René Müller-Ferchland

Autoreninterview René Müller-Ferchland

Gestern Abend stellte sich der Autor René Müller-Ferchland den Fragen im Live Chat Interview. Eine Stunde lang stand er seinen Gästen Rede und Antwort.


Der Autor

René Müller-Ferchland wurde 1984 in Magdeburg geboren. Er studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Erfurt und hat für Kultur-, Wirtschafts- und Jugendmagazine gearbeitet. „Alle Wasser Stein“ ist seine erste Romanveröffentlichung.

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Das Interview

 

Meine erste Frage wäre, was ich mir unter Neuere deutsche Literaturwissenschaften vorstellen darf.

Nun, es geht in der Neueren um Literatur ab 1600 etwa. Davor gab es ja auch schon allerhand, da ich mich aber vor allem mit Autoren und Literaturen ab dem frühen 20. Jahrhundert beschäftigen wollte, habe ich mich für diesen Studiengang entschieden.

 

Warum bist du Autor geworden? Woher kommt dein Bezug zum Schreiben? Hat sich das eventuell aus dem Studium ergeben?

Das kam idealerweise von selbst, es ist tatsächlich seit über zwanzig Jahren ein inneres Bedürfnis! Das Studium hatte dann schon seinen Einfluss, aber wie gesagt, mein Anfang lag weit davor …

Eine lange Reifezeit für den Schritt, Autor zu werden. Gab es einen Auslöser, als solcher endlich tätig zu werden?

Geschrieben habe ich wie gesagt schon lange. „Als Autor tätig“ – meinst du damit, das sozusagen beruflich zu machen?

Nein, eher etwas zu veröffentlichen. Deinen Roman z. B.

Ich fand, dieser Roman war dann endlich soweit und reif, veröffentlicht zu werden. Das war sozusagen der Auslöser.

Bist du ein Plot- oder chaotischer Schreiber?

Letzteres. Ich habe früher immer versucht, nach Plan zu arbeiten, aber das funktioniert nicht. Heute sammle ich Ideen, noch während des Schreibens.

Klassisch auf Zetteln, oder nutzt du eine Software?

Klassisch auf Zetteln! Die können nicht verloren gehen, jedenfalls vertraue ich ihnen mehr als einer Datenbank.

Zettel, die nicht verloren gehen? Ich weiß nicht … passiert mir alle Nase lang

Hehe, gut, das kenne ich auch. Inzwischen sammle ich sie in einem alten Zettelkasten, in dem nichts verloren geht!

Was hälst du als Autor persönlich von Prolog und Epilog?

Das finde ich sehr schön. Ich habe auch mal an einem Projekt geschrieben, das diese Elemente hatte.

Happy End, offenes Ende oder gar ein trauriges? Welcher Typ bist du?

Ich selbst finde Happy Endings natürlich selbst am schönsten, neige aber eher dazu, traurige zu schreiben. Bei „Alle Wasser Stein“ ist es aber nicht ganz so traurig, glaube ich. Hoffe ich.

 

Was hast du vor deinem Buch geschrieben? Schreibst du auch Kurzgeschichten oder sogar Poesie?

Danke für diese schöne Frage! Ich habe mit Gedichten angefangen, dann Kurzgeschichten. Nach zehn Jahren wagte ich mich dann an eine Geschichte mit dem Umfang eines Romans. Heute schreibe ich nur noch Romane, in diese gehen aber hier und da auch Gedichte ein. In „Alle Wasser Stein“ gibt es drei Gedichte.

Woher kam die Idee zu deinem Buch »Alle Wasser Stein«?

Die Idee für »Alle Wasser Stein« kam mir, als mein kleiner Neffe auf einen Freund von mir traf, der gerade in seiner Goldschmiede Werkstatt arbeitete. Er erklärte dem Kleinen, was er gerade machte. Mein Neffe machte natürlich große Augen. Das war DER Moment, der mich zu dem ganzen Roman inspiriert hat.

Magst du uns erzählen, worum es in deinem Buch geht?

