Rosemarie Benke-Bursian

Autoreninterview Rosemarie Benke-Bursian

Bereits während der Promotion hat die Diplom-Biologin Rosemarie Benke-Bursian Publikationen und PR-Artikel verfasst.

Mittlerweile ist sie freiberufliche Wissenschaftsjournalistin und Autorin und hat zahlreiche Texte bzw. Sachbücher für Fachleute und interessierte Laien aus Naturwissenschaft, Medizin und Gesundheit erstellt.

Außerdem schreibt sie vor allem Kurzgeschichten, Krimis und Geschichten für Kinder, die in Literaturzeitschriften, diversen Anthologien, Online-Portalen, Büchern und E-Books veröffentlicht sind, einige davon auch mit Auszeichnung.

Sie ist Mitglied in diversen Autoren- und Künstlerzirkeln, hält Lesungen, redigiert oder lektoriert Texte anderer Autoren und leitet kreative Schreibwerkstätten für Kinder und Erwachsene.

Facebook – Autorenseite

Homepage


Wie bis du zum Schreiben gekommen?

Da habe ich wohl die typische Autorenkarriere zu bieten, denn ich habe mir schon als Kind immer wieder Geschichten ausgedacht und später auch aufgeschrieben. Es hat mir einfach Spaß gemacht, Geschichten zu erfinden bzw. meine Einfälle aufzuschreiben.

Und das hat mich nie wieder ganz losgelassen. Auch heute formieren sich permanent irgendwelche Geschichten in meinem Kopf die dann herausdrängen und aufgeschrieben werden wollen. Das macht mir nach wie vor große Freude.
Inzwischen gefällt es mir aber nicht nur, die Ideen einfach zu Papier zu bringen. Je mehr ich geschrieben habe, um so mehr habe ich das Schreibhandwerk für mich entdeckt, das aus Ideen starke Geschichten macht, die auch für andere unterhaltsam und spannend sind. Denn wie so viele, wollte ich irgendwann nicht mehr nur für mich schreiben, meine Geschichten in Schubladen verstauben lassen, sondern sie veröffentlichen und damit Geld verdienen.
Längt habe ich also auch den Ehrgeiz, treffend zu formulieren, Spannung und überraschende Wendungen einzubauen sowie überzeugende Figuren zu schaffen, wirklich gute Geschichten zu schreiben.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Der klassische Plotter bin eigentlich gar nicht oder nur in besonderen Fällen. Zum Beispiel, wenn ich zu einem bestimmten Thema innerhalb einer Frist einen Text verfassen muss / möchte wie z.B. bei Wettbewerben oder kurzfristigen Auftragsarbeiten und ich nicht auf eine schon vorhandene Idee zurückgreifen kann.
Ganz grundsätzlich plotte ich allerdings in meinen Schreibwerkstätten, wenn ich mit den Kindern – manchmal auch mit den Erwachsenen – eine gemeinsame Geschichte entwickle.
Dann greife ich auf die typischen Plotinstrumente zurück und das funktioniert jedesmal hervorragend.
Im Regelfall aber entwickeln sich meine Ideen wie von selbst zunächst einmal im Kopf / aus dem Bauch heraus. Bei Kurzgeschichten kann es sogar passieren, dass sich die komplette Geschichte nicht nur wie von selbst plottet, sondern auch ausformuliert.
Längere Geschichten / Romane entstehen dagegen portionsweise. Zuerst ist da die Idee, die ich dann aufschreibe und während des Schreibens fallen mir meist schon Einzelheiten an, manchmal direkt ein Anfang und so schreibe ich auch das auf. Meist in Stichworten, denn wenn es gerade mal fließt, komme ich mit dem Schreiben oft kaum nach. Doch was ich nicht notiere kann zu diesem Zeitpunkt auch wieder verschwinden. Und so bin ich zu Beginn vor allem damit beschäftigt in einer Art Stoffsammlung all das zu sammeln, was mir zu Geschichte alles einfällt. Manches formuliere ich ich dann auch schon mal aus, denn auch solche Details entstehen wie aus dem Nichts. Das heißt, ich habe einen ungefähren Faden – Anfang und (vages) Ende sowie diverse Entwicklungen als eine Art Gliederung – notiert, bevor ich richtig loslege.
Beim Schreiben selbst fallen mir dann immer noch weitere Einzelheiten ein, aber auch nicht chronologisch, oftmals zu ganz anderen Szenen oder überhaupt neue Szenen, weiter Figuren, so dass ich parallel die Geschichte ausformuliere und weiter meine Gliederung aufstocke. Manches verwerfe ich auch wieder, weil mir passendere Ideen kommen. Je tiefer ich in meine Geschichte einsteige, je mehr ich meine Figuren kenne und entwickelt habe (bei längeren Geschichten entwickle ich mit der Zeit ein umfangreicheres Psychogramm) um so mehr übernehmen sie auch ein Stück Führung und so ist es gar nicht selten, dass sich dadurch das Ende noch einmal verändert, oftmals verwickelter und noch logischer wird.
Nur manchmal muss ich auch rückwärts gerichtet eine kleine Anpassung vornehmen, aber mein Unterbewusstsein arbeitet ja schneller als ich arbeiten kann und außerdem auch zu allen nur erdenklichen Zeiten: Beim Einkaufen, Joggen, bei der Gartenarbeit, beim Autofahren usw. Daher habe ich auch immer und überall Stift und Block dabei / liegen, um die neuen Gedanken festzuhalten und wenn ich wieder am Schreibtisch sitze, ist meine Geschichte schon wieder um ein Stück gewachsen. Daher beginnt meine Schreibarbeit oft damit die neuen Gedanken an die richtige Stelle in den Text zu weben.
Gelegentlich plotte ich einzelne Szenen, wenn ich dafür noch keine gute Idee hatte. So gesehen bin ich sicherlich ein Mischtyp mit Schwerpunkt „Bauchschreiber“, weil der einfach schneller ist und so gute Ideen hat, die ich mir mein Lebtag nicht im Kopf ausdenken könnte.

Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Bisher bin ich Verlagsautorin, wobei ich – abgesehen von meinen Sachbüchern – vor allem in Kleinverlagen veröffentlicht habe.
Doch ich bin gerade dabei, mich für einige Projekte für das Selfpublishing zu erwärmen.

Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?
Wie oben bei der Frage über das Plotten schon beschrieben, werde ich von Ideen eher überfallen und zwar von viel mehr als ich umsetzen kann. Je mehr ich schreibe, um so mehr Ideen entwickeln sich. Selbst wenn ich ein Sachbuch schreibe, habe ich Ideen für Geschichten.
Mein Ideen sammle ich in online- und offline-Ideenordnern. Sie sind eine der Inspirationsquellen für mich.
Weitere Inspirationen erhalte ich durch Bücher, Filme – auch Dokumentarfilme – Artikel in Zeitungen und Magazinen, Nachrichten, Briefe, Gespräche mit Freunden, Szenen im Alltag, Bilder, Erinnerungen, meine Tagebücher und Routinearbeiten, bei denen meine Gedanken spazieren gehen. Ich glaube, es gibt nichts, was mich nicht inspirieren könnte.

Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Nach Möglichkeit direkt in den PC, doch viel zu oft habe ich Gedanken und Ideen und keinen PC zur Hand, dann mache ich mir auch erst einmal handschriftliche Notizen.

Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Das kommt drauf an. Wenn möglich, weiche ich Störungen einfach aus. Zum Beispiel, wenn ich auf der Terrasse schreibe und es lärmt so um mich herum, dass ich das nicht mehr auszublenden kann, flüchte ich nach drinnen. Oder falls das Telefon läutet, wenn ich gerade im Schreibfluss bin, lasse ich den Anrufer auf die Mailbox / den AB sprechen und kümmere mich dann in der nächsten Pause darum.

Wenn ich schon weiß, dass Störungen kommen werden, versuche ich mich so drauf einzustellen, dass ich in der Zeit etwas tue, das gut unterbrochen werden kann. Irgendeine Routinearbeit. Ansonsten kann es mich schon stressen und ich muss mich am besten mit Bewegung wieder in Laune bringen.
Früher habe ich mich daher immer in mein Arbeitszimmer zurückgezogen und angekündigt, dass und wie lange ich nicht gestört werden wollte. Und das hat auch oft geklappt.
Seit mein Sohn aus dem Haus ist, habe ich allerdings auch das Privileg, überall ziemlich ungestört arbeiten zu können.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Tilly und Mordusa“ geht?

