Autorin der Woche KW 37: Milena Tebiri

Die Aufgabe für die 5 Autoren war, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Sockenloch, Margarine, Rutschbahn, Wolkenbruch, Kreissäge

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Autorin der Woche KW 37: Milena Tebiri

Ich liebe es, auf Socken herumzukauen, daran zu nuckeln und zu saugen, bis es ein Loch gibt. Daher auch mein Name: Kobold Sockenloch. Unter den Kobolden gibt es die Sockkoblis Schuhkoblis und Mützkoblis. Ich bin ein Sockkobli.

Meine Mama ist die Tochter eines ganz berühmten Koboldsängers. Kobold-Gesang ist etwas Wunderschönes! Ich bin stolz auf meinen berühmten Opa. Ich hab seine Stimme geerbt, zumindest sehe ich das so. (Meine Mama sieht das anders.)

Mein Papa und meine Mama haben sich bei einem Gewitter kennen gelernt. Für uns Kobolde kann ein Regen schnell gefährlich werden, er spült uns einfach weg. Drum müssen wir uns bei den ersten Tropfen sofort irgendwo festhalten. Es schüttete also wie aus Kübeln und beide waren schon verzweifelt am Schwimmen, als sie die Rutschbahn sahen. Beide rissen sie die Arme nach vorne und klammerten sich verzweifelt daran fest. Völlig durchnässt und mit triefenden Haaren fragte mein Papa,: „Kleiner Wolkenbruch, was?“

Jeder Kobold, so verlangt die alte Kobold-Tradition, ob nun Sock, Schuh oder Mütz, sucht sich einen stattlichen Meister aus und quartiert sich bei ihm zu Hause ein. Meinem Meister, Herrn Schulze, bin ich das erste Mal im Supermarkt begegnet. Ich war damals für ihn noch unsichtbar. Ich tanzte so durch die Milchprodukte-Regale und Schwupps, viel mir blöderweise eine Margarine beim Versuch, eine Pirouette zu machen, runter.

Huj, hatte das geknallt, als sie auf den Kopf des Herrn Schulze krachte! Er hielt sich den Kopf, schaute nach oben und schimpfte, was das Zeug hielt. Da wusste ich – das wird mein Meister. Ich folgte ihm nach Hause und wollte es wieder gutmachen. So zog ich seine Schlüssel aus der Tasche um die Türe aufzuschliessen. Er dachte, er hätte die Schlüssel verloren und ging leise fluchend zurück zum Supermarkt. Ich schloss auf und wartete auf ihn – er wohnte in einer Schreinerei! Ich machte mich sichtbar, gähnte. Ich legte mich unter die Kreissäge und deckte mich mit einem öligen Tuch zu. So fand mich dann Meister Schulze und hat mich sofort ins Herz geschlossen. Ich blieb für immer bei ihm.

(c) Milena Tebiri

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