Es geht um eine Künstlerkommune in Südeuropa. Diese lebt in einer alten Villa, in der jeder seine Vergangenheit hinter sich lassen kann. So auch der Bildhauer Rigot, der dem Opium recht zugeneigt ist und im Rausch in einen Vertrag eingewilligt hat, an dem die Existenz der Villa hängt. Er muss aus einem Stein eine Skulptur schlagen. Nun muss er sich aber nicht nur mit dem Stein auseinandersetzen, sondern auch mit einem Kind, das plötzlich bei ihm auftaucht. Seit der Kleine da ist, kann Rigot nicht mehr bildhauen, sondern folgt dem Kind fortan immer häufiger zum Wasser, das eng mit seinem Trauma verbunden ist. Seine Vergangenheit holt ihn also ein, doch bald drängt die Zeit: er muss den Stein beschlagen, sonst müssen alle „Nessunos“ die Villa verlassen. Kurz bevor die Frist abläuft verschwindet auch noch der kleine Junge.

Ich frag nach dem Antagonisten … gibt es den?

Ja, den gibt es: Der Bürgermeister Luca, der den Stein in Auftrag gibt, ist Rigots Widersacher. Und gar nicht mal so anständig, wie es ein Bürgermeister sein sollte.

Wie kamst du auf den Namen Rigots?

Der kam mir tatsächlich wie der Titel. Wie aus dem Nichts. Aber so hieß er dann.

Welchem Genre ordnest du deinen Roman zu? Und gibt es ein Genre, das dir nicht liegt, in dem du nie schreiben würdest?

Ich würde sagen, es ist ein Gesellschaftsroman, Liebesroman, Künstlerroman … Science Fiction würde ich, glaube ich, nie schreiben.

Der Titel ist ziemlich ungewöhnlich, finde ich. Wie kamst du darauf?

Bei einem Spaziergang. Ich dachte eigentlich gar nicht daran, aber irgendwie kam er und war irgendwie cool, ein bisschen avantgardistisch …

Bei welchem Verlag bist du. Oder habe ich etwas überlesen?

Bei der Edition contra-bass.

Gefällt dir persönlich das Cover deines Buches? Hast du mit entschieden oder hat der Verlag dich vor vollendete Tatsachen gestellt?

Contra-Bass hat mir einige Vorschläge gemacht. Ich entschied mich für dieses Bild, suchte aber den Ausschnitt selbst mit aus.

Was, würdest du sagen, wenn du es beschreiben solltest, ist das Besondere an »Alle Wasser Stein«?

Ich glaube, es ist die Sprache, die manch einer ein wenig veraltet finden könnte. Oder besser vielleicht: Es ist die Verbindung zwischen der Sprache und dem Inhalt des Romans. Das passt irgendwie sehr gut zusammen, fällt aber ein bisschen aus der Zeit, glaube ich.

Das muss ja nicht schlimm sein.

Ist aber natürlich Geschmackssache – wie eigentlich jedes Buch.

Wie lange hast du von der ersten Idee bis zur Vollendung gebraucht?

Ziemlich genau drei Jahre. Das Lektorat durch den Verlag ist da noch nicht eingerechnet.

Manche Ideen müssen reifen. Wenn dann noch Recherche und das tägliche Leben dazwischen kommt …

Richtig, genauso ist es.

Was würdest du einen Autoren im Interview fragen? *grübel

Von welchen Schauspielern er seine Protagonisten gespielt haben wollte …

Okay … von welchen Schauspielern würdest du deine Protagonisten gespielt haben wollen?

Meinen Bildhauer Rigot würde ich von Sean Penn spielen lassen. Seine Freundin Amata wohl von Martina Gedeck…

Könntest du dir vorstellen selbst das Drehbuch zur Verfilmung von »Alle Wasser Stein« zu schreiben?

Ja, das könnte ich mir vorstellen. Müsste es wohl aber erst lernen.

Jetzt kommt eine fiese Frage – Würdest du uns als Autor empfehlen, dein Buch zu kaufen?

Ja … na klar würde ich euch empfehlen, mein Buch zu kaufen. Nachdem, was ich von Lesern gehört habe, kann die Lektüre durchaus etwas mit einem machen. Und das ist das Wichtigste, finde ich.

 

Jetzt wo dein erstes Buch erschienen ist, was glaubst du … machst du weiter? Ist das zweite schon in Arbeit?

Auf jeden Fall mache ich weiter, ich habe direkt danach etwas Neues angefangen.

Gibt es ein Thema, über das du schon immer schreiben wolltest, für das du aber bisher noch nicht die Zeit oder den Mut dazu hattest?

