Autorin der Woche KW 40: Vero KAa

Die Aufgabe für die 5 Autoren war, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Blumentopf – Fehler – Transport – Maske – Schlagzeile

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Autorin der Woche KW 40: Vero KAa

Der siebte Hochzeitstag
Sabine stand vor der Balkontür des Esszimmers und schaute auf die Terrasse. Hier stand der lila blau leuchtende Hortensienstock. Noch war er in durchsichtige Folie gehüllt.
Sie schüttelte den Kopf und dachte, was ein Glück, Gregor hat unseren siebten Hochzeitstag nicht vergessen. Seine Überraschungen, wie er es nennt, kommen entweder einen Tag zu früh oder einen Tag zu spät.
Sabine hatte darüber niemals ein Wort verloren. Denn sie liebte Gregor und Hortensien. Besonders in dieser Farbe. Diesmal war er punktgenau, immerhin, aber musste es jedes Jahr das gleiche Geschenk sein? Wenigstens war der Blumentopf anders als jene in den Jahren davor. Ein blau gebrannter Steintopf strahlte ihr entgegen, wodurch die Hortensie selbst durch die Folie fantastisch zur Geltung kam.
Doch genau genommen hatte sie sich etwas anderes gewünscht. Bei jeder Gelegenheit schwärmte sie Georg von einem Wellnesstag vor, da sie beide im Berufsleben sehr angespannt waren. Mal einen Tag ganz allein ausspannen und relaxen, sagte sie oft und oft. Es sollte der Wink mit dem Zaunpfahl sein. Heute musste sie feststellen, er war bei Gregor nicht angekommen.
Hingegen hatte sie für ihren Mann etwas Besonderes arrangiert. Er war Opern- und Musical-Fan. Sabine nicht. Für ihn allein hatte sie eine Reise nach Zürich zum Musical ›das Phantom der Oper‹ inklusive Busreise gebucht. Alle Unterlagen steckten in einem Kuvert, auf dem eine weiße Maske klebte. Seitlich hing ein roter Luftballon. Die Schlagzeile darauf, in weißer Schrift gemalt: Alles Liebe zum verflixten siebten Ehejahr!, war nicht zu übersehen.
War es ein Fehler, grübelte sie nun. Sie wusste, er verreiste nicht gern allein. Es hieß abwarten.
Gregor duschte. Ein kurzer Blick in den antiken Spiegel, der im Flur hing, verriet ihr: Du siehst heute richtig gut aus.
Zurück im Esszimmer zündete sie die sieben roten Kerzen an. Sie hatte die Tischdekoration komplett in Rot gestaltet. Alles passte wunderbar zu der weißen Tischdecke und dem weißen Geschirr. Der heutige Tag, sollte etwas Besonderes sein. Aus der Küche drang der Kaffeeduft. Der Eierkocher meldete sich.
Gregor hüpfte, eine Melodie pfeifend, die Treppen herunter. Sabine wollte an ihm vorbeihuschen, um die restlichen Dinge fürs Frühstück auf den Tisch zu stellen.
Doch ihr Mann war schneller, er schnappte nach ihr und drehte sie, trotz des Tabletts in ihren Händen, zu sich um.
»Mein Schatz, alles Liebe zum Hochzeitstag. Mögen wir noch viele gemeinsame Jahre miteinander verbringen«, flüsterte er ihn ins Ohr und küsste sie.
»Gregor«, hauchte sie und schob ihn Richtung Esszimmertisch. Sie musste das Tablett loswerden.
Er ließ sie los und bestaunte den mit viel Liebe gedeckten Tisch. Dann sah er den Luftballon. Er wurde verlegen und etwas unruhig.
»Schatz, alles in Ordnung. Ich habe mich über den Blumentopf sehr gefreut. Du weißt, ich liebe Hortensien. Lass uns frühstücken.« Sie schenkte ihm den Kaffee ein.
Sabine biss in ihr aufgebackenes Marmeladenbrötchen, als Gregor sagte: »Ich glaube, da ist ein Auto vorgefahren.«
Es läutete. Sabine öffnete mit dem Brötchen in der Hand die Tür. Der Fahrer vom Transport stellte ihr ein Paket vor die Füße.
»Gregor, kommst du bitte. Da ist ein Paket und mein Name steht darauf. Kein Absender. Komisch.« Sie fühlte sich überrumpelt. Schob mit dem Fuß das Paket in der Flur und schloss die Tür.
Gregor trug den Karton ins Esszimmer. »Mach es bitte auf«. Er lächelte.
Sabine folgte seiner Bitte. »Was sind das für Badesachen?«, rief sie.
»Es ist alles, was du für ein Wellness-Wochenende brauchst, mein Schatz.« Mit einer tiefen Verbeugung wie vor einer Königin überreichte er Sabine den Gutschein für den Spa -Tag. »Kommt, Mylady, wir frühstücken weiter.« Lachend packte er sie, hob sie auf die Arme und trug sie zum Tisch zurück.
Wie süß ist das denn, dachte sie gerührt. Nicht, dass er meinen Zaunpfahl verstanden hat, nein, er behandelt mich wie ein Kleinod.
Sie schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn innig, als er sie bei ihrem Stuhl absetzte. »Du, mach auf, Schatz.« Angespannt wartete sie auf Gregors Reaktion.
»Das ist ja eine Wucht, mein Herz!«, rief er begeistert aus und strahlte wie einhundert Tausend-Watt-Lämpchen.
Erleichtert griff Sabine zur zweiten Hälfte ihres Brötchens und biss herzhaft zu.

© Vero KAa

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