Vorstellung des Selfpublisher Verband im Autoren_Netzwerk

Vorstellung des Selfpublisher Verband im Autoren_Netzwerk

Da es immer wieder zu Fragen zum Selfpublisher-Verband in der Gruppe kommt, haben sich die Geschäftsführerin Andrea Becker und die erste Vorsitzende Vera Nentwich zu einem Interview bereit erklärt.

Am 13.08. stellten sie den Selfpublisher Verband  in einer Veranstaltung vor und jedes Gruppenmitglied konnte ihnen Fragen zum Verband stellen.


Hallo, mein Name ist Andrea Becker, ich war vor dreieinhalb Jahren Gründungsmitglied des Selfpublisher-Verbands und bin seit zwei Jahren im Vorstand tätig.

Der Verband wurde von Matthias Matting gegründet, der im letzten Jahr als erster Vorsitzender aus privaten Gründen aufhörte und dessen Nachfolgerin Vera Nentwich ist. Zweiter Vorsitzender ist Ruprecht Frieling, die Presse macht Andre Milewski und unser Schatzmeister ist der Steuerberater Frank Rösner. Die Vorstandsarbeit ist ehrenamtlich.

Wir haben akuell 386 Mitglieder, sind auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt mit Ständen vertreten, auf dem Selfpublisher Day, Buch Berlin und anderen kleineren Veranstaltungen.

Seit neuestem sind wir Herausgeber des Magazins „Der Selfpublisher“ das imUschtrin-Verlag erscheint, wir sind mit anderen Verbänden wie dem Lektorenverband im Kontakt, wir haben zahlreiche Födermitglieder wie BoD, tolino, Bookrix, Counter Fights, epubli und Neobooks, Nova, papyrus und einige mehr. Unsere Födermitglieder fördern uns, sie haben kein Mitspracherecht oder sonstigen Einfluss auf die Arbeit des Verbandes.

Für unsere Mitglieder bieten wir:

• das „Selfpublisher“-Abo ist in der Mitgliedschaft enthalten
• die kostenlose Teilnahme an den Messen mit zwei Büchern und Werbematerial
• Treffen am Stand und Austausch mit anderen Autoren
• Regional-Treffen
• kostenlose Erstberatung durch nseren Verbands-Justitiar
• kostenlose Webinare und Workshops zur Weiterbildung
• zahlreiche Vergünstigungen bei verschiedenen Anbietern und Veranstaltern

Außerdem sind wir gemeinsam mit dem mvb Ausrichter des gut (von Sponsoren) dotierten Selfpublishing-Preises.

Wir sind Ansprechpartner für Dienstleister und für alle, die sich für das Thema Selfpublishing interessieren. Wir bemühen uns, alle aufkommenden Fragen der Autoren zu beantworten.

Als unsere Aufgaben sehen wir:

• das Ansehen des Selfpublishing in der Öffentlichkeit zu verbessern
• unsere Mitglieder in der Qualitätssteigerung ihrer Bücher zu unterstützen
• mit dem Buchhandel vermehrt in Kontakt zu kommen
• als Vertreter der Selfpublisher Ansprechpartner für die Buchbranche zu sein.

Meine persönlichen Aufgaben sind die Organisation der Webinare und Workshops, sowie die Organisation unserer Präsenz auf der Messe Frankfurt.

Mein Brot-Job ist Grafik-Designer (ja ich hab das Verbandsmaterial und das Logo gestaltet, nein ich habe keine Rechnung dafür gestellt), ich hab Familie und ich schreibe Bücher. Ein Buch habe ich in einem Verlag veröffentlicht und drei weitere als Selfpublisher.

Selfpublisher Verband


Fragen und Kommentare der Autoren = fett Schrift

Antworten vom Selfpublisher Verband = normale Schrift

Frage zu dem SP Buchpreis. Was mich an dieser Aktion extrem stört, dass ich als Spler mir eine ISBN besorgen muss und mein Buch im VLB listen soll. Das ist richtig viel Geld – so mal eben auf blauen Dunst, denn ich weiß ja gar nicht ob ich gewinne.

Ja das stimmt. Es geht bei dem Preis aber um den Buchhandel und da ist beides unabdingbar. Günstig kommst Du an beides über einen Dienstleister.

