige skandinavische Erzähler wie Selma Lagerlöf, Lars Gustafsson und Stig Dagerman.

Seit ich intensiver schreibe, lese ich weniger, vor allem seltener Romane. Ich lese gezielter,

zum Beispiel, wenn ich über die Kindheit schreiben will, suche ich mir einige Autorinnen, die auch über ihre Kindheit geschrieben haben. Ich übernehme keine Zeile davon, aber diese Bücher bringen mich in die richtige Kindheitsstimmung.

Bei Alice Munroe fand ich eine Geschichte, in der sie eine kanadische Kleinstadt so beschreibt,

dass ich darin meine brandenburgische Kleinstadt wiedererkannt habe. Wenn ich darüber schreiben werde, lese ich die Munroe-Geschichte sicher noch einmal.

Als ich den ersten Band von „Stadt am Rhein – Die Ankunft“ schon abgeschlossen hatte, fiel mir zufällig das Buch „Lake Wobegon“ von Garrison Keillor in die Hand. Ein Buch, das mir außerordentlich gefiel, es hat mich nachträglich darin bestärkt, so zu schreiben, wie ich es getan.

Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Mein Mann akzeptiert schon, dass ich schreibe und mich da öfter zurückziehen muss. Aber es fällt ihm schwer, mich nicht zu unterbrechen und er regt sich gelegentlich darüber auf, dass ich oft nicht wirklich zuhören kann (weil in Gedanken). Aber er ist mein erster Test-Zuhörer bei neuen Texten und gibt mir gute Hinweise. Meine ältere Tochter ist Dramaturgin und liest, wenn es ihre Zeit erlaubt, auch mal Korrektur.

Hast du noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Ja, Gartenarbeit in der warmen Jahreszeit, Kino-Theater-Konzerte im Winter, Reisen und Fotografieren und ich singe in einem Schlagerchor.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon?

Ja, ich würde gern noch eine Weltreise machen wollen und mir dabei viel Zeit nehmen.

Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf?

Wer würde es werden?

Meryl Streep und Robert Redford.

Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Über entsprechende Internet-Seiten, auf Lesungen

Hattest du schon Lesungen?

Ja, für Kinder in Kitas und Schulen und Lesungen für Erwachsene in Bibliotheken, Bürgerzentren,

Rundfunk und Cafe´s.

Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

So ganz schlimme Sachen fallen mir da nicht ein. Aber ich mache kein bisschen Sport, obwohl ich es sicher müsste. Ich sitze noch zu viel vor dem Fernseher, obwohl ich ihn meist nur zum Einschlafen nutze und ich trinke vermutlich zu viel Kaffee…

Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Ja, über das Internet auf entsprechenden Werbeseiten. Mit Postkarten, die verteilt und verschickt werden… Da habe ich sicher die Reserven noch nicht ausgeschöpft.

Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Nein, wenn ich wirklich schreibe, brauche ich absolute Ruhe. Beim Korrektur lesen evt., aber

auch nur als Hintergrundmusik.

Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

wäre ich sehr traurig, würde aber wieder mehr lesen. Bücher von anderen Autoren, die schon lange bei mir darauf warten, gelesen zu werden. Wenn ich nicht mehr lesen könnte…, das wäre schlimmer, aber dann würde ich mehr reisen und fotografieren, doch wenn ich nicht mehr reisen könnte… ?

Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

„Schreiben lernt man durch Schreiben!“, jeden Tag ein paar Stunden. Schreibwerkstätten besuchen,

wenn der Frust dort zu groß, abbrechen. Ein oder zwei Autoren  (evt. erfahrenere) suchen, mit denen man gut kann und regelmäßig gegenseitig Texte vorlesen, konstruktive Kritik annehmen, vor allem Kürzungsvorschläge, meist wird der Text durch Kürzen besser. Texte für Wettbewerbe einreichen, Lesemöglichkeiten suchen, sich im Internet mit anderen Autoren (und -gruppen) vernetzen.

Deine drei Wünsche an die gute Fee?

1) Ich möchte keinen 3. Weltkrieg erleben.

2) Ich möchte auch im hohen Alter, wenn ich es denn erreiche, einigermaßen gesund bleiben.

3) Meine beiden Töchter mögen, wo immer sie sind, was immer sie tun, ihr Glück finden.


Vielen Dank für das offene Interview, Sybille B. Lindt, und weiterhin viel Erfolg.

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1 Gedanke zu „Sybille B. Lindt

  1. Das hat mir alles sehr gut gefallen.
    Bin vor soviel Wissen und Erfahrung
    Voller Bewunderung. Fühle mich Ihnen gegenüber leicht minderbemittelt.

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