Edgar Helmut Neumann

Autoreninterview Edgar Helmut Neumann

 

Der Autor

1947 in Saarlouis geboren, hat mehr als 35 Jahre als Journalist gearbeitet, lebte deshalb bis 2002 außerhalb des Saarlandes, wohnt seit 2010 in Saarbrücken. Gemeinsam mit seiner Frau ist er in ihrem „Atelier Malkasten“ tätig, wobei er meistens „Farb- und Wortklänge“ miteinander verbindet. Im Januar 2019 veröffentlichte er bei BoD seinen Debütroman „Vierzehn, nicht Dreizehn“. Hat gerade mit einem neuen Roman begonnen.

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Das Interview

Wie bis du zum Schreiben gekommen?

1963 las ich in einer Fernsehzeitschrift Hermann Hesses Gedicht „Seltsam im Nebel zu wandern…“ und verfasste spontan eine eigene Fassung zu diesem Thema. Schon zuvor hatte ich unbeholfene Gehversuche mit eigenen „Gedichten“ gemacht. Seitdem schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig solche Texte. Meinen ersten Plot verfasste ich 1964, hab die geplante Parabel aber nicht verwirklicht. Bis 2006 folgten einige weitere Versuche zu Prosatexten. Dann entstand nach einem Schreibwochenende die erste Fassung meines jetzt veröffentlichten Romans. Das gedruckte Buch ist die sechste Fassung. Nach meinem Debütroman wollte ich eigentlich keinen zweiten schreiben, sondern die Sammlung meiner eigenen Gedichte bearbeiten und vielleicht publizieren. Außerdem möchte ich eine 2005 als Privatdruck unter Freunden und Bekannten verteilte Fassung meines selbst bebilderten Märchens „Der Baum, mein Freund“ überarbeiten und neu illustriert herausgeben. Doch das muss nun warten, denn ich hab mich überreden lassen, bis zur ersten Buchmesse Saar im Juni 2020 einen zweiten Roman vorzulegen.  Somit ist nun aus dem Journalisten, etwas verspätet ein Schriftsteller geworden.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Meine erste Roman-Fassung schrieb ich in kurzer Zeit ohne zu plotten, die zweite hab ich dann sehr detailliert skizziert, die vorletzte war sehr abweichend und in der letzten hab ich aus dem Bauch heraus manches völlig neu geschrieben.

Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich bin jetzt 72 Jahre alt und möchte mich deshalb mit BoD zufrieden geben. Verlagssuche ist anstrengend und Verlagsvertrag bringt auch Pflichten, die belastend werden können.

 Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Wie bereits gesagt, die Idee zu „Vierzehn, nicht Dreizehn“ entwickelte sich nach einem Schreibwochenende aus einem früheren Essay über die Berliner Mauer. Zunächst war es in diesem Fall ein Wort, das mich am Bostalsee inspirierte. Jemand anderes las dort seinen Text vor, über den er „Namenlos“ geschrieben hatte. Er überließ mir freundlicherweise dieses Wort zu meiner eigenen Idee. Nun heißt der Protagonist aber nicht mehr Namenlos wie in der ersten Fassung sondern Loesmann (als Anagramm zu Namenlos). Was wiederum Assoziationen weckte, so dass die Geschichte sich in sechs aufeinander folgenden Fassungen zur gedruckten ändern konnte, in der es auch ums Lösen sowie ums Auflösen geht.

 Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Teils, teils, denn ich hab stets ein Notizbuch unterwegs bei mir. Ansonsten tippe ich meinen Text ohne große Vorarbeit sofort ins System. Dabei sind auch Probleme entstanden, die nicht hätten sein müssen. Nun speichere ich immer doppelt ab.

 Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Meine Frau bemüht sich sehr fürsorglich, Störungen zu vermeiden oder zu verhindern. Außerdem nimmt sie selbst viel Rücksicht, wenn ich längere Zeit fürs Schreiben brauche. Denn ich bin nicht derjenige, der diszipliniert täglich nur so oder so viele Minuten schreibt. Wenn ich im Flow bin, dann möchte ich nicht gestört werden. Deshalb tue ich mich schwer beim Schreiben außerhalb der Wohnung. Hab es schon mehrfach versucht, kein gutes Ergebnis erzielt.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Vierzehn, nicht Dreizehn“ geht?