Ich sehe das als Nachteil für den Spler und die Dienstleister sind auch nicht gerade der Hit. 

Aber der Buchhandel gibt die Spielregeln vor und da eines unserer Ziele die Verfügbarkeit im Buchhandel ist müssen wir uns danach richten. Außerdem sehe ich keinen großen Nachteil in einem Dienstleister, wie BoD.

BoD hat im Moment nicht den besten Ruf. Zu lange Lieferzeiten.

Aber nicht was die Grundbedingungen betrifft. Die ISBN’s sind günstiger geworden, wenn sie einzeln oder im 10er Pack gekauft werden. Die Lieferzeiten macht nicht BoD sondern der Barsortimenter. Dem kann man abhelfen, indem man sein eigenes Buch in kurzem Abstand 5 – 10 mal selbst bestellt. Dann legt es sich der Barsortimenter auf Lager und schon sind die Lieferzeiten kurz.

Für einen Spler ist jeder Cent wichtig. Ich verstehe schon das es irgendwie sein muss. Aber auch wieder nicht, denn es gibt andere Wege das der Buchhandel das Buch bestellen kann. Und zwar direkt bei dem Autor. Nur mal so als Idee.

Das wollen aber die meisten Buchhändler nicht. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Im Zweifelsfall gibt es andere Wettbewerbe, die diese Hürde nicht haben.

Dennoch ist es viel Geld für einen SP`ler mal eben 10 Mal sein Buch selbst zu bestellen und dafür 100 – 150 € auf den Tisch zu legen.

Warum solltest Du denn für 10 Bücher 150 € auf den Tisch legen?

 

Wie ist die Resonanz der 366 Mitglieder? Konnten sie beispielsweise ihre Bücher „einfacher“ durch eure Hilfe vermarkten? Werden eure Angebote auch aktiv genutzt?

Ja das werden sie. Die Webinare haben sehr gute Resonanz. Aber die vermehrte Verkaufbarkeit ist nicht der einzige Vorteil. Ich lege sehr großen Wert auf die Verbesserung der Qualität der Bücher. Und ich glaube, da werden wir einiges Erreichen.

 

Mich interessiert, wie genau ihr mit „dem Buchhandel“ in Kontakt tretet. 

Vera Entwich und ich waren eingeladen beim Barsortimenter Umbreit und haben mit diesem Ideen entwickelt. So werden wir ein Webinar zu diesem Thema vorbereiten und ein weiteres Projekt, das sehr vielversprechend ist, auf die Beine stellen. Das ist aber noch zu unausgereift um es publik zu machen. Wir stehen außerdem mit Buchhändlern in Kontakt.

Ihr möchtet also SP-Bücher ins Umbreit-Barsortiment bringen? Verstehe ich das richtig?

Wir wollen mit Umbreit erstmal unsere Mitglieder über das Barsortiment und den Buchhandel aufklären.

 

Arbeitet ihr mit anderen Verbänden zusammen?

Ja, in erster Linie mit dem Lektoren-Verband VFLL.

 

Ich habe mein erstes Buch mit BoD veröffentlicht, folglich ist mein Buch entsprechend registriert. Ist es nun möglich mit dem Barsortimenter zu verhandeln?

Ja richtig.

Das habe ich auch. und weil es ein Erstling einer unbekannten Autorin ist, habe ich den Preis fürs Print bei 9,99 gelassen. Ich bekomme also ganze 66 Cent Tantiemen pro verkauftem Print. Da ist kein Spielraum für Rabatte irgendwelcher Art.

Ich weiß, dass es Buchhandlungen gibt, die pro Buch 30% verdienen möchten !

40 % sind Standard.

Naja wenn die Bücher ja schon im BS gelistet werden, dann ist der Buchhandelsrabatt da schon einkalkuliert. Ihr müsst da weder nachverhandeln noch eure Tantiemen abdrücken. Wichtig sind die Verhandlungen bei denen, die selbst drucken lassen. Zum Beispiel die CS-Leute, die außerhalb von Amazon aktiv werden wollen.

 

Führt ihr eine Liste (für eure Mitglieder) an Buchhändlern, die SP gegenüber generell aufgeschlossen sind?