Eigentlich komme ich ganz gut nach mit den Themen, die ich bearbeiten möchte. Wie gesagt, ein neuer Roman ist in Arbeit und vor kurzer Zeit kam mir die Idee für einen weiteren.

Würdest du nach vorgegebenem Thema schreiben?

Uh, das ist eigentlich der Grund, warum ich den Redakteursberuf nicht weitergemacht habe: das vorgegebene Thema schränkte mich zu sehr ein.

Hast du ein Ziel als Autor? Möchtest du z. B. irgendwann vom Schreiben leben können, damit du nur noch schreiben kannst?

Das wäre ein großer Traum! Aber mein Ziel ist das eigentlich nicht, um dieses zu erreichen, müsste ich mainstreamiger schreiben, damit es millionenfach gekauft wird. Ich will unabhängig bleiben und weiterschreiben – das ist mein Ziel.

Hast du eine(n) LieblingsautoriIn? Und hat er/sie dich beeinflusst?

Da gibt es viele: Kafka, Marguerite Duras, vor allem aber Natascha Wodin. Ich habe ihren ersten Roman gelesen und dachte: So will ich auch einmal schreiben.

 

Wie ist denn das Echo auf deinen Roman? Gibt es schon Meinungen von Lesern?

Ja, ich habe von einigen Lesern einer Online – Leserunde ganz tolles Feedback bekommen.

Hast du schon Lesungen abgehalten? Ich meine außer online?

Letzte Woche hatte ich meinen ersten öffentlichen Auftritt als Autor, bei der LEA, einer Erfurter Lesebühne. Ich las 10 Minuten aus meinem Roman und bekam meinen ersten Applaus.

Gratuliere! Vergiss dieses Gefühl niemals.

Ich versuche es. Trotzdem war ich bös aufgeregt und werde es wohl auch beim nächsten Mal sein.

Gibst es in deiner Heimat einen Autorenstammtisch? Würde dich so etwas überhaupt interessieren?

Ja, es gibt so etwas in der Art. Ich bin aber (noch) nicht beigetreten. Vielleicht sollte ich es tun, denn letztens bei der LEA  hat es schon Spaß gemacht, sich mit anderen Autoren auszutauschen.

Trittst du an Zeitungen heran? Regionale Zeitungen berichten ja oftmals gern über regionale Autoren.

Das habe ich noch nicht gemacht, habe es aber vor. Das hEFt Erfurt plant eine Rezension über mein Buch zu bringen, habe ich erfahren.

Welche Marketing Maßnahmen benutzt du, abgesehen von dem, was dein Verlag für dich macht und Leserunden bei Lovelybooks, um Leser zu gewinnen?

Ich habe Flyer drucken lassen und verteile sie, betreibe meine Homepage , wo auch selbst „gebaute“ Trailer zum Buch zu finden sind und demnächst stelle ich bei youtube eine Hörprobe ein.

Würdest du dein Buch selbst als Hörbuch einsprechen?

Gerade bereite ich eine Hörprobe für Youtube vor und kämpfe immer ein wenig damit, wie ich meine Stimme finden soll. Lieber hätte ich mein Buch wohl von jemand anderen eingesprochen.

Wirbst du selbst für dein Buch oder überlässt du das deinem Verlag?

Der Verlag macht schon einiges, bewirbt es etwa auf den Buchmessen. Ich bin Social Media – mäßig viel unterwegs und bewerbe mein Buch.

Kommt das Modell Selfpublishing für dich gar nicht in Frage?

Das wäre auf jeden Fall in Frage gekommen, wenn ich keinen Verlag gefunden hätte. Ich finde es toll, dass man als einzelner diese Möglichkeiten heute hat – aber es ist leider sehr viel mehr Arbeit.

 

Hast du so etwas wie feste Schreibzeit oder schreibst du, wenn du Lust/Ideen hast? Bist du diszipliniert?

Tolle Frage! Die Ideen kommen mir oftmals spät abends oder nachts. Dann schreibe ich ein bisschen wild herum. Disziplin braucht es dann eher, diese „Schnipsel“ zu verwerten, daraus einen Text zu machen.

Was würdest du tun, wenn du plötzlich nicht mehr schreiben könntest?

