Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – Die Krux mit dem Schreiben

Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – Die Krux mit dem Schreiben

Die Krux mit dem Schreiben

Man setzt sich hin, hat zum ersten Mal eine Idee für ein Buch, von der man selbst begeistert ist. Man hält sie für gut, ist beflügelt und voller Elan. Also schreibt man und schreibt und schreibt und setzt irgendwann das Wort Ende unter sein Werk. Man lehnt sich zufrieden zurück, fühlt sich rundum gut und ist von dem, was man da gerade vollbracht hat, absolut überzeugt. Um Anstand zu gewinnen, bleibt das Dokument auf dem Rechner erst einmal geschlossen.

Man beschäftigt sich mit anderen Dingen und nach ein paar Wochen oder gar ein paar Monaten öffnet man voller Elan erneut sein gespeichertes Werk für die Überarbeitung. Doch plötzlich sitzt man da, grübelt und fragt sich während man überarbeitet plötzlich, ob das alles wirklich so gut ist, wie man noch vor kurzem gedacht hat.

An dieser Stelle sollten wir aber nicht unbedingt an unserem Werk zweifeln, nein, wir sollten uns fragen, woher plötzlich diese Zweifel kommen. Was wir natürlich in dem Moment nicht tun. Wir grübeln lieber über das nach, was wir vor uns sehen, über das, womit wir gerade merkwürdigerweise unzufrieden sind.

Doch jetzt lasst uns einmal davon abgehen, zu grübeln, lasst uns einfach mal darüber nachdenken, was in den Wochen und Monaten passiert ist, was unsere Meinung über unser Werk beeinflusst haben könnte.

Haben wir vielleicht ein Buch von einem anderen Autor gelesen, dass uns völlig begeistert und mitgerissen hat? Haben wir deshalb jetzt das Gefühl, unser Werk ist nicht so gut wie es sein sollte?

Oder beeinflusst uns ein Post auf Facebook, in dem ein anderer Autor darüber klagt, dass sein Skript jetzt bereits vom sechsten Verlag abgelehnt wurde?

Was auch immer der Grund ist – manchmal findet man den auch gar nicht heraus – plötzlich sind da Zweifel, ob unser Buch gut genug ist. Oder haben wir vielleicht gerade nur keinen Bock zum Überarbeiten?

Da wir aber Autoren sind, lassen wir uns nicht unterkriegen und nicht abhalten, überarbeiten bis zum Ende und die Überzeugung kehrt zurück. Ja, das ist richtig gut, was wir da gezaubert haben. Es wird den Lesern gefallen und mit ein wenig Glück schlägt das Buch ein wie eine Bombe.

Jetzt geht es daran, sich Verlage herauszusuchen. Schließlich wollen wir unser Buch ja veröffentlichen. Und so googeln wir nach Verlagen.

Nein, das geht ja gar nicht – Bastei kann ich nicht auf die Liste setzen. Das ist schließlich mein erstes Buch, da brauche ich an die gar nicht erst zu Schreiben. Das gibt sowieso nur eine Absage.

Halt, stopp – genau hier, an dieser Stelle, nicht weiterdenken!

Welcher Teufel reitet uns da gerade wieder? Eben waren wir noch überzeugt, plötzlich haben wir wieder Zweifel.

Denn, wie sagte schon Harry Potter? „Alle großen Zauberer der Geschichte haben eins mit uns gemeinsam – sie waren einmal Schüler, genau wie wir“

Warum tun wir uns das an, wir Autoren? Warum ist da dieser Impuls, die großen Verlage zu meiden und bei einem kleineren zu beginnen? Was kann uns denn im schlimmsten Fall passieren? Das wir eine Absage bekommen vom großen Bastei Verlag?

Natürlich wäre das eine Enttäuschung, wenn da eine Absage käme. Aber diese Absage muss ja nicht zwangsläufig daraus resultieren, dass unser Skript grottenschlecht ist. Vielleicht ist das Programm des Verlages bereits durchgeplant und voll.

