Geschichte des Tages: Le Alex Sax – Der Hinterhalt

Geschichte des Tages: Le Alex Sax – Der Hinterhalt

27.06.2019

Der Hinterhalt

Das Geräusch, es ist wieder da. Gefahr droht. Panisch richte ich mich auf, starre in die Finsternis. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Umgebung. Lichter blinken, überziehen den grossen Raum. Bedrohlich tanzen die Schatten über die Wände.

Plötzlich fährt ein Schmerz brennend über mein Bein. Erschrocken zucke ich zusammen. Weshalb konnte ich mich nicht wehren?

Das Geräusch dringt wieder an mein Ohr. Diesmal lauter. Es kommt näher. Entsetzt stöhne ich auf, während sich meine Muskeln verkrampfen. Der Kampf ist noch nicht vorbei. Der Gegner liess mir nur eine kurze Pause, um erneut angreifen zu können.

Ich muss es diesmal schaffen, damit ich nicht wieder zum Opfer werde. Die Qualen, ich halte sie nicht mehr aus. «Es muss enden», flüstere ich verzweifelt.

Bereit für den Schlussakt rutsche ich von der mit Schweiss durchtränkten Unterlage. Ich brauche eine Waffe! Auf Knien rutsche ich über den kalten Boden, die Angst im Nacken, als das Geräusch erneut ertönt. Sie kam, um mich zu holen! Meine Hände tasten hektisch über den rauen Teppich. Nichts! Warum hatte ich mich nicht besser vorbereitet? Mir wird bewusst, dass ich laufen muss, wenn ich etwas finden will. Doch die Beine sind schwer, müde von der vorangegangenen Belastung. Sie gehorchen schlecht. Ich krabble schwer atmend zur Tür und ziehe mich mühsam am Türrahmen hoch. Meine nassen Hände rutschen ab, ich krache kopfüber ins nächste Zimmer, lande unsanft auf dem harten Plattenboden. Ganz still bleibe ich liegen, obwohl die Schmerzen meines verdrehten Handgelenkes unerträglich sind. Mit zusammengebissenen Zähnen robbe ich weiter, bis mein Kopf gegen eine eisenharte Kante knallt. Beinahe hätte ich laut geschrien, doch ich gönne ihr die Genugtuung, mich winseln zu hören, nicht.

Die pure Verzweiflung lässt mich weitermachen. Nach einer Ewigkeit erreiche ich die Holztruhe. Keuchend öffne ich den Deckel. Meine Finger ertasten die Waffe. Entschlossen greife ich nach ihr und stehe zittrig auf. Dieses angstmachende Geräusch lässt mich herumfahren. Sie ist mir gefolgt. Das Dämmerlicht verschluckt ihren Körper, aber ich weiss, dass sie da ist. Ich brauche Licht, wenn ich meine Peinigerin ausschalten will.

Leise schleiche ich an der Wand entlang, bis meine Finger den Lichtschalter finden. Schnell schalte ich es ein.

Eine Sekunde lang sind wir Auge in Auge, dann schlage ich zu. Entzückt sehe ich sie an der Wand kleben und breche in Triumphgeheul aus. Die verdammte Mücke, die mein Blut im Bauch hat, ist tot. Der rote Saft verteilt sich dekorativ an der Küchenwand. Jedes Mal diese Putzerei nervt.

Lässig stütze ich mich am Herd ab, um den Mord zu geniessen, als es auf meiner Hand kitzelt. Langsam schaue ich hinunter. Eine grosse fette Spinne sitzt mitten auf meinem Handrücken. Den Rest könnt ihr euch denken…

Geschrieben aus aktuellem Anlass. Der Schauplatz ist meine Wohnung mit Garten, der Heimat dieser elenden Viecher. Ja, ich liebe den Sommer. Manchmal!

(c) Le Alex Sax

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