Oh, das ist eine finstere Frage, das mag ich mir nicht vorstellen. Kann man dann nicht diktieren oder malen?

 

Welche Erfahrungen hast du mit dem sogenannten Neid / Wettbewerb unter Autoren gemacht?

Das habe ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht so erlebt. Vielleicht lässt sich so etwas auf einer Buchmesse spüren? Dann wartet diese Erfahrung noch auf mich. Auch an einem Wettbewerb habe ich noch nicht teilgenommen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mit irgendjemandem in Konkurrenz stehe.

Du schreibst, also bist du Konkurrent, den es auszuschalten gilt. Wie würdest du damit umgehen?

Uh, das wäre eine Ansage! Ich würde mich aber nicht beeindrucken lassen. Einfach schreiben… einfach schreiben…

 

Was sagt denn deine Umgebung, deine Familie dazu, das du viel Zeit mit Schreiben verbringst?

Die unterstützen mich schon immer und sind eigentlich immer auf dem Laufenden. Eigentlich war es auch noch nie so, dass ich etwas absagen musste wegen des Schreibens.

Womit verdienst du dein Geld? Ich gehe zumindest davon aus, das du noch arbeiten gehst.

Ja, ich habe einen ganz normalen Bürojob – der so gar nichts mit dem Schreiben zu tun hat. Ich wollte einmal Redakteur werden, aber nachdem ich das ausprobierte, merkte ich, dass für das Schreiben nicht mehr viel kreative Energie übrig bleibt.

Hast du noch Zeit für Hobbys nebenbei?

Na klar! Ich gehe gerne laufen, treffe mich mit Freunden, verreise gern.

 

Angenommen du hättest 3 Wünsche von der guten Fee frei? Was würdest du dir wünschen? Einen Bestseller zu schreiben gilt nicht, das wollen wir schon 🙂

Schade! Ein tolles ruhiges Haus, Gesundheit für mich und meine Lieben und weiterhin ganz viel Energie zum Schreiben.

Verrätst du uns, was dein großer, persönlicher Traum ist? Auch hier – Bestseller wird nicht gewertet 🙂

Kurz, bevor ich sterbe, den letzten Punkt eines tollen Romans zu setzen. Denn einen unfertigen zu hinterlassen – dieser Gedanke macht mir Angst …

Welche drei Dinge (keine Menschen) nimmst du mit auf eine einsame Insel/ in die Wüste/ ins Packeis?

Einen Stift, ein leeres Buch und eine Zahnbürste.

Gute Entscheidung. In der Wüste könntest du z. B. mit der Zahnbürste den Sand durchkämmen, solltest du den Stift verlieren.

 

Was würdest du jemandem raten, wenn er gerade mit dem Schreiben anfängt?

Mach es einfach! Lass dich durch nichts und niemanden beeinflussen und versuche deinen Stil zu finden, deine Geschichten!

 

Vielen Dank für das interessante und offene Interview, René Müller-Ferchland, und viel Erfolg mit allem, was du noch so schreibst. 


 

Das Buch

Der Bildhauer Rigot lebt in einer Künstler-Gemeinschaft im Süden Europas. Er wird plötzlich mit einem Steinblock konfrontiert, der in sein Atelier gebracht wurde, und einem Kind, das aus dem Nichts bei ihm auftaucht. Der Stein, den er laut einer im Drogenrausch ausgesprochenen Wette mit dem Bürgermeister gezwungen ist zu behauen, macht ihn unfähig. Zu seinem Verdruss nimmt die lebenslustige Gemeinschaft und vor allem Amata das Kind an. Amata, die er begehrt und für sich allein haben möchte. Das Kind führt Rigot immer wieder an ein Wasser, das ihm ein frühes Trauma zurückbringen wird. Die Nessunos, wie sich die Gemeinschaft nennt, wollen im Jetzt leben und die Vergangenheit vergessen. Sie scheren sich wenig um die bürgerliche Moral, feiern die Freiheit des Einzelnen und genießen den Schutz der Gemeinschaft. Doch am Ende sind sie mit der Außenwelt konfrontiert und müssen sich vor Gericht verantworten. René Müller-Ferchland gelingt es, diese Geschichte zwischen Rausch und Wirklichkeit mit ihren je individuellen Charakteren in großer Spannung zu halten und zu einem überraschenden Ende zu führen.

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