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Interview Autoren_Netzwerk – Louise Bourbon

April 17 @ 19:00 - 20:00

Interview Autoren_Netzwerk – Louise Bourbon

Das Autoren_Netzwerk freut sich, die Autorin Louise Bourbon zum Interview begrüßen zu dürfen.

Mein Name ist Louise Bourbon, und ich habe französische Wurzeln. Dies und die Tatsache, dass ich von frühester Kindheit an gern gelesen und geschrieben habe, haben mein Leben geprägt.
Ich habe viel Zeit mit meiner Großmutter verbracht, die neben einigen anderen Dingen die Liebe zur französischen Sprache, Geschichte und zu Büchern vermittelte.
Zum Glück war sie Bibliothekarin, und damals war es noch erlaubt, dass sie die Bücher, die die Bibliothek aussortiert hatte, mit nach Hause nehmen durfte. Ich betrat eine Welt der Schätze, – und einen meiner liebsten Schätze besitze ich immer noch, nämlich Bände aus der Reihe „Wissen“, wunderbar für Kinder aufbereitet und wunderschön bebildert. Diese Reihe und historische Chroniken begleiteten mich, als ich noch nicht einmal lesen beziehungsweise nur einzelne kleine Worte buchstabieren konnte. Doch ich ahnte schon, dass die Fähigkeit des Lesens ein Schlüssel sein würde, der mir neue Welten erschließen könnte. Zum Unglück meiner Grundschullehrerin beherrsche ich beim Eintritt in die Schule nicht nur das Alphabet, sondern konnte auch die ersten Worte lesen und schreiben. Leider hatte man zu dieser Zeit noch nicht wirklich Verständnis dafür, und die Dame hat erheblich versucht, meinen Eifer zu bremsen, während meine Großmutter erheblich versuchte, ihn auf keinen Fall zu bremsen. Zum Glück gewann meine Großmutter die Auseinandersetzung.
Meine erste „Begegnung“ mit Louis le Grand hatte ich, als ich im jugendlichen Alter von ungefähr fünf oder sechs Jahren an einem verregneten Sonntag in der Bibliothek meiner Großmutter in einem „Bildband zur europäischen Geschichte“ blätterte und auf das bekannte Bild von Hyacinthe Rigaud aus den Jahren 1701/02 stieß. Und da saß ich und starrte. Ich bin noch ohne Internet und Multimedia groß geworden, und so war dieses Bild lange Zeit das einzige mir bekannte Bild des Königs. Als ich dann im Alter von zwölf oder 13 Jahren so weit war, auch über den König lesen zu wollen, zuvor haben mich die Erzählungen meiner Großmutter über ihn begleitet, stand ich vor dem Problem, dass es in Deutschland erschreckend wenig Material gab. Wenn doch, das musste ich einige Jahre später feststellen, wurden die französischen Quellen unzureichend zitiert und zum Teil sogar falsch übersetzt.
Wieder war es meine Großmutter, die mir ein Buch in die Hand drückte und einfach sagte: lies. Vincent Cronin, Der Sonnenkönig. Ich verschlang das Buch fasziniert, und obwohl Cronin in vielen Teilen der offiziellen Geschichtsschreibung folgt, meldet er an anderen Stellen doch Zweifel an. So habe ich bei ihm den ersten Hinweis gefunden, dass das vorgebliche Monogramm des Königs, die beiden in einander verschlungenen L, ihm und Louise de La Vallière galt. Damit wären wir bei meiner Protagonistin. Warum sie?
Nun, diese und eine weitere Biografie über den großen König prägten meinen Weg. Denn in beiden wurde er ausgesprochen positiv bewertet, ein großartiger Staatsmann, ein liebenswürdiger Mensch mit Witz und Humor – und, das wird auch geschrieben, mit großer Treue gegenüber denjenigen, denen er gewogen war und die ihm Loyalität bewiesen. Die vorgeblichen Frauengeschichten passen nicht sonderlich gut dazu.
Dann kam ich in die neunte Klasse, und im Geschichtsunterricht wurde der „Absolutismus“ behandelt. Ich war schockiert. Quellen, aus dem Zusammenhang gerissen, bemühten sich, den