Mein Protagonist Axel Loesmann kommt in der Nacht des Mauerbaus am Sonntag, 13. August 1961, in Westberlin auf die Welt, da seine Mutter an den Folgen eines Verkehrsunfalls stirbt. So wächst er bei seinen Großeltern auf, die mit neuer Identität in die Rhön ziehen. Weil der Großvater nach dem Kinobesuch nicht zurück in den Ostteil der Stadt kann, er hat bis dahin als Offizier des DDR-Staatssicherheitsdienstes gearbeitet. Axel Loesmann sucht nun über Jahrzehnte hinweg nach seinem leiblichen Vater, wobei ihm seine Familiengeschichte erst einmal verheimlicht wird.

In dem Buch geht es außerdem um die Angst vor einem Dreizehnten, vor allem solchen, die auf einen Freitag fallen. Axel Loesmann wird Leiter eines Forschungsprojektes, bei dem es um die Auswirkungen gehen soll; er wird aber, so wie er zuvor seinen Lehrstuhl Knall auf Fall aufgibt, auch hier einfach hinwerfen und sich etwas Neuem widmen, was ihn dann ins Saarland führt, wo er auch seine wahre Familiengeschichte kennenlernt. In der Geschichte spielt die Dreizehn deshalb eine Rolle, weil der Großvater am einem Freitag, 13. August 1909 geboren wurde. Seine Tarot-gläubige Frau hat damit große Probleme.

„Vierzehn, nicht Dreizehn“ – COPYRIGHT © Der Titel ist bei Titelschutz.ch unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG (Deutschland) sowie § 80 UrhG, § 9 UWG (Österreich) in allen Schreibweisen und Darstellungsformen geschützt und im Online-Titelschutz-Anzeiger veröffentlicht worden. Das Manuskript, einschließlich all seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrovervielfältigungen und die Einspeicherung und/oder die Verarbeitung in elektronische Systeme. Copyright ©

Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Wie schon gesagt, fang ich gerade damit an. Hab eben mein Exposé entworfen. Bin noch am Plotten und diskutiere gerade meine Personencluster. Es wird ein Briefroman werden, in dem eine Lehrerin aus Leipzig und ein Sachbearbeiter aus Saarlouis nach persönlichem Kennenlernen im Zug nach Paris dann mehr als ein Jahr lang sich in Briefen (eher als in E-Mails) intensiv austauschen.

 Hast du schon einen Titel für das neue Buch?

„Was ich dir dazu sagen möchte…“

 Wie hast du die Idee zu dem neuen Buch gefunden?

Leser meines Debütromans meinten, es sollte eine Fortsetzung geben, was ich aber strikt ablehne. Also kam mir, quasi nachts im Traum, die Idee, eine Geschichte zu schreiben, die Intentionen aus dem ersten Buch wieder aufscheinen lässt. Aber nicht mehr. Allerdings spielen das Jahr 2019 – dreißig Jahre nach dem Mauerfall und die dabei entstehenden Erinnerungen in Leipzig schon eine wesentliche Rolle.

 Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest?

Fantasy wäre die einzige Ausnahme, das spricht mich wenig an. Ansonsten schreckt ein Journalist ja vor nichts zurück …

 Welche Autoren inspirieren dich?

Beim ersten Roman war es vor allem Hermann Hesse, mein Lieblingsschriftsteller seit Kindertagen. Beim nächsten bin ich noch unentschieden, Goethes Briefroman wird natürlich eine Rolle spielen. Ebenso der Briefwechsel zwischen Hermann Hesse und Romain Rolland.

 Wie schreibst du deine Gedichte?

Das ist sehr unterschiedlich. Gelegentlich unterwegs oder nach einer Begegnung. Meistens spontan nach Inspiration durch erlebte Geschehnisse oder durch Berichtetes. Manchmal auch nach Zeitungsmeldungen. „Farb- und Wortklänge“, also selbst gemalte Bilder mit daneben gestellten selbst verfassten Texten, entstehen wirklich nur geplant, wenn eine Ausstellung damit thematisch angekündigt war.

 Hast du noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Ich leide darunter, dass ich derzeit so gut wie gar nicht zum Malen komme.

 Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

In meinem Alter freut man sich über jeden Sonnenstrahl, den man morgens erblicken darf.  Die Träume, die dann am Horizont aufsteigen, sind bescheiden. So werde ich momentan alle Kraft dafür aufwenden, die schon erwähnten Absichten (zweiter Roman, Gedichtsammlung, Märchen sowie eine Ausstellung mit „Farb- und Wortklängen“) zu verwirklichen.

 Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Sehr hypothetische Frage, weil das fast unmöglich scheint. Aber als Axel Loesmann wäre  Jan Liefers mein Wunschkandidat. Das ist einer meiner Träume, mich mit ihm über meinen Roman auszutauschen; auch deshalb, weil er aus eigener Anschauung die Hintergrundebenen kennt.

 Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Derzeit vor allem durch Werbung via Facebook sowie im persönlichen Bekanntenkreis. Dann baue ich auf die Wirkung der Porträts, zu denen ich bereits interviewt wurde, die (Stand 9. Mai) aber erst veröffentlicht werden. Und natürlich hier beim Autorennetzwerk, hoffe ich.

 Hattest du schon Lesungen?

Ja, am Welttag des Buches (23. April) hier in Saarbrücken. Die nächste ist am 13. August, diesem wichtigen Datum im Buch, in meinem Heimatort. Weitere sind in Vorbereitung.

 Hast du irgendwelche Laster?

Ich bin in den letzten Jahren ein richtig fauler Hund geworden.

 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Nein, nicht mehr. Früher ebenso wie beim Malen ja. Damals eher Klassisches. Aber auch sanften Jazz.

 Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

Ich kenne Schreibblockaden leider schon zur Genüge, zum Beispiel nach den Attentaten in Paris am Freitag, 13. November 2015 im Bataclan usw.  Ich war über Monate gelähmt… Da ich Augenmensch bin, wird es schwierig werden, etwas anderes zu finden, wenn ich aus welchen Gründen auch immer nicht mehr schreiben oder malen könnte. Fotografieren, was ich auch gerne mache, würde ebenfalls entfallen. Etwas auf Band diktieren war bislang noch nie mein Ding.

 Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Schreiben kann jeder. Außerdem gibt es genügend Schreibschulen. Ist nur die Frage, ob man sofort damit auf die Bühne will. Und ich, der seit Jahrzehnten geschrieben hat und damit seine Familie ernährte, musste feststellen, dass es besser ist, sich selbst zu prüfen, welche Bedingungen man erfüllen kann. Romanschreiben ist etwas anderes als über ein Ereignis zu berichten. Zweitens ist es wichtig zu wissen, ob man Kritik vertragen und annehmen kann. Ich, der selbst andere rezensiert hat, musste mich auch dieser Frage stellen. Schließlich hatten Testleser dafür gesorgt, dass die erste Fassung meines Debütromans von 2006 bis 2014 in der Schublade lag. Dann waren es Zuhörer bei einer privaten Lesung, die mich zum Wiederaufnehmen des Textes ermutigten. Sehr gemischte Erfahrungen.

 Würdest du jemanden bei seinen ersten Schritten als Schreibender begleiten wollen?

Da bin ich zuerst einmal von meiner Frau gefordert, die gerade an ihrem ersten Roman arbeitet. Darüber hinaus treffen wir uns zusammen mit anderen in einem „Schreib:Raum“ am historischen St. Johanner Markt in Saarbrücken immer am letzten Samstag im Monat zum Gedankenaustausch. Wobei diese Gruppe offen ist für jeden, der hineinschnuppern möchte. Angaben dazu findet man auf meiner Facebook-Seite. Vielleicht will jemand dazu kommen.

 Deine drei Wünsche an die gute Fee?

  • Noch lange mindestens so gesund bleiben wie ich es noch bin, leider etwas eingeschränkt, aber dennoch… somit einfach Freude am alltäglichen Leben haben können.
  • Noch lange Zeit mit meiner Frau zusammensein zu können.
  • Möglichst keine langen Strecken von Langeweile spüren zu müssen, weil nichts mehr zu erkämpfen wäre …

 

Vielen Dank für das offene Interview, Edgar Helmut Neumann, und weiterhin viel Erfolg.


Das Buch

Vierzehn, nicht Dreizehn

In der Nacht, in der in Berlin mit dem Mauerbau begonnen wird, kommt ein Kind zu früh auf die Welt, weil das Leben seiner Mutter nach einem Verkehrsunfall nicht zu retten ist. Es ist der 13. August. Kein Freitag, sondern ein Sonntag. Ein Dreizehnter an einem Freitag soll in seinem Leben mehrfach eine Rolle spielen.
Der Mann versucht jedoch immer wieder, wichtige Entscheidungen auf einen Vierzehnten zu legen. Von Datum zu Datum spürt Axel Loesmann, der elternlos aufwächst, den Geheimnissen in seiner Familiengeschichte nach. Lange Zeit scheint es so, als wären sie mit seiner Mutter begraben worden.

Paperback, 560 Seiten, ISBN-13: 9783748150930

Verlag: Books on Demand, Erscheinungsdatum: 16.01.2019

BoD

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