Anja Mellies

Autoreninterview Anja Mellies

Wie bis du zum Schreiben gekommen?

Ich habe 6 Geschwister. Um meine Ruhe zu haben, bin ich auf mein Zimmer gegangen, habe mich auf mein Bett gelegt und bin in meine eigene Fantasiewelt geflüchtet. Irgendwann habe ich angefangen, meine Gedanken in kurzen Geschichten aufzuschreiben. Als ich älter wurde, meine Ausbildung begann und von Zuhause auszog, hörte ich wieder auf zu schreiben und meine bereits geschriebenen Geschichten gingen irgendwann verloren.

Erst nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen meine Modewerkstatt schließen musste, suchte ich eine Möglichkeit, mich etwas abzulenken. Mein Mann und ich sahen im Fernsehen eine Dokumentation über einen Schriftsteller, und aus einer Laune heraus sagte ich zu meinem Mann: „Ich kann ja auch ein Buch schreiben.“ Mein Mann sagte: „Mach doch.“ Und es entstand mein erster Roman „Und die Engel weinten …“

 Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Beim ersten Buch habe ich mich hingesetzt und die Geschichte entstand erst beim Schreiben. Bei meinem Buch „Linhart – Die wahre Schuld“ hatte ich die Grundidee aufgeschrieben und versucht, den Ablauf der Geschichte schon zu Beginn zu bestimmen, aber diese beim Schreiben so oft geändert, dass das Buch im Enddefekt auch erst beim Schreiben entstand. Das neue Buch ist von der Grundidee wieder da, die Geschichte und ihr Ablauf entstehen aber auch erst wieder beim Schreiben.

 Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Das erste Buch (und die Engel weinten …) ist beim Joy Edition Buchverlag erschienen. Bei meinem zweiten Buch, Linhart – Die wahre Schuld, habe ich beschlossen, es als Selfpublisher herauszugeben.

 Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Meine Inspirationen bekomme ich überall her. Es kann eine Dokumentation im Fernsehen, ein Artikel in der Zeitung, ein Gespräch mit Freunden, Verwandten oder Kunden sein. Habe ich eine Idee, überlege ich mir die Zusammenhänge, eine grobe Struktur und kenne vielleicht schon den Ausgang der Geschichte.

 Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Ich schreibe am PC. Nur wenn mir etwas einfällt, das zur Story passen könnte und ich kein PC in der Nähe habe, mache ich mir eine kurze Notiz.

 Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Da ich hauptberuflich als selbständige Immobiliensachverständige arbeite und dadurch meine Zeit sehr begrenzt ist, stehe ich zum Schreiben bereits um 5:00 Uhr auf. Die einzige, die mich so früh stören kann (und es vehement versucht) ist meine Katze. Im Sommer mache ich einfach die Terrassentür auf und irgendwann (wenn ich sie nicht beachte) geht sie nach draußen.

 Magst du kurz anreißen, worum es in Linhart – Die wahre Schuld geht?

Es ist ein nachdenklich stimmender, historischer Roman. Eine Geschichte über Menschen, die sich durch Religion zu grauenhaften Taten inspirieren lassen.

Linhart, der Held meines Romans, ist der Schüler des Inquisitors Bartholomeus. Er reist mit ihm viele Jahre lang durch das Land und beobachtet, wie Menschen verurteilt werden. Im Laufe der Zeit bemerkt Linhart jedoch, dass sein Meister nicht wirklich die Wahrheit zu suchen scheint. Er stellt die Urteile von Bartholomeus in Frage und zweifelt die Wege an, die verwendet werden, um die Angeklagten für schuldig zu befinden. Linhart setzt letzten Endes sein eigenes Wohlergehen aufs Spiel, als er gegen die allgemein herrschende Meinung antritt und die Wahrheit ans Tageslicht bringen will…

 Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Im Moment arbeite ich an zwei Büchern. Das eine ist wieder ein Krimi mit historischem Hintergrund. Die Grundidee ist da. Die ersten 20 Seiten sind auch bereits geschrieben, doch ich merke, dass der Ablauf, wie ich ihn mir ausgedacht hatte, mir doch nicht gefällt, das heißt, ich schreibe diese 20 Seiten gerade wieder um.

Das zweite Buch ist die Biografie meiner Mutter. Ein Buch, das mir sehr am Herzen liegt. Ob ich es jemals veröffentlichen werde, weiß ich noch nicht.

 Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

Western

 Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Ich habe keine bestimmten Autoren. Viele Bücher lese ich auf Empfehlung. Ist ein Buch gut und spannend geschrieben, kann es vorkommen, dass ich auch ein zweites oder drittes vom Autor lese.

Natürlich inspiriert mich der eine oder andere Autor. Meist ist es der Schreibstil, die Art, wie er (oder sie) Spannung aufbaut etc.

 Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Mein Mann, mein Sohn und meine Schwiegertochter sind meine kritischsten Fans. Sie unterstützen mich wo immer es geht.

 Hast noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Mein Mann und ich haben uns vor vier Jahren ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus mit einem ca. 1500 m² großen Garten gekauft. Wir sind gerade dabei, die Geschmacksverirrungen der 60er Jahre aus dem Haus zu entfernen und es soweit es geht in seinem Ursprungszustand zurückzubauen. Ebenso im Garten, hier soll nach und nach ein insektenfreundlicher Bauerngarten entstehen. Wenn ich dann noch Zeit habe, fotografiere ich, „photoshoppe“ oder nähe (meist Hochzeitskleider oder historische Kostüme).

 Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Ich möchte unbedingt noch einmal für ein paar Wochen mit dem Caravan durch Norwegen fahren. 2013 waren mein Mann und ich schon einmal da und ich war hin und weg.

 Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

 Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Mein Mann und ich haben ein Makler- und Sachverständigenbüro, auf jeden Infobrief und auf der Webseite wird auf meine Tätigkeit als Autorin hingewiesen. Ich arbeite mit den örtlichen Zeitungen zusammen, die meine Bücher vorstellen. Zusätzlich habe ich an mehreren Stellen Flyer ausgelegt und natürlich nutze ich auch die sozialen Netzwerke und habe eine eigene Webseite.

 Hattest du schon Lesungen?

Für meinen Roman, Linhart – Die wahre Schuld, hatte ich noch keine Lesung. Für das Buch bin ich gerade im Gespräch mit mehreren Veranstaltern.  Für das Buch „Und die Engel weinten…“ hatte ich bereits Lesungen.

 Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Oh-je, wo fange ich an. Cola, bereits zum Frühstück. Süßigkeiten, vor allem weiße Schokolade. Jeden Abend ein Eis, selbst in Winter. Zum Leidwesen meiner Freundinnen hasse ich es, Klamotten zu kaufen. Ich gebe eine Menge Geld für meinen Garten (ca. 1.500 m²) aus, hierfür kann ich mich stundenlang in irgendwelchen Baumärkten, Gärtnereien oder Baumschulen aufhalten. … und natürlich mein Mann.

 Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Ja. Ich werbe in den sozialen Netzwerken, mit Flyern, in Zeitungen und auf meiner und der Webseite meines Mannes. Zusätzlich habe ich viele Freunde, Bekannte und auch Kunden, die über mein Buch sprechen und es weiterempfehlen. Außerdem bin ich dabei, Lesungen zu organisieren.

Und ich suche im Internet immer nach neuen Möglichkeiten, meine Bücher zu bewerben.

 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Ob oder was ich höre hängt von meiner Stimmung ab.

 Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

… würde ein wichtiger Teil meines Lebens verschwinden. Aber ich würde sicherlich einen Ausgleich finden. Zum Beispiel würde ich wieder mehr lesen, noch mehr Zeit in meinem Garten verbringen, fotografieren oder reisen.

 Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Einfach anfangen. Sich von niemanden sagen lassen: „Das wird ja doch nichts“.

 Deine drei Wünsche an die gute Fee?

  • Ich möchte, dass der Mensch endlich erkennt, dass er nicht die Krönung der Schöpfung ist, sondern „nur“ ein Teil. Dass die Natur und die Tiere auch ohne ihn klarkommen, der Mensch aber nicht ohne Natur und Tiere.
  • Ich wünsche mir, dass das Miteinander wichtiger wird, als immer mehr Macht, immer mehr Land und immer mehr Geld. Dass Kriege irgendwann nur noch der Vergangenheit angehören.
  • Und zum Schluss etwas Egoistisches, ich wünsche mir, dass ich nie auf die Pflege und Betreuung von anderen angewiesen sein werde.

Vielen Dank für das offene Interview, Anja Mellies, und weiterhin viel Erfolg.

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