Tilly und Mordusa ist ein Hexenbuch für Kinder ab ca. 7 Jahren. Beiden Hexen leben in Hexenmodtal, doch Mordusa hat ein großes Problem mit Tilly. Sie ärgert sich einerseits über Tilly Respektlosigkeit ihr gegenüber, obwohl Mordusa doch eine Edlehexe ist, und fürchtet gleichzeitig, dass die schlaue Tilly hinter ihr Geheimnis kommt. Daher versucht sie mit allen Mitteln, Tilly als Scheinhexe zu überführen, damit diese Hexenmodntal verlassen muss. Doch das geht gründlich schief, stattdessen wird Mordusa den Betrugs überführt und wird für eine begrenzte Zeit verbannt. Als sie zurückkommt schwört sie Rache und hat auch schon einen genialen Plan, der gar nicht schief gehen kann. Wirklich?

Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Ja. Eigentlich sogar an mehreren.
Ein Buch, ein Künstlerbuch, habe ich schon seit ein paar Jahren in Arbeit. Es ist fast fertig und liegt derzeit bei einem Verlag, der prüft, wie es umsetzbar wäre.
Zu einem Krimi habe ich vor kurzem Ideen Beginn notiert, doch dann wieder beiseite gelegt, da meine neue Agentur mir geraten hat, zu einem Kinderbuch, das sie vertritt, einen zweiten Band zu schreiben und so habe ich jetzt damit ebenfalls begonnen und werde diese nach Möglichkeit abschließen, bevor ich am Krimi weiterarbeite.

Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

So wie es viele Genres gibt, in denen ich schreiben, gibt es auch mehrere, in denen ich nicht schreiben möchte / könnte. Beides hängt sehr eng mit den Genres zusammen, die ich gerne lese. Was ich gerne lese, inspiriert mich zum Schreiben, das, was ich nicht oder kaum lese, reizt mich daher auch nicht zum Schreiben. Und vermutlich könnte ich es auch nicht (gut), da mir diese Genres ja eher fremd sind. Dazu gehören vor allem Erotik, Liebesromane bzw. Romance und Romantasy, Comics und blutige Thriller.
Gesellschaftsromane und epische Dramen lese ich mitunter aber das reicht nicht, um nicht darin heimisch zu fühlen.
Fantasy lese ich zwar ganz gerne, aber ich sehe mich derzeit nicht darin schreiben. Vielleicht bin ich da inzwischen übersättigt bzw. habe ich das Gefühl, dass zu viele Fantasy Romane auf den Markt drängen. Ich schreibe bisher meine Kinderbücher auch für die Altersgruppe bis 12 und habe dazu noch jede Menge Ideen, die darauf warten umgesetzt zu werden. Für Jugendliche habe ich bisher noch nicht geschrieben und sehe das auch nicht in naher Zukunft. Doch, dass ich das nie täte, würde ich jetzt nicht behaupten wollen.

Ähnliches gilt für historische Romane. Die lese ich gerne, habe ich noch nie geschrieben und sehe es derzeit auch nicht. Doch rein theoretisch würde es mich schon reizen.

Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Ich lese sehr breit gefächert: Zum Beispiel Sachbücher, Zeitschriften und Artikel aus der Naturwissenschaft und die inspirieren mich nicht nur zu Themen aus dem Sachbuchbereich, sondern tatsächlich finde ich gerade dort auch immer wieder Anhaltspunkte, Fakten und Ereignisse, die ich für Geschichten verwenden kann.
Daneben lese ich sehr gerne und viel Krimis und von daher gibt es sehr viele Autoren, die ich gerne lese und die mich alle mehr oder weniger auch inspirieren. Zum Beispiel die Autoren von Schwedenkrimis. Auch wenn meine Krimis keine Nähe zu Skandinavienkrimis erkennen lassen. Das ist alles viel subtiler. Mal ist es eine Figur, dich ich besonders gut gezeichnet finde, mal einzelne Szenen oder ein bestimmter Stils, ein Ausdruck. Und wenn ich einen Plot besonders gelungen finde, ist das auf jeden Fall ein Vorbild.
Ich habe dabei immer wieder Phasen, in denen mich einzelne Autoren besonders begeistern – bis ich Lust auf Abwechslung habe und den nächsten für mich entdecke.
Mich inspiriert aber auch, wenn ich ein Buch / einen Autor schlecht finde. Denn dann arbeitet es in mir, was ich wie anders machen würde und warum.
Auch die Autoren anderen Genres, in denen ich lese, inspirieren mich mal mehr mal weniger und zwar ebenfalls Genre-übergreifend.

Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Sehr positiv. In meiner Familie war Lesen und Schreiben schon immer ein wichtiges Thema – mein Vater war Journalist, meine Mutter hat viele Jahre im Buchhandel gearbeitet, eine Schwester ist Bibliothekarin.
Entsprechend unterstützen sie mich auch. Meine Eltern haben meine Bücher gelesen, weiter empfohlen und auch verschenkt. Mein Vater hat mir früher zudem Kontakte zur Presse vermittelt.
Meine Schwester hat mir Lesungen vermittelt. Mein Sohn ist mein bester Kritiker.

Hast noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Die Zeit habe ich, weil ich sie mir nehme. Und zwar ganz bewusst, weil ich diese Abwechslung nicht nur brauche, sie gibt mir auch die Energie, die ich zum Schreiben brauche. Zumal ich ja vom Schreiben und den Themen rund ums Schreiben lebe. Aber 8 – 10 Stunden am Schreibtisch sitzen kann und mag ich nicht.
Zu meinen Hobbies gehört natürlich Lesen, aber dazu habe ich schon genug erzählt.
Ein weiteres wichtiges Hobbie ist Tischtennis – ich spiele im Verein und bin dort auch Jugendtrainerin – sowie überhaupt sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Joggen, Walken, früher auch Schwimmen und Tauchen.
Dann ist da noch mein Garten, in dem ich gerne pflanze und gestalte. Der ist gleichzeitig auch eine reiche Quelle an Inspiration, weil die Arbeit im Grünen offensichtlich meine kreative Ader anzapft.
Und nicht zuletzt treffe ich mich gerne mit Freunden, gehe zu kulturellen Veranstaltungen und bin offen für neue Ideen und Herausforderungen.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Ich habe sogar eine ganze Menge Träume, die alle mehr oder weniger gleichwertig für mich sind. So möchte ich noch viele faszinierende Orte, Länder, Kontinente bereisen. Im Tischtennis möchte ich noch viele Siege erlangen vor allem über solche SpielerInnen, die ich bisher nicht besiegen konnte. Außerdem es gibt eine ganze Menge Projekte rund ums Schreiben, die ich noch verwirklichen möchte. Und ich träume davon, lange gesund und fit zu bleiben und dabei ein gutes finanzielles Auskommen zu haben, so dass ich noch viele Träume verwirklichen kann.

Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Tja, kalt erwischt. Darüber habe ich überhaupt noch nie nachgedacht. Und so habe ich auch keinen Plan, wer da ein Hauptdarsteller sein könnte. Kommt ja auch drauf an, ob ein Kinderbuch oder ein Krimi verfilmt würde. Nein, ich glaube, es bringt auch nichts, mir jetzt jemanden aus den Finger zu saugen.

Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Interessante Frage. Denn eigentlich hoffe ich ja, dass die Leser mich bzw. meine Bücher finden.
Aber es ist schon richtig, um gefunden zu werden, muss man sichtbar sein und wer wie ich viel in Kleinverlagen veröffentlicht, muss für diese Sichtbarkeit etwas tun, denn diese Bücher sind nicht auf den Auslagetischen der großen Buchhandelsketten zu finden.
Da ich ein breites Spektrum abdecke, habe ich ganz unterschiedliche Leser: Sachbücher sind für interessierte Laien, Kinderbücher für Kinder bis ca. 12 Jahren, Krimis für Krimifans usw. Meine Leser finde ich daher an unterschiedlichen Orten.
Der einzige Bereich, wo ich mich tatsächlich nur finden bzw. die Verlage machen lasse, sind die Sachbücher.
Der wichtigste Ort für meine anderen Bücher Leser zu finden ist mittlerweile mein Heimatort und die regionale Umgebung. Das passiert über persönliche Kontakte und Mundpropaganda, den örtlichen Buchhandel, die regionale Presse und mehr oder weniger regionale Lesungsorte – vor allem für meine Krimis und Kindergeschichten. Über die persönlichen Kontakte bzw. die Lesungen bekomme ich ganz unmittelbar Kontakt zu Lesern und dieser Austausch bedeutet mir auch sehr viel. Alles weitere läuft ja über die Vermittlung Dritter.
Schwieriger ist es, Leser in den Weiten des Internets zu finden, obwohl ich dort sehr aktiv bin. Doch hier tummelt sich eine Heerschar von Autoren und eine unüberschaubare Anzahl von Büchern wird permanent über die verschiedenen Netzwerke präsentiert.
Direkten Kontakt zu Lesern erhalte ich dort hauptsächlich über passende Facebookgruppen und ich Zukunft vielleicht auch wieder über Lovelybooks, eine Plattform auf der sich viele Lesern tummeln, die ich aber in der jüngeren Vergangenheit eher vernachlässigt habe. Alles weiteren Wege zu Lesern laufen wiederum über Dritte, wie z.B. Buchbloggern und anderen Buchportalen, die von Lesern eine größere Aufmerksamkeit erhalten und die meine Bücher vorstellen oder sogar rezensieren.
Auch unter meinen diversen Neztwerkkontakten, Followern und Freunden befinden sich potentielle Leser, doch diese Mischung ist einfach kunterbunt, viele von ihnen sind Autorenkollegen, die nur bedingt eine wirklich Zielgruppe für andere Autoren sind.
Wer nicht sehr bekannt ist und keinen großen Verlag im Rücken hat, der muss schon selber aktiv Marketingstrategien entwickeln, um im Netz eine Fangruppe für die eigenen Bücher aufzubauen und vor allem muss man weiterschreiben, das nächste Buch nachliefern, sonst ist man auch schnell wieder vergessen.
Dabei ist meine Vielfalt durchaus keine Hilfe, denn die Krimifans warten ja nicht auf das nächste Sach- oder Kinderbuch. Allerdings ist es für mich persönlich keine Lösung mich auf ein einziges Genre zu konzentrieren, das fühlt sich an wie verordnetes Nichtschreiben.

Hattest du schon Lesungen?

Schon etliche. Denn ich mag Lesungen sehr gerne und nutze daher die Möglichkeiten, die sich mir bieten. In der näheren Umgebung frage ich selber auch mal rum, aber ich werde auch angefragt.
Dazu kommen Ladies Crime Night Lesungen, auf die ich mich als Mörderische Schwester bewerben kann und ab und zu lese ich auch in entfernteren Regionen, wenn sich das mit einem Besuch oder anderen Aktivitäten verbinden lässt.
Und ab und zu lese ich für das Literatur Radio Bayern, einem Podcastradio, wo man mittlerweile mehrere Beiträge von mir hören kann: https://www.machdeinradio.de/tag/Rosemarie+Benke-Bursian

Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Eine schöne Ja-Nein-Frage auf die ich natürlich mit „Ja“ antworte.

Gut. So war es wohl doch nicht gedacht. Und so will ich eine Schwäche verraten, die so weit ich weiß viele Autoren umtreibt: Es fällt mir oft verdammt schwer, einfach anzufangen. Und das obwohl mir ja den ganzen Tag über an den unmöglichsten Orten irgendetwas einfällt, das ich unbedingt und sofort aufschreiben möchte. Das verstehen glaube ich auch nur andere Autoren.
Bei mir hilft da meist nur Selbstüberlistung bzw. gewisse Rituale, um mich an die Tastatur zu zwingen. Glücklicherweise habe ich mittlerweile ganz gut Strategien, um mich zum Schreiben zu bewegen, obwohl es doch gerade so schön wäre, den Computer einfach nur zu umkreisen, ihn abzustauben und dabei Tausend Dinge zu entdecken, die ganz dringend und absolut sofort erledigt werden müssen.
Womit ich mich selbst aber auch immer wieder behindere, ist mein Perfektionismus. Wenn ich etwas tue, sollte es möglichst perfekt sein, wenn ich daran zweifle, verstärkt es meinen Widerwillen, überhaupt anzufangen. Wenn verspätetes Anfangen sich mit größtmöglicher Gründlichkeit paart, kann man sich leicht ausrechnen, dass dies schnell zu übermäßigen Stress und Zeitnot führen kann mit allen negativen Auswirkungen, die solch ein Stress haben kann. Doch auch wenn ich die 20:80 Regel kenne und auch überzeugt bin, dass sie eine zutreffende Regel ist, fällt es mir immer wieder schwer, danach zu handeln.

Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Wie bereits weiter oben erwähnt, bleibt einem Autor aus Kleinverlagen, der seinen Leserkreis nicht nur finden, sondern auch stetig vergrößern möchte, nichts weiter übrig als ein bisschen Marketing für seine Bücher zu machen – ich sage nicht Werbung, da diese nur Baustein eines ganzen Marketingmixes ist.
Dazu gehören das Verteilen von Postern und Flyern – für meinen aktuellen Krimi hat das der Verlag übernommen – dass ich meine Bücher zu passenden Veranstaltungen (z.B Autorentreffen mit Büchertischen) mitnehme oder sie auf entsprechenden (Bücher)Märkten anbiete.
Darüber hinaus versuche ich die örtliche Presse zu gewinnen, über mich und mein aktuelles Buch zu berichten, was mir auch immer besser gelingt. Zum Teil verfasse ich die Presseartikel auch selbst.
Im Internet ist meine Autorenseite ein weiterer wichtiger Baustein. Auf der präsentiere ich nicht nur meine Bücher, sondern auch mich als Persönlichkeit und Autorin und mit all meinen Aktivitäten rund ums Schreiben, was im Marketingmix kein unwichtiger Faktor ist. Doch um auf eine Webseite immer wieder Besucher zu locken ist regelmäßig Pflege nötig, wozu im Grunde ein eigenes Webseiten-Marketing nötig wäre.
Das Gleiche gilt für den gesamten Netzwerkauftritt. So pflege ich auch auf Facebook eine Autorenfanpage und bin insgesamt eine recht aktive Netzwerkerin. Das ist ausgesprochen hilfreich, doch es lohnt tatsächlich nur, wenn man es gerne macht und gerade nicht (nur), um sich und seine Bücher zu vermarkten.
Schließlich suche ich mir für die diversen Buchpräsentationen gerne Mitstreiter, die auf ihren Portalen, mein Buch auf ihre Art präsentieren und kommentieren, wodurch eine gewisse Vielfalt entsteht. So wie eure Seite, auf der inzwischen mein Buch vorgestellt wurde: http://autorenimnetzwerk.de/index.php/2018/07/19/rosemarie-benke-bursian-hexen-tricks-und-zaubereien-wer-legt-hier-wohl-wen-herein/
Zu diesen erweiterten Buchpräsentationen gehören auch Leseproben, so dass der potentielle Leser mehr über das Buch erfährt, als Cover, Titel, Genre und vielleicht noch den Klappentext, sowie Zitate, die für kleinere Posts geeignet sind und für Abwechslung in der Bücherpräsentation sorgen.
Ein Lesung halten ist ebenfalls ein Baustein im Marketingmix auch wenn sie vor allem eine wichtige weitere Einnahmequelle sind. Eine Ausnahme stellen da die Lovelybooks-Lesungen dar, da verdient der Autor kein Geld mit, im Gegenteil, dort werden die Bücher zum Lesen verlost. Das übernehmen bei mir dann glücklicherweise in der Hauptsache die Verlage. Wobei ich gerade erst dabei bin, diese Art von Lesung für mich zu etablieren. Dafür erreicht man mit Lovelybooks-Lesungen auch Leser aus ferneren Regionen und es winken anschließend Rezensionen, welche ein nächstes wichtiges Instrument sind. Ähnlich wie Lovelybooks-Lesungen funktionieren auch andere Internetlesungen auf Facebook oder auf anderen Buchportalen, nur ist die Reichweite von Lovelybooks bisher ungeschlagen.
Lesungen von mir kann man von mir übrigens auch im Literatur Radio Bayern finden, einen Podcastradio, das sich der Literatur insgesamt widmet, also nicht nur Lesungen bietet, sondern ebenfalls Buchvorstellungen, Rezensionen, Interviews, Vorträge u.a.m. Über das Radio kann ich nicht nur mein Buch im Rahmen einer Lesung vorstellen, sondern auch mit meiner Lesestimme präsentieren. Insgesamt ist diese Möglichkeit, die das Literatur Radio hier bietet, ein weiteres interessantes Marketingtool für Autoren, weshalb ich das immer wieder gerne nutze.
Ein weiteres Tool im Marketingmix sind Rezensionen. Sie erweitern die Informationen über den Buchinhalt durch persönliche Angaben und Bewertungen und sind sehr wertvoll, um die richtige Zielgruppe zu finden. Darüber hinaus können sie ein Gespräch über das Buch anstoßen und erhöhen die die Sichtbarkeit im Netz. Aus Rezensionen lässt sich wie aus dem Buch selbst auch zitieren. Daher suche ich immer wieder aktiv nach möglichen Rezensenten / Buchbloggern, denen meine Bücher gefallen könnten.
Weitere Aktionen die ich bisher nutze sind Gewinnspiele, Gutscheinaktionen und Interviews, so wie jetzt gerade dieses hier.
Ich könnte noch sehr viel mehr machen, an Ideen und Möglichkeiten hapert es nicht, aber dann würde ich nicht mehr schreiben können. Nicht umsonst, stellt man in Firmen für das Marketing ganze Teams ein, die nichts anderes tun. Doch wer nicht weiterschreibt, dem nützt das ganze schönen Marketing nichts, denn irgendwann ist auch das tollste Buch ausgepuscht. Das neue Buch ist für das Gesamt-Marketing ein nicht zu unterschätzender Faktor. Daher ist das auch für mich immer wieder eine Geratwanderung, für die ich die optimale Formel noch nicht gefunden habe.

Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Ja und nein. Ich höre sehr gerne Musik beim Schreiben, aber mehr als leise Hintergrundmusik. Von meinen Lieblingsstücken werde ich sogar vom Schreiben so abgelenkt, dass ich mir gerade die Musik nicht anhöre. Also liebe keine bestimmte Musik, sondern eher ein Allerleimix. Und dazu höre ich meist einen Regionalsender im Radio, denn so muss ich mir zur Musik keine großen Gedanken machen. Außerdem bekomme ich dadurch gleich noch Nachrichten und Informationen aus der Region mit. Natürlich lenken auch die mich ab, wenn ich konzentriert zuhöre, doch zeitlich nicht das nicht wirklich relevant. Denn Themen, die mir weniger wichtig sind oder die ich schon gehört habe, kann ich sehr gut ausblenden und einfach weiter schreiben.

Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

Puh … was für eine schreckliche Vorstellung. Schreiben ist für mich Beruf und Berufung. Ein elementarer Lebensinhalt …
Ja, was würde ich dann tun? Wenn es daran läge, dass ich meine Hände nicht mehr nutzen könnte, würde ich meine Texte vielleicht über ein Diktiergerät in die Welt setzten?
Dass mir einfach keine Geschichten mehr einfallen, kann ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen. Aber immerhin auch das gibt es ja. Dann hoffe ich, dass ich das für mich so akzeptieren kann, auf eine gute Zeit zurückblicke und meine anderen Interessen um so intensiver pflege. Vielleicht sogar noch etwas Neues für mich entdecke?

Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Schreiben, schreiben, schreiben. Denn Schreiben lernt man am besten durch Schreiben. Dazu braucht es viel Geduld und Durchhaltevermögen, auch wenn man heutzutage nicht mehr auf den Verlagsvertrag warten muss, um zu veröffentlichen. Doch bevor jemand an die Öffentlichkeit tritt, sollte er bereit sein, das nötige Handwerk zu lernen, sein Talent zu fördern, seinen Stil zu entwickeln. Dazu rate ich auch den Austausch mit anderen zu suchen, denn die besten Tipps haben die, die den gleichen Weg gehen bzw. bereits gegangen sind.

Deine drei Wünsche an die gute Fee?
1) Gesundheit, dass ich noch lange schreiben und mein Leben genießen kann (ich möchte ja mindestens 100 werden).
2) Erfolg mit meinen Geschichten – und damit meine ich sowohl begeisterte Leser als auch ein (sehr) gutes finanzielles Auskommen.


Vielen Dank für das offene Interview, Rosemarie Benke-Bursian, und weiterhin viel Erfolg.

*Diese Seite kann Verkaufslinks und Werbung beinhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.