Vielleicht ist aber auch nur Lektor Richard Himmel gerade noch eingefallen, dass ein Skript mit einer ähnlichen Idee vor 35 Jahren ein Flop war und er diesen Flop nicht wiederholen möchte.

Oder eine Sekretärin hat das Skript einfach mit einer Standardabsage versehen, weil sich auf dem Schreibtisch oder im Postfach von Herrn Himmel die Manuskripte zu wolkenhohen Türmen stapeln.

Eine Absage kann viele Gründe haben. Bekommt man eine begründete Absage, so kann man sich als Autor mit den Gründen auseinandersetzen und diese Gründe abwinkend im Papierkorb ablegen oder sein Skript in der Richtung überarbeiten und einen neuen Anlauf nehmen.

Egal ob es eine Standardabsage, eine begründete Absage oder einfach gar keine Antwort vom Verlag ist – was haben wir dabei verloren?

Nichts, denn wir stehen immer noch an der gleichen Stelle, haben immer noch die Möglichkeit, Verlage anzuschreiben, aber wir haben eins nicht getan – wir haben nicht von uns aus die Absage gedanklich vorausgenommen. Wir waren mutig, wir haben einen großen Verlag angeschrieben. Wir haben gespielt, aber leider verloren. Das passiert einem oft im Leben, aber deshalb sollte man nicht von vornherein aufgeben und den Kopf in den Sand stecken.

Jetzt stellt euch nur mal vor, es kommt keine Absage. Der Verlag interessiert sich für euer Buch und euer Mut würde belohnt. Plötzlich könnt ihr sagen, mein Buch erscheint bei einem ganz großen Verlag. Der Hammer, oder?

Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich das in den letzten 3,5 Jahren im Autoren_Netzwerk immer wieder gelesen habe.  Vielleicht ist das hier mal ein kleiner Mutmacher, ich hoffe das sehr, denn ich gönne jedem einzelnen von euch den Erfolg.

Da fehlt der Mut um überhaupt einen Verlag anzuschreiben. Da geht jemand ins Selfpublishing, obwohl er /sie genau weiß, das ist nichts für mich oder ich kann doch als Neueinsteiger keinen großen Verlag anschreiben, die nehmen mich sowieso nicht.

Leute, was kann euch denn im schlimmsten Fall passieren? Stellt euch doch einfach selbst einmal diese Frage.

Nichts, ganz einfach – es kann euch nichts passieren. Ihr habt immer noch euer erstes Buch, an das ihr glaubt, ihr steht immer noch an der gleichen Stelle wie vorher, nämlich ganz am Anfang. Ihr habt immer noch unzählige Verlage die ihr anschreiben könnt. Ihr habt immer noch die Möglichkeit, euer Buch selbst herauszubringen.

Das einzige was euch passiert ist, ihr habt vielleicht Zeit verloren. Aber das kann euch auch passieren  wenn ihr statt einem großen einen kleinen Verlag anschreibt.

Alle Bestsellerautoren standen einmal vor der Entscheidung, vor der ihr jetzt mit eurem Buch steht.

Wenn ihr wirklich so große Zweifel an eurem Werk habt, macht es vielleicht gar keinen Sinn, es zu veröffentlichen?

Wenn die Zweifel so groß sind, gebt es einem Fachmann zu lesen. Eine anderen Autor, einem Lektor, einem befreundeten Verleger jemandem aus dem Metier, der Ahnung davon hat. Lasst euch bestätigen, ob euer Werk gut oder schlecht ist, aber werft nicht die Flinte ins Korn, ohne etwas zu unternehmen.

Seid mutig und geht es einfach an. Nur wer fragt bekommt eine Antwort. Es heißt ja nicht umsonst, den Mutigen gehört die Welt. Also los, wie es so schön heißt, Arschbacken zusammenkneifen und durch. Ran an die großen Verlage, die warten auf euch.

(c) 2018 Uwe Tiedje

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