Nein, das machen wir nicht. Ich glaube, das bringt auch nichts. Jeder SPler muss in die Buchhandlungen seiner Wahl gehen und mit seinem eigenen Buch überzeugen. Ich hab gute Erfahrungen damit gemacht günstige Exemplare drucken zu lassen und den Buchhändlern zu schenken, damit sie sich von der Qualität überzeugen können.

Für überregionale Aktivitäten wäre es vielleicht hilfreich zu wissen, an wen man sich wenden kann. Wo es überhaupt Sinn macht.

Kannst du als Mitglied gerne mal zur Diskussion stellen.

„Günstige“ Exemplare haben unter Umständen eine ganz andere, schlechtere Qualität was Papier usw angeht als die regulären Exemplare. Ich bezweifle den Sinn, gerade dem Buchhändler die Bücher anzubieten, die qualitativ schlechter ausfallen.

Nein, das haben sie nicht. Ich habe bei „Wir machen druck“ drucken lassen und die Qualität ist sehr gut.

Die Qualität von „Wir machen druck“ ist okay. Aber sicher nicht sehr gut. Sehr gut wären wohl eher CPI und Konsorten.

Es kommt drauf an, was DU verkaufen willst. Aber ich habe auch schon ein Fotobuch dort drucken lassen und war zufrieden.

 

Mal eine ganz blöde Frage, hat der Verband die ‚Macht‘ sich mit den verschiedenen Plattformen zu verständigen in Bezug auf den Mindestpreis eines eBooks? Es gibt ja immer wieder die Diskussion in der 99 Cent Verkäufe verteufelt werden. Und das ist natürlich ein Preis der unter aller Kanone ist. Klar kann der Autor frei entscheiden, doch als No Name ist es fast unmöglich mit einem höheren Preis einzusteigen. Aber solange die Plattformen es anbieten – solange wird sich daran ja nichts ändern. Kann da der Verband etwas regeln?

Das sehe ich nicht so. Erfahrungsgemäß ist der Preis, so lange er im Rahmen bleibt, kein Hindernis, ein verlockendes Buch zu kaufen. Ich habe noch nie ein Buch länger für 99 Cent angeboten.

Wenn unsere Mitglieder dort Handlungsbedarf sehen können wir uns darum kümmern. Wir machen in solchen Fällen eine Umfrage, um zu sehen, ob unsere Energie dort an die richtige Stelle geht.

Das sehe ich anders. Aber vielleicht ist es Genre abhängig. Für Liebe – Erotik – Fantasie geht auch für mehr als 99 Cent. Dennoch sehe ich Handlungsbedarf, das die Plattformen ihre Preise ändern sollten.

Es muss doch jeder Autor selber entscheiden, ob er sein Buch für bestimmte Zeit durch den Preis pushen möchte.

Hast du dich mal intensiv damit beschäftigt, wie viele Titel für 99 Cent angeboten werden bzw. wie z. B. die TOP 100 bei Amazon aussieht? Preisgefüge meine ich. Dann verstehst du was ich meine.

Den Preis setzt du selbst fest.

Ich denke auch, dass liegt an jedem Autor selbst. Wenn er sein Werk für 0.99 € anbietet, ist das seine Entscheidung.

Ich hätte dieses Frage nicht gestellt, wenn ich den Markt nicht genau beobachtet hätte. Und das sollte der Verband vielleicht auch mal tun.

 

Dummerweise hab ich grad mein Abo des „Der Selfpublisher-Magazin“ verlängert. Was nun?

Melde dich beim Uschtrin-Verlag und du bekommst zu viel gezahltes zurück.

 

Wenn ich selbst Mitglied bin, ist dann mein Pseudonym auch „Mitglied“? Also wenn ich unter verschiedenen Namen schreibe?

Du gibst uns deinen Geburtsnamen und alle Pseudonyme dazu. Deinen Geburtsnamen erfährt öffentlich niemand.

Über den Verband erfährt keiner mein Pseudonym.

Hätte ich auch nicht erwartet. Wenn das nicht so wäre und sich herumsprechen würde, würde kein Autor mit Pseudonym mehr Mitglied.

Richtig. Wir brauchen aber den Geburtsnamen für die Rechnung.

