Special Text von Gabi Büttner

Special Text von Gabi Büttner

31.12.2018

Ich bin ein Werbeopfer. Oder soll ich besser sagen ein Angebotsopfer? Rote Reduzierschilder wittere ich auf einen Kilometer Entfernung. Es ist, als gäbe es ein unsichtbares Band, das mich dahin führt. Was so ziemlich der einzige Grund ist, warum ich es an Silvester gewagt habe, einkaufen zu gehen. Die Geschäftsführer eines Ladens in der Nähe hatten nämlich die grandiose Idee, dass der Weihnachtsstress für die Verkäufer nicht ausreicht. Nein, da muss noch eine Rabattaktion an Silvester rein. Immerhin haben die Menschen sicherlich Geld zu Weihnachten bekommen und das soll schnellstmöglich weg. Am besten in die Kassen des besagten Geschäftes. Also bieten die mal eben 30 % Rabatt auf alles, bzw. 50 % ab 50,- € Einkaufswert an. Habe ich erwähnt, dass ich ein Werbeopfer bin? Aber nicht nur das.
Die haben eine Heißluftfritteuse, um die ich schon seit Wochen herumschleichen! Sogar von 99,- e auf 59,- reduziert. Allerdings steht mir ein Umzug bevor, da sind auch 59,- € eine Menge Geld. Doch mit 50 % Rabatt … Ich rechne noch, als ich mich bereits anziehe. Schnell zum Geschäft, eine einzige Fritteuse ist noch da! Umringt von Dutzenden kaufwütiger Menschen. Ich kämpfe mich durch. Ignoriere die Ellenbogenstöße, springe voran und schnappe mir das Objekt meiner Begierde. Ich weiche ich einem Tackle aus, der jedem Footballspieler Ehre gemacht hätte und umklammere fest das Paket. Doch schon stehe ich vor dem nächsten Problem. Ich habe noch keine 50,- € Einkaufswert, also gibt es nur 30 % Rabatt. Das reicht mir nicht!
Da! Mikrofaserreinigungstücher! Kann Frau immer gebrauchen. Einen neuen Topf auch. Schuhablagedingensen ebenso, immerhin steht mir ein Umzug bevor und ich brauche noch … Handtücher. Jawohl! Einen Wäschesammler, einen Hocker mit Stauraum, es sammelt sich bei mir ja immer soviel an. LED Lichtleisten für Schränke? Her damit! Siegreich reihe ich mich in die lange Schlange vor der Kasse ein. Gott, was dauert das denn? Können die nicht schneller machen? Was diskutieren die denn da? Der Stapel auf meinen Armen kommt ins Schwanken. Dennoch spitze ich die Ohren.
Wie? Rabatt gibt es nicht auf aktuelle Angebotsware? Wo steht das?
Oh, ganz klein gedruckt auf den Angebotsschildern. Ich habe meine Brille nicht dabei und beuge mich vor, um diesen miesen Verkaufstrick entziffern zu können. Dabei rutscht der Stapel meiner Beute endgültig aus meinen Armen. Nur das beherzte Eingreifen weiterer Kaufwütiger rettet mich und meine Waren. Ich bedanke mich, wobei ich meinen Fang mit bösen Blicken verteidige. Die Menge weicht zurück, was mich mit grimmiger Zufriedenheit erfüllt.
Endlich bin ich an der Reihe. Sicherheitshalber frage ich vor dem Kassiervorgang, auf welche Artikel es Rabatt gibt. Zwei Minuten später ist die Hälfte meiner Beute als nicht Rabatt fähig aussortiert. Das Steckregal und die Schuhablagedingensen nehme ich dennoch auch zum vollen Preis. Immerhin brauche ich die unbedingt!
Doch dann erstarre ich. Mein Puls beginnt zu rasen, mein Herz schlägt hart gegen meine Rippen.
„Sie bekommen 30 % Rabatt.“
Hat die Kassiererin das tatsächlich gerade gesagt? 30 %??? Ich will 50, verflixt noch mal! Im letzten Moment erinnere ich mich daran, dass die arme Frau nichts für die Vorgaben ihrer Geschäftsleitung kann.
Ich knurre also nur leise und frage: „Warum 30 %? Ich bin doch über 50 €.“
Hinter mir wird es unruhig in der Warteschlange. Nicht nur ich bemerke, dass der Mob kurz vor der Eskalation steht. Ich sehe sie schon Mistgabel und Fackeln schwenkend durch die Straßen ziehen.
Doch die Verkäuferin bleibt gelassen. „Sie haben Produkte dabei, die nicht Rabatt fähig sind. Die müsste ich rausnehmen, dann kann ich Ihnen 50 % Rabatt geben.
Ich starre sie an. Sie starrt zurück. Der Mob ruft zur Lynchjustiz auf.
Bevor es soweit kommen kann, sage ich: „Dann tun sie das.“
Wenige Minuten später ziehe ich erfolgreich von dannen. Meine Tasche ist zu klein für den ganzen Kram, den ich gekauft hab, daher balanciere ich die Hälfte davon weiterhin auf meinen Armen. Erschöpft, aber glücklich schleppe ich mich nach Hause. Warum müssen denn auch so viele Menschen an Silvester einkaufen gehen? Das werde ich nie verstehe …

