Geschichte des Tages: Silvia Nagels – Einkaufen – der ganz normale, alltägliche Wahnsinn …

Geschichte des Tages: Silvia Nagels – Einkaufen – der ganz normale, alltägliche Wahnsinn …

07.03.2019

Einkaufen – der ganz normale, alltägliche Wahnsinn …

Gestern schrieb ich bei den #20factsabaoutme, dass ich Menschenmengen meide. Blöd nur, wenn du dir überlegst, gegen halb zwölf an einem Wochentag zum Lebensmitteldiscounter in deiner Nähe zu fahren …
So geschehen gestern – ein Erfahrungsbericht.
Einen ersten Eindruck auf das, was uns im Laden erwarten würde, bekommen wir schon, als wir auf den Parkplatz fahren. Er ist nicht überfüllt, jedenfalls bezogen auf die Gesamtfläche – die Anzahl der parkenden Autos hält sich in Grenzen. Beziehungsweise konzentriert sich auf die Plätze in Eingangsnähe. Warum gerade junge Leute, die eigentlich fit auf den Beinen sein sollten, vor dem Eingang in zweiter Reihe mitten in der Einfahrt parken müssen, erschließt sich mir nicht. Ebenso wenig, dass Mütter mit ihren Kleinkindern dort aus den Autos geworfen werden – während die an- und abfahrenden PKWs sich um sie herumschlängeln müssen. Ob das ein Versuch ist, sich quengelnder Gören und nerviger Ehefrauen zu entledigen? Ich weiß es nicht – hoffe mal nicht.
Nun gut, ich erobere einen Einkaufswagen, während mein Mann vorgeht und die leeren Flaschen in den Automaten wirft. Kaum habe ich die Eingangstür passiert, treffe ich auf das erste Hindernis: eine Dame, die den Weg blockiert und mit Hingabe in den einschlägigen Frauenjournalen blättert. Den Einkaufswagen derart geparkt, dass ein Weitergehen unmöglich ist. Zumal eine Palette mit neuer Ware und die Sonderaktionskörbe weitere Wege blockieren. Daher: Stau, bevor ich auch nur eine Chance habe, den Laden zu betreten.
Endlich hat Madam eine Zeitschrift gefunden, die ihr zusagt, ich schlängele mich zwischen Palette, Einkaufswagen und Aufstellern an ihr vorbei, um meine Einkäufe zu tätigen, darauf bedacht, möglichst schnell alle Engpässe zu passieren und selbst keine zu verursachen. Gar nicht so einfach, aber wo ein Wille ist …
Aber wenn du denkst, die größten Hindernisse wären überwunden … dann hast du nicht mit dem Discounter gerechnet, der sich entschlossen hat, mal wieder seine Regale umzusortieren. Also gehen wir auf die Suche nach dem, was wir brauchen – und treffen auf unzählige hilflos dreinblickende Rentner, mit und ohne körperliche Einschränkungen, die ähnlich verwirrt durch den Laden irren. Ich habe meinen Einkaufszettel gezückt, um in üblicher Manier durch den Laden zu laufen, aber das Ganze gleicht eher einem Hindernisparcour, den wir umgehen müssen, um die gewünschten Waren in den Wagen zu legen. Neben den umherirrenden Rentnern stoßen wir auf weitere Paletten, auf Hubwagen – und leere oder zugestellte Regalfächer mit Grundnahrungsmitteln. Das alles ist ausgesprochen kontraproduktiv – und unser Einkaufswagen füllt sich nur spärlich, während wir meinen schlauen Zettel abarbeiten und nach Alternativen für nicht vorhandene Produkte suchen.
Was soll ich sagen? Irgendwann erreichen wir die Kasse – mehr oder weniger zufrieden. Dort erwartet uns eine Schlange aus mitteilungsfreudigen Rentnern, die ähnlich erleichtert wirken wie wir, haben sie es doch geschafft, in dem Chaos das zu ergattern, was sie benötigen. Darüber sind sie anscheinend so glücklich, dass sie ihrer Freude lautstark Ausdruck geben und jedem im Discounter das mitteilen, statt ihre Einkäufe aufs Band zu legen – weshalb sich die Schlange der einzigen geöffneten Kasse fast durch den gesamten Laden zieht.
Wir sind es gewohnt, unseren Einkauf schnell zu erledigen – ein Ding der Unmöglichkeit am gestrigen Tag, aber trotzdem erreichen wir schließlich ohne gesundheitliche Schäden unser Auto, nachdem wir ein- und ausparkenden PKWs ausweichen müssen. Deren Fahrzeugführer besitzen anscheinend weder Seiten- noch Rückspiegel – und scheinen sehr darauf bedacht, in typisch deutscher Pingeligkeit genau in der Mitte der jeweiligen Stellfläche zu parken …
Last but not least – nachdem die Einkäufe verstaut, der Einkaufswagen vorschriftsmäßig zurückgebracht ist, erwartet uns nur noch das kleine Hindernis, den Parkplatz zu verlassen, um dem Grauen zu entkommen und unser sicheres Heim zu erreichen – aber anscheinend hat sich die halbe Stadt entschlossen, das zu verhindern. Die Blechkolonne, die vor der Ausfahrt des Discounters entlangrollt, legt das jedenfalls nahe …
Nichtsdestotrotz – wir haben es überlebt … bis zum nächsten Abenteuer Einkauf.

(c) Silvia Nagels

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