 

Angenommen ich bin Verbandsmitglied, habe mir eine ISBN gekauft, bin im VLB gelistet und trete nun an Buchhandlungen heran. Wo genau und in welcher Form kommt der Verband ins Spiel? 

Gar nicht. Wir verkaufen ja nicht für unsere Mitglieder. Wir vertreten deren Interessen. Die Buchhandlung entscheidet, ob ihr Dein Buch gefällt oder nicht, ob sie es für ihr Publikum für verkaufbar hält. Da haben wir keinen Einfluss drauf. Aber wir hatten schon Einfluss darauf, dass Deine ISBN preiswerter wurde.

Im Einzelfall oder bekomme ich als Mitglied grundsätzlich günstige ISBN Konditionen?

Alle bekommen die inzwischen günstiger.

Darf man die böse Geldfrage stellen und erfahren, um wie viel günstiger?

Die ISBN ist nicht für Mitglieder günstiger geworden sondern für alle zu Verlagskonditionen erwerbbar.

Es klang nur so weil du geschrieben hast „wir hatten schon Einfluss“ darauf.

Haben wir. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker ist unsere Stimme, desto mehr Vorteile können wir aushandeln.

 

Was ist euer größtes Ziel oder/und die größte Herausforderung?

Mein persönlich größtes Ziel ist das Qualitätsbewußtsein zu stärken. Das größte Verbandsziel ist wohl die Gleichstellung der Spler und der Verlagsautoren in der öffentlichen Wahrnehmung.

Mir stellt sich die Frage, wie ihr das Qualitätsbewusstsein verbessern bzw. stärken wollt. Schließlich müsste das Ziel auch der Autor verfolgen.

Wir bieten Webinare, die von Lektoren gehalten werden zu den unterschiedlichsten Themen des Schreibens, wie Plotten, Gefühle beschreiben, die ersten vier Seiten, Figurenentwicklung usw. Wir kooperieren eng mit den Lektoren und ich gehe keiner Diskussion über die Notwendigkeit des Lektorats aus dem Weg.

Das finde ich sehr gut. Der Ruf gegenüber dem SPler ist oft nicht so positiv, weil es natürlich auch schwarze Schafe gibt.
Klar gibt es diese auch bei Verlagsautoren, aber die Kritik bezieht sich dann oft zu schnell auf den SP-ler.

Die Kosten für die Webinare übernimmt das der Verband oder gibt es Vergünstigungen etc.?

Die, die wir veranstalten sind für die Mitglieder kostenlos, die, die beispielsweise Mediacampus anbietet sind für Mitglieder etwas günstiger.

 

Bekommt der Verband auch mal von anderen Seiten Unterstützung? Moralisch, finanziell, von der Politik, vom Kulturamt, Stifter, Sponsoren? Das wäre auch mal erstrebenswert. Wertschätzung vom Buchhandel überhaupt?

Ja wir haben viele Fördermitglieder. Kulturämter sind regional, wir sind überregional. Die Buchmessen unterstützen uns mit Vergünstigungen.

Und mit der Marketinggesellschaft des Buchhandels arbeiten wir bekanntlich eng zusammen.

 

Ein Haupt-Kritikpunkt am Selfpublishing ist das mangelhafte oder ganz fehlende Korrektorat/ Lektorat. Inwiefern versucht ihr in diesem Punkt auf die Mitglieder „einzuwirken“ (abgesehen von den Webinaren )? Vermittelt ihr zum Beispiel zwischen Mitgliedern und Korrektoren oder ähnliches?

Wir haben gerade eine Kooperation mit VFLL mit genau diesem Ziel begonnen. Zudem bekommen Mitglieder einige Dienstleistungen günstiger. Wir laden immer wieder Lektoren ein und betonen die Wichtigkeit. Wir haben aber auch andere Maßnahmen diskutiert, sind da aber noch nicht weiter gekommen.

 


Vielen Dank an Andrea Becker und Vera Nentwich für die Zeit, die Aufklärungsarbeit hier und die offenen Antworten. Ich wünsche dem Verband, dass er alle gesetzten Ziele erreicht und das sich dadurch wirklich etwas verändert. Vielen Dank nochmal!

*Diese Seite kann Verkaufslinks und Werbung beinhalten oder über Links dorthin führen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.