Nichtsdestotrotz euch allen einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahre 2019 

31.12.2018

Ich bin ein Werbeopfer. Oder soll ich besser sagen ein Angebotsopfer? Rote Reduzierschilder wittere ich auf einen Kilometer Entfernung. Es ist, als gäbe es ein unsichtbares Band, das mich dahin führt. Was so ziemlich der einzige Grund ist, warum ich es an Silvester gewagt habe, einkaufen zu gehen. Die Geschäftsführer eines Ladens in der Nähe hatten nämlich die grandiose Idee, dass der Weihnachtsstress für die Verkäufer nicht ausreicht. Nein, da muss noch eine Rabattaktion an Silvester rein. Immerhin haben die Menschen sicherlich Geld zu Weihnachten bekommen und das soll schnellstmöglich weg. Am besten in die Kassen des besagten Geschäftes. Also bieten die mal eben 30 % Rabatt auf alles, bzw. 50 % ab 50,- € Einkaufswert an. Habe ich erwähnt, dass ich ein Werbeopfer bin? Aber nicht nur das.
Die haben eine Heißluftfritteuse, um die ich schon seit Wochen herumschleichen! Sogar von 99,- e auf 59,- reduziert. Allerdings steht mir ein Umzug bevor, da sind auch 59,- € eine Menge Geld. Doch mit 50 % Rabatt … Ich rechne noch, als ich mich bereits anziehe. Schnell zum Geschäft, eine einzige Fritteuse ist noch da! Umringt von Dutzenden kaufwütiger Menschen. Ich kämpfe mich durch. Ignoriere die Ellenbogenstöße, springe voran und schnappe mir das Objekt meiner Begierde. Ich weiche ich einem Tackle aus, der jedem Footballspieler Ehre gemacht hätte und umklammere fest das Paket. Doch schon stehe ich vor dem nächsten Problem. Ich habe noch keine 50,- € Einkaufswert, also gibt es nur 30 % Rabatt. Das reicht mir nicht!
Da! Mikrofaserreinigungstücher! Kann Frau immer gebrauchen. Einen neuen Topf auch. Schuhablagedingensen ebenso, immerhin steht mir ein Umzug bevor und ich brauche noch … Handtücher. Jawohl! Einen Wäschesammler, einen Hocker mit Stauraum, es sammelt sich bei mir ja immer soviel an. LED Lichtleisten für Schränke? Her damit! Siegreich reihe ich mich in die lange Schlange vor der Kasse ein. Gott, was dauert das denn? Können die nicht schneller machen? Was diskutieren die denn da? Der Stapel auf meinen Armen kommt ins Schwanken. Dennoch spitze ich die Ohren.
Wie? Rabatt gibt es nicht auf aktuelle Angebotsware? Wo steht das?
Oh, ganz klein gedruckt auf den Angebotsschildern. Ich habe meine Brille nicht dabei und beuge mich vor, um diesen miesen Verkaufstrick entziffern zu können. Dabei rutscht der Stapel meiner Beute endgültig aus meinen Armen. Nur das beherzte Eingreifen weiterer Kaufwütiger rettet mich und meine Waren. Ich bedanke mich, wobei ich meinen Fang mit bösen Blicken verteidige. Die Menge weicht zurück, was mich mit grimmiger Zufriedenheit erfüllt.
Endlich bin ich an der Reihe. Sicherheitshalber frage ich vor dem Kassiervorgang, auf welche Artikel es Rabatt gibt. Zwei Minuten später ist die Hälfte meiner Beute als nicht Rabatt fähig aussortiert. Das Steckregal und die Schuhablagedingensen nehme ich dennoch auch zum vollen Preis. Immerhin brauche ich die unbedingt!
Doch dann erstarre ich. Mein Puls beginnt zu rasen, mein Herz schlägt hart gegen meine Rippen.
„Sie bekommen 30 % Rabatt.“
Hat die Kassiererin das tatsächlich gerade gesagt? 30 %??? Ich will 50, verflixt noch mal! Im letzten Moment erinnere ich mich daran, dass die arme Frau nichts für die Vorgaben ihrer Geschäftsleitung kann.
Ich knurre also nur leise und frage: „Warum 30 %? Ich bin doch über 50 €.“
Hinter mir wird es unruhig in der Warteschlange. Nicht nur ich bemerke, dass der Mob kurz vor der Eskalation steht. Ich sehe sie schon Mistgabel und Fackeln schwenkend durch die Straßen ziehen.
Doch die Verkäuferin bleibt gelassen. „Sie haben Produkte dabei, die nicht Rabatt fähig sind. Die müsste ich rausnehmen, dann kann ich Ihnen 50 % Rabatt geben.
Ich starre sie an. Sie starrt zurück. Der Mob ruft zur Lynchjustiz auf.
Bevor es soweit kommen kann, sage ich: „Dann tun sie das.“
Wenige Minuten später ziehe ich erfolgreich von dannen. Meine Tasche ist zu klein für den ganzen Kram, den ich gekauft hab, daher balanciere ich die Hälfte davon weiterhin auf meinen Armen. Erschöpft, aber glücklich schleppe ich mich nach Hause. Warum müssen denn auch so viele Menschen an Silvester einkaufen gehen? Das werde ich nie verstehe …

Nichtsdestotrotz euch allen einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahre 2019 

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