Geschichte des Tages: Neal Skye – Norbert und Kerstin Teil 1

Geschichte des Tages: Neal Skye – Norbert und Kerstin Teil 1

03.04.2019

Neil Skye ist einer der 20 AutorInnen, die ihre  Autorentantiemen aus unserer Anthologie „Spannung, Abenteuer & Liebe“ komplett für den guten Zweck zur Verfügung gestellt haben.

Denn – alle Autoren Tantiemen aus diesem Werk , das wir mit dem Telegonos Verlag veröffentlicht haben, gehen an die Hospizbewegung Peine e.V. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden dieses ambulanten Hospizdienstes begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige, sowie Familien in denen Kinder und Jugendliche eine lebens-begrenzende Diagnose erfahren haben.

Also jetzt ganz viel Lesespass mit der Kurzgeschichte von Neal Skye, die man in unserer Anthologie „Spannung Abenteuer & Liebe“ wiederfindet.

Homepage Neal Skye


Norbert und Kertin – Teil 1 … Teil 2 folgt morgen

Im Laufe seines Lebens lernt man so einige Paare kennen, aber die beiden … Norbert kenne ich seit der fünften Klasse. Genauer gesagt seit der ‚zweiten fünften‘ Klasse, aber das ist eine andere Geschichte. Hier geht es ja nicht um mich.

Norbert und ich haben uns damals recht schnell angefreundet. Dabei haben wir uns mehr oder weniger beim Fußball näher kennengelernt. Wir waren beide in der Klassenelf, die regelmäßig in einer Hobbyliga spielte. Sein Vorbild war Gerd Müller, mein Idol hieß Per Røntved, weswegen ich im Gegensatz zu meinen Mitschülern gerne in der Abwehr spielte.

Fußball war unsere Leidenschaft und so haben wir viel darüber geredet. Vor dem Spiel, nach dem Spiel und am meisten während eines Spieles. In der Regel saßen wir nämlich auf der Bank nebeneinander. Wir waren beide keine begnadeten Kicker, aber es klang cool zu sagen: „Ich bin in der Klassenelf!“ Das musste doch die Mädchen beeindrucken!

Was soll ich sagen? Es hat nicht funktioniert. Die wenigen, die sich tatsächlich zu unseren Spielen verirrten, himmelten vor allem Rüdiger an, der in jedem Spiel mindestens zwei Tore schoss. Oder Thomas, der im Tor stand und dem man damals schon angesehen hat, dass er einmal ein hoffnungsvolles Talent in der Bremen-Liga werden würde.

Wenn einer ein entscheidendes Tor schießt oder in letzter Minute mit einer Parade den Punkt rettet, dann sagen sich die Mädchen nicht „erst mal schauen, wer noch so auf der Bank sitzt“.

Einmal hat unser Sportlehrer uns angesehen und gesagt, einer von uns könnte für zehn Minuten noch ins Spiel reinkommen. Ich habe gleich „ICH!“ geschrien und wenn ich die Geschichte des Spieles heute erzähle, dann sage ich meistens, dass ich in der letzten Minute noch den Ausgleich verhindert habe. Das ist auch nicht ganz falsch, denn ich hatte den Torschuss ins Aus abgelenkt. Also den Schuss von Rüdiger, der dieses Mal leer ausgegangen war. Dank mir. Danach hatte ich auch im Training striktes Verbot, die Mittellinie zu überschreiten. Zudem hat Norbert drei Tage nicht mehr mit mir gesprochen.

Bald schon haben wir beide uns nur noch für das andere Geschlecht interessiert und die Sannes, Steffis, Utes und Tanjas hatten das Thema Fußball abgelöst. Dabei kamen wir uns nie in die Quere. Norbert stand auf lange, blonde Haare. Ich fand das immer etwas oberflächlich und bevorzugte kurze, dunkle.

Am intensivsten war die Teekannenzeit. Das war in der Oberstufe. Pfefferminztee, Bio-Jasmintee, Tropenfeuer – wir beide hatten einseitig platonische Freundschaften zu Frauen, die uns die Welt des Tees näherbrachten und wir beide waren der festen Überzeugung, der Wechsel von Cola auf Lindenblütentee sei ein elementarer Schritt in Richtung Erwachsenwerden.

Norbert war zu der Zeit unsterblich in Danuta Grabińska verknallt, die ehrlich gesagt gleich ein paar Ligen über ihm spielte. Ich konnte mich zwischen Inga aus dem Lesezirkel und Yvonne nicht entscheiden, die in unserer Stammkneipe unsere ersten frisch gezapften  Biere servierte. Interessiert waren beide nicht.

Nach der Ausbildung begann wieder einmal der Ernst des Lebens, dieses Mal in Form eines unbefristeten Arbeitsvertrages. Nur kurz darauf hörte ich zum ersten Mal den Namen Kerstin Waldow. 

„Sie ist eine Azubine!“ Verzweifelt versuchte Norbert, mir sein Dilemma darzustellen. „Das gäbe richtig Ärger!“

„Norbert, ehrlich: Du hast gerade erst ausgelernt und sie ist, was? Drei Jahre jünger als du? Alter, was ist dein Problem?“

Gut, Ärger hätte es sicher mit Kerstins damaligen Freund gegeben, aber von ihm hat Norbert erst viel später erfahren.

Der Inhalt der Gespräche änderte sich im Laufe der Jahre nur unmerklich. Immer, wenn ein neuer Name auf den Tisch kam, stachelten wir den jeweils anderen an, sie doch möglichst schnell anzusprechen. Es war immer der falsche Weg zu warten. Am besten noch so lange, bis man so nervös wird, dass du kaum noch einen Ton herausbringst, wenn die Frau deiner Träume plötzlich vor dir steht. Frauen suchen einen echten Kerl, keinen Typen, der seine Zunge verschluckt, wenn er ein hübsches Mädchen sieht. Atmen können mit ihr im selben Raum wäre auch wünschenswert.

Während der Ausbildung haben wir uns eine Weile deutlich weniger gesehen. Ich glaube, das lag daran, dass wir uns etwas auseinander entwickelt hatten. Während die Haltbarkeitsdauer meiner Flammen, die sich nicht für mich interessierten, weiterhin in etwa mit der Dauer vergleichbar war, mit der sich ein Trainer beim Hamburger SV hielt, kannte Norbert nur noch einen Namen. Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen, pausenlos von der Frau zu hören, in die er inzwischen seit Jahren unsterblich und vor allem unglücklich verliebt war und die keinen Schimmer davon hatte.

© 2019 Neal Skye – Teil 2 folgt morgen


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