Nikodem Skrobisz

Autoreninterview Nikodem Skrobisz

Der Autor

Der Schriftsteller Nikodem Skrobisz, geboren am 26.02.1999 in München, ist vielen unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt. Er hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die vor allem philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln, wie individuelle Freiheit, Sinnfindung und den Einfluss von Substanzen und Technologie auf die menschliche Wahrnehmung. Darüber hinaus beteiligt er sich regelmäßig an diversen Publikationen und war unter anderem bis Mai 2019 Chefredakteur des im gesamten deutschsprachigen Raum erscheinenden Studentenmagazins Peace Love Liberty. Seit Oktober 2017 engagiert er sich als Vorstandsmitglied des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V.. für die Förderung von jungen Literaten und faire Vertragskondition bei Verlagsverträgen. Zurzeit studiert er Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und bereitet die Veröffentlichung seines nächsten Romans „Zukunftsängste & Chill“ vor.

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Das Interview

Wie bis du zum Schreiben gekommen?

Es ist zu mir gekommen – oder zumindest glaube ich das, denn meine ersten Kurzgeschichten verfasste ich bereits mit vier Jahren und das erste Buch im Alter von zehn Jahren. Also ich bin schon recht früh auf die schiefe Bahn abgerutscht, die direkt zu einer Schriftstellerexistenz führt.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?
Das hängt vom Genre und der Textlänge ab, aber normalerweise lasse ich mir die Geschichten von meinem Kopf diktieren.

Bist du jetzt eigentlich Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich habe als unabhängiger Indieautor angefangen und habe das sehr genossen mich auszutoben und auch so experimentelle Romane wie „Crackrauchende Hühner: Nihilist Punk“ oder philosophische Erzählungen wie „Das Erwachen des letzten Menschen“ veröffentlichen zu können, die wohl kaum ein Verlag von einem Debütanten genommen hätte, aber die sehr gut bei meiner Leserschaft angekommen. Meine letzten paar Veröffentlichungen erschienen aber alle bei Verlagen, darunter die Erzählungen „Abort“ in der Anthologie „Abgeranzte Liebe“ des Verlags Hummel&Sahne, »Schnee« bei Haller und „Die finale Lösung der Menschenfrage“ in „Vollkommenheit“ des Hybrid-Verlags.

Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Jack London soll mal gesagt haben, dass man die Inspiration mit einem Knüppel jagen muss als Autor, weil sie nicht von selbst kommt. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Inspiration auch nur zu gerne mich mit dem Knüppel jagt. Manchmal will ich nur in Ruhe einen Kaffee trinken, mein Geschäft verrichten oder mal dem Professor in der Vorlesung zuhören. Aber plötzlich funkt es in meinem Schädel, die Idee überkommt meinen Verstand und man sieht mich nur noch mit glänzenden Augen in irgendeiner Ecke wie ein Bekloppter tippen. Ich habe noch nie zwanghaft nach Ideen für Bücher oder Kurzgeschichten gesucht, denn sie suchen mich schon zwanghaft heim. Nur bei Sachtexten oder Essays gehe ich daher systematisch vor und versenke meinen Schreibtisch dafür regelmäßig unter einem Berg aus Büchern.
Ich bin aber aus meiner Erfahrung der großen Überzeugung, dass man eine gewisse Haltung entwickeln und das Gehirn auch mit viel Stoff füttern muss, damit es so viele Ideen ausspucken kann. Das Schriftstellersein ist mehr als ein Hobby oder ein Beruf. Es ist zwar auch ein Kunsthandwerk, das sehr viel Geduld, Disziplin und Übung bei der Ausarbeitung braucht, aber es ist auch eine Art Priesteramt im Dienste der kreativen Schöpfung, das zwangsläufig den Autor dazu bringt sein ganzes Leben neuzudenken. Irgendwann begreift man nämlich die Welt als eine Ansammlung an zu lösenden Rätseln und zu entdeckenden Geschichten, die sich alle literarisch verwerten lassen – dann ist es keine Frage mehr, ob man Inspiration findet, sondern vielmehr welche Art von Inspiration.
Deswegen reise ich auch sehr viel, lasse mir von wildfremden Leuten in Bars mir ihre Lebensgeschichte erzählen, probiere neue Dinge aus und wühle mich durch die Weltliteratur und engagiere mich auch sonst viel ehrenamtlich, unter anderem ja als Vorstand des BVjA, um die Welt zu sehen und zu verstehen. Mir geht es dabei aber nicht nur darum Material zu finden, um Geschichten zu schreiben, sondern auch gewissermaßen darum selbst Geschichte zu schreiben, was sich aber gegenseitig immer sehr gut ergänzt.
Wenn ich mal nicht auf Achse bin und mir nicht so viel Leben und Wissen wie möglich reinziehe, dann funkt es auch meistens seltener im Kopf, was Ideen für Geschichten angeht. Deswegen rate ich immer meinen Kollegen, die an Schreibblockaden leiden: Disziplin ist wichtig, aber manchmal ist es wichtiger, dass man rausgeht, lebt und mit der Routine bricht. Schriftsteller sind Geschichtenerzähler. Und woraus sollen wir Geschichten spinnen, wenn nicht aus dem Leben?

Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Beides und weder noch. Je nach Situation, schreibe ich zuhause am Schreibtisch oder im Zug direkt auf meinem Notebook oder notiere mir mitten in der Nacht von einem spontanen Einfall geweckt Ideen in mein Notizbuch, das immer neben meinem Futon liegt. Aber sehr oft – und da bin ganz Kind unserer Zeit – tippe ich die ersten Ideen, Dialoge und Handlungsverläufe unterwegs in mein Smartphone und schicke sie mir dann selbst.

Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Sogenannte Störungen sind nur faule Ausreden von Prokrastinatoren.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Zukunftsängste & Chill“ geht?

Es ist ein Reportageroman über meine Generation (Gen Z), also eine Art Mischung aus subjektivem Journalismus und Literatur nach dem Vorbild von Hunter S. Thompson, wenn auch mit paar zusätzlichen Elementen.
Nach meinem Abitur Juni 2018 klapperte ich über den Sommer hinweg von Amsterdam, über Berlin bis runter nach Wien die Straßen nach Geschichten unserer Zeit ab. Ich sprach mit allen möglichen Vertretern meiner Generation, von Schulabbrechern, Studienanfängern und Unternehmern bis hin zu Flüchtlingen, Antifaschisten, Neonazis, Transsexuellen und Models, von Leuten, die vom Beruf Sohn sind, bis hin zu denen, die sich, obwohl nicht einmal volljährig, schon selbst ernähren müssen. Es war sehr faszinierend und auch herausfordernd zu erleben, wie radikal unterschiedlich das Leben und die Perspektiven von Menschen sein können, die alle ungefähr gleich alt sind und gerade den Übergang ins Erwachsenenalter durchleben. Als ich das ganze Material zusammengetragen hatte, komprimierte ich die meiner Meinung nach wichtigsten Erlebnissen und Erkenntnisse in die Geschichte einer ähnlichen Reise wie meiner und versah sie hier und da mit etwas Fiktion und fantastischen Elementen. Im Februar 2019 waren dann die 400 Seiten fertiggetippt.
Also zusammengefasst, habe ich eine Menge Journalismus und typischer postmoderner Metanarration in einen Roman verpackt, um eine kunstvolle Reportage über meine Generation aus meiner Sicht zu schreiben. Eine Generation, die sich erdrückt fühlt von der Last einer demographisch bedingten Mehrheit an Fossilien, die über unsere Leben bestimmen, und einer unsicheren Zukunft aufgrund von K.I.s, Krediten und Klimawandel. Ich bin mir aber auch ein Jahr nach dem Beginn meiner Reise nicht ganz sicher, ob, in welcher Form und bei wem ich den jetzt fertigen Roman am Ende veröffentliche. Ich hatte zwar auf der Leipziger Buchmesse bereits einige erfolgreiche Kontakte zu interessierten Verlegern, aber der Roman, der unseren Zeitgeist einfangen sollte, ist seitdem ich ihn fertiggestellt habe, auch schon wieder fast veraltet. Die Schnelllebigkeit unserer digitalisierten Gegenwart macht es Journalismus und Literatur sehr schwer mitzuhalten.
Es ist fehlt einfach die Zeit für das Chill – und damit meine auch die Mehrdeutigkeit des Wortes. Es sind fast nur noch die Zukunftsängste oder ein Versinken in einem elektronischen Rauschen geblieben, wenn ich vielen meinen Gleichaltrigen zuhöre, was mich eigentlich dazu anregt darüber nachzudenken, das ganze Projekt zu revidieren. Einen ersten Einblick dazu kann man aber bereits auf meinem Blog lesen.

Arbeitest du bereits an einem weiteren Buch?

Ich habe Ideen und erste Dialogfetzen und grobe Skizzen für den Start von zwei, drei neuen Romanen und unzähligen Kurzgeschichten bereits rumliegen, allerdings halten mich mein Studium, paar Auftragsarbeiten und die endgültige Fertigstellung von „Zukunftsängste & Chill“ davon ab, diese neuen Projekte aktiv aufzunehmen. Aber ich sammele jeden Tag paar neue Notizen. Das ist auch unvorhersehbar, wann mich der Flow packt und ich einen Stapel von Notizen zum fertigen Manuskript umwandele. Manchmal dauert das zwei Jahre, aber ich habe zum Beispiel bei „Crackrauchende Hühner“ von der Idee bis zu der ersten Fassung des fertigen Manuskripts genau 20 Tage gebraucht.

Willst Du uns noch ein bisschen etwas über Deine aktuellen Kurzgeschichten sagen?

Momentan schreibe ich vor allem Kurzgeschichten, in denen ich politische oder philosophische Überlegungen verpacke. Dabei verwende ich meist ein Science-Fiction-Setting, weil es den besten Hintergrund bietet, um fundamentale Fragen über das Menschsein zu stellen – und weil unser Alltag aufgrund der rasenden technologischen Entwicklung immer mehr Sci-Fi wird und wir im Zug dessen auch unsere Gesellschaft hinterfragen und neudenken müssen.

Gibt es ein Genre, in dem du nicht schreiben könntest?

Ich probiere mich gerne in neuen Sachen aus und übergehe dabei oft Genrekonventionen. Manche meiner eher experimentelleren Romane wie „Crackrauchende Hühner“ und „Der Apfelsmoothie der Erkenntnis“ lassen sich gar keinem Genre wirklich zuordnen, und von Artikeln, Wissenschaftlichen Arbeiten, Webetexten, Horrorgeschichten und bis hin zu Fantasyromanen habe ich auch schon alles möglich verfasst. Es gibt daher wohl kein Genre, in dem ich mit genug Einarbeitungszeit nicht schreiben könnte und man sollte ja nichts von vorherein ausschließen. Wobei ich mich, egal worum es geht, immer um eine kritische Perspektive bemühe, wenn auch mit einem Hang zur Dekonstruktion und Überspitzung ins Absurde.

Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Ich bekenne mich der Bibliophilie schuldig. Das macht die Beantwortung dieser Frage nicht gerade einfach. Ich lese teilweise mehrere Bücher pro Woche und ich entdecke dabei immer was Neues für mich und irgendwo inspiriert mich alles mal mehr oder weniger. Ich baue deswegen gerne kleine Anspielungen auf meine Lieblingsautoren in meine Bücher ein. Mal mehr mal weniger subtil, sodass es meist denjenigen Lesern nicht auffällt, die es nicht kennen, aber die „Eingeweihten“ und ich unseren Spaß dran haben. Insbesondere Anspielungen auf Philip K. Dick und H.P. Lovecraft sind bei mir oft in Geschichten versteckt, weil diese beiden Autoren mich in der Anfangszeit meines Schaffens stark prägten.
Zurzeit lese ich jedoch weniger Phantastik und mich viel durch die Werke von Walter Lippmann, Daniel Kahnemann, Alain de Benoist, Noam Chomsky, Richard Thaler, Alexander Solschenizyn, Sibylle Berg und Jospeh Campbell. Von allen den genannten fühle ich mich momentan immer wieder angeregt und inspiriert. Insbesondere der Roman GRM von Sibylle Berg hat mich viel zum Nachdenken gebracht, da sie in eine ähnliche Richtung schreibt wie ich, auch wenn aus einer anderen Perspektive.
Des Weiteren entdecke ich – wie die ganze Welt wohl – zunehmend chinesische Literatur für mich, seitdem ich vor rund einem Jahr begeistert angefangen habe Cixin Lius Werk zu lesen. Es ist sehr faszinierend die Welt mal aus einer Denkweise heraus zu lesen, die sich so stark in der Ästhetik und den Werten von unserer individualistischen westlichen Kultur unterscheidet.
Die zeitlosen Klassiker meines Lebens aber, die mich stark prägten und zu denen ich immer wieder zurückkehre, sind die Schriften von sehr individualistischen Autoren wie Hunter S. Thompson, William S. Burroughs, Jack Kerouac, Albert Camus und vor allem Friedrich Nietzsche, dem ich vor kurzem im Freiheitslexikon eine kurzes literarisches Denkmal setzen durfte.

Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Ohne meine Eltern wäre meine Schreiberei wohl nie zur Professionalität herangereift. Meine Mutter hat mir als ich klein war immer Geschichten vorgelesen, was wahrscheinlich der Auslöser für meine ersten eigenen Schritten als Erzähler war. Von ihr habe ich definitiv die kreative und romantische Ader vererbt bekommen, während mein Vater was Rhetorik und Arbeitsmoral angeht, immer ein Vorbild für mich war und ist. Sie haben mich aber beide von klein auf in meinen Ambitionen bestärkt, mich tatenkräftigt unterstützt und tun das bis heute. Sie lesen auch heute noch viele meiner Text vor der Veröffentlichung.
Natürlich gefällt ihnen nicht immer alles, was ich schreibe, vor allem wenn es politisch oder polemisch wird, aber sie unterstützen mich unabhängig vom Inhalt.

Hast du noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Man könnte sagen, dass mein ganzes Leben ein einziges Hobby ist, weil ich als Existentialist neuster Schule das Leben nicht immer ganz so ernst nehme und eher als ein Gesamtkunstwerk oder Langzeitprojekt betrachte und nur Dinge mache, die in mein Konzept passen – darunter fallen zwar auch so typische Hobbys, wie jeden zweiten Tag konsequent Joggen zu gehen, mit Freunden auszugehen, mich ehrenamtlich mal hier, mal dort als Organisator von politischen Veranstaltungen zu engagieren, mal hier mal dort als Intellektueller einen Essay verfassen, aber auch meine Romane zu schreiben oder Kommunikationswissenschaft und Psychologie zu studieren, beides Fächer, die ich hochinteressant finde und die ich mit Freude studiere, oder auch kreuz und quer durchs Land zu reisen für Veranstaltungen und Recherchen.
Aber anderseits könnte man auch sagen, dass ich soetwas wie Hobbies nicht habe, wenn man damit eine triviale Freizeitbeschäftigung meint, der man nur der Freude oder der Zerstreuung willen nachgeht. Nichts ist mir mehr zuwider, als das Gefühl auch nur eine Sekunde meines Lebens nicht gelebt, sondern verschwendet zu haben. Deswegen sehe ich auch keine Serien, spiele keine Videospiele und kann auch Fußball oder ziellosen Besäufnissen nichts abgewinnen. Selbst wenn ich im Zug sitze und nicht gerade meditiere oder an einem Manuskript schreibe, verwickele ich gern meine Sitznachbarn in Gespräche, um ihre Geschichten zu hören.
Und egal was ich tue, ob ich wach bin oder träume: Irgendwo in meinem Hinterkopf notiert immer der Schriftsteller und Journalist in mir still und heimlich, aber fleißig jedes Gespräch und Erlebnis mit und prüft es auf spätere Verwertbarkeit.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Einen Fuß auf den Mars zu setzen und mal den Kosmos von einer ganz anderen Perspektive zu erleben – das wäre ein Traum von einem Abenteuer.

Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Solche Fragen überlasse ich dann den Profis in der Filmindustrie. Zwar kann ich Filme mir nicht ansehen,  – wenn ich sie mir überhaupt mal ansehe –  ohne automatisch sie im Hinterkopf im Hinblick auf die Konstruktion ihrer Handlung und ihrer Charaktere zu sezieren und mir ein Urteil zur Erzähltechnik zu bilden, aber ich maße mir nicht an, einschätzen zu können, welcher Schauspieler für welche Rolle geeignet ist. Da würde ich dem Regisseur mein ganzes Vertrauen schenken.

Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Das ist wie mit der Inspiration. Meist finden sie mich und meist noch dazu in ungünstigen Situationen, wie zuletzt auf der Leipziger Buchmesse, als ich aufgrund von einer Dutzend Verpflichtungen und Notfällen mehrmals an einigen von ihnen etwas panisch vorbeigelaufen bin.

Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Hin und wieder, aber ich bin meinen Lastern schrecklich untreu. Sie langweilen mich irgendwann. Eine Zeitlang habe ich gern geraucht, weil mir die Ästhetik des Rauches, dieses Gefühl damit Teil einer Revolte gegen die postmoderne Weltordnung zu sein und die kreativitätsfördernde Wirkung des Nikotins gefielen. Aber irgendwie bin ich dessen auch müde geworden und nun ist der letzte qualmerfüllte Atemzug schon zwei Monate her.

Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Ich habe eine ziemliche Abneigung gegen konventionelle Werbung und dieses damit einhergehende Erzeugen von künstlichen Bedürfnissen. Ich vermarkte meine Bücher deshalb deutlich weniger, als es möglich wäre und beschränke mich vor allem auf eine Menge an Vertrauen in Mundpropaganda. Es ist mir daher sehr wichtig, einen regen Austausch mit meinen Lesern zu pflegen, weil ich das Lesen oder Schreiben eines Buches auch immer als einen intensiven Dialog zwischen den Ideen des Autors und den Verstand des Lesers auffasse. Deshalb arbeite ich auch viel mit meinem Blog https://leveret-pale.de , auf dem ich gelegentlich ergänzende Essays oder Artikel poste, veranstalte Leserunden auf Lovelybooks und gewähre ab und zu einen Einblick in mein Leben auf Instagram.

Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Meistens nicht oder nur beim Schreiben von Artikeln oder Essays, weil das sonst in der Regel die Produktivität hemmt. Wie soll man sich auch in die Gefühle von Charakteren wirklich hineinversetzen, wenn die eigenen, musikalisch erzeugten Gefühle im Hintergrund rauschen? Wenn ich aber trotzdem was höre, dann oft Pink Floyd oder Rap – NF, Zack Hemsey, Eminem – oder elektrische Musik – Apashe, Neffex – aber meistens Klassik, insbesondere Richard Wagner und Tschaikowski. Manchmal auch Ambientmusik des Plattenlabels Cryo Chamber, die sterbende Städte und die endlose Leere von Azathoth vertonen, wenn ich mich mal wieder etwas in Gedanken jenseits von Gut und Böse vertiefen will.

Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

Wäre ich nicht mehr ich. Und diesem schlechten Doppelgänger jagt dann hoffentlich jemand eine Kugel durch den Kopf.

Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Wenn du einfach so für dich schreiben willst, dann mach es. Es schadet nie, seine sprachlichen Fähigkeiten auszuüben und zu trainieren. Sowohl mündliche als auch schriftliche Eloquenz sind wertvoll.
Wenn du aber beabsichtigst Literatur zu erschaffen, dann ist das etwas anderes.
Schreiben von Literatur ist nämlich nicht nur ein knochenhartes Sprachhandwerk, welches viel Übung abverlangt, sondern auch eine hohe Kunst. Die ernsthafte Schriftstellerei ist eine einsame Reise über einen endlos langen, steinigen Weg mit tiefen Tälern voller Entbehrung und hohen Gipfeln der Ekstase. Es ist nichts, was man einfach so nebenbei macht oder leichtfertig erlernt. Man muss dafür eine gewisse Leidenschaft mitbringen, die eigentlich fast schon als Fanatismus zu bezeichnen ist, und eine Menge an Disziplin und Hingabe. Der Schriftsteller ist wie ein Priester, der sich selbst als Opfer auf dem Altar seiner eigenen kreativen Schöpfung darbringt.
Hör in dich hinein, ob du das wirklich willst. Wenn du nicht mit jeder Faser deines Seins spürst, dass du bereit bist für die Wortkunst diesen Weg bis zum letzten Atemzug zu gehen, dann tu es nicht. Erspar der Welt einen weiteren leidenschaftslosen Schreiberling und dir selbst eine Menge Leid.
Wenn du es aber auch wirklich willst, dann vertrau auf den Prozess. Du wirst deinen Weg zum Erfolg früher oder später finden, auch wenn du davor erstmal mit Hartnäckigkeit und einem dicken Schädel paar Mauer durchschlagen musst.

Du bist auch als Vorstandsmitglied des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V. tätig. Was macht ihr überhaupt?

Der BVjA e.V. ist ein seit 1987 bestehender Interessenverband mit dem Ziel Personen, die gerade mit dem Schreiben angefangen haben und „jung“ in der Literaturszene sind, zu helfen Fuß zu fassen, und die Rechte von Autoren zu stärken. Deswegen hat das biologische Alter keine Relevanz, wenn man Mitglied werden will, auch wenn das „jung“ da etwas irreführend ist. Aktuell haben wir um die 550 Mitglieder aller Altersstufen und Erfahrungswerte, vom Anfänger bis zur Bestsellerautorin, von der Schülerin bis zum Rentner. Es ist auch das Ziel des Verbands, das erfahrenere Autorinnen und Autoren den Neuen an ihrer Erfahrung teilhaben lassen und diesen helfen. Wir veranstalten dafür Stammtische in allen größeren Städten Deutschlands, bei denen sich Schreibende treffen und austauschen können, bauen zurzeit ein Mentoringprogramm auf, organisieren sowohl Lesungen als auch Seminare zur Weiterbildung und bringen bei unserem Meet-and-Greet/Verlags-Speeddating auf der Leipziger Buchmesse Verlage und Autoren zusammen. Bei der Frankfurter Buchmesse letztes Jahr, hatten wir als Referenten bei unseren Seminaren unter anderem Sebastian Fitzek und Natalja Schmidt. Des Weiteren informieren wir unsere Mitglieder in unserem vierteljährlich erscheinenden Mitgliedermagazin QWERTZ über Ausschreibungen, Stipendien, Neuerscheinungen und die wichtigsten Ereignisse in der Literaturszene. Darüber hinaus arbeiten wir auch eng mit dem Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, PEN und Bündnissen wie Fairlag zusammen, um uns für faire Vertragsbedingungen bei Verlagen für Autoren einzusetzen und über DKZs und betrügerische Maschen aufzuklären. Aktuell bauen wir eine neue Webseite auf und unsere Webpräsenz liegt leider deswegen etwas auf dem Trockenen, aber ich kann jeder Person, die schreibt, nur empfehlen mal bei einer Buchmesse unseren Stand zu besuchen oder beim nächstgelegenen Stammtisch vorbeizukommen.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview, Nikodem Skrobisz, und viel Erfolg mit allem, was du noch so schreibst. 


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