Autorin der Woche KW 38: Nani Kamara

Die Aufgabe für die 5 Autoren war, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Ostfriesennerz – Sabberlätzchen – Schicki-Micki-Bar – Waschbärbauch – Scheidungstermin

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Autorin der Woche KW 38: Nani Kamara

Der Porsche
Zähneklappernd zog sich Melanie den Ostfriesennerz enger um die Schultern, auch wenn er gegen die Kälte nicht half.
Zu dem gleichmäßig strömenden Regen hatte sich nämlich auch eine steife Brise gesellt und der dünne Pullover den sie noch unter dem hässlich gelben Regenmantel-Ungetüm trug, wärmte sie nicht. Überhaupt schien sie in den letzten Wochen gar nichts mehr zu wärmen.
Sie stand schon eine ganze Weile auf dem menschenleeren Gehweg, gleich gegenüber der grell erleuchteten Schicki-Micki-Bar und starrte durch deren breite Fenster, die einen guten Blick auf die moderne Einrichtung und die anwesenden sehr eleganten Gäste freigaben.
Michael saß auch dort drinnen, im Warmen und hatte keine Ahnung, dass sie hier draußen in der Kälte und dem Regen stand. Selbst wenn er es wüsste, wäre es ihm wohl ziemlich egal.
Michael, der sich für so unglaublich begehrenswert hielt, weil er zwar einen rundlichen Waschbärbauch und eine nicht sehr attraktive Halbglatze hatte, aber eben auch einen schnittigen Porsche und ein schönes Haus im besten Viertel der Stadt.
Ihr Haus, eigentlich!
Der Scheidungstermin ihrer langjährigen Ehe war bereits für die nächste Woche angesetzt und erst vor einem Monat hatte er sie gegen diese fast noch minderjährige Schnepfe eingetauscht.
Gaby, mit Ypsilon!
So verdammt jung, die brauchte ja fast noch Windeln und ein Sabberlätzchen!
Melanie spürte den blanken Hass in sich gären. Sie hatte alles für ihn getan. Hatte seine Hemden gebügelt, seine Mahlzeiten zubereitet, seine miese Laune ertragen und er hatte sie einfach so aus dem gemeinsamen Haus geschmissen. Aber das würde nicht so bleiben. Von wegen Scheidungstermin.
Oh Nein! Sie würde eine Witwe werden, keine Geschiedene.
Sie kannte alle seine Angewohnheiten und albernen Ticks. Sie wusste wie eifersüchtig er auf seinen Porsche war. Nie hatte er sie damit fahren lassen, denn er dachte sie sei nur eine dumme Hausfrau. Keine Ahnung hatte er! Sie kannte sich mit Autos hervorragend aus. Ihr Vater war leidenschaftlicher Motorenbastler gewesen. Und gerade Bremssysteme waren ihre Spezialität.
Sie bückte sich und hob den kleinen, unscheinbaren Werkzeugkoffer auf. Mit einer entschuldigenden Geste strich sie sanft über die Kühlerhaube de Porsches.
Es war Zeit für sie ins Hotel zurückzukehren.
(c) Nani Kamara, 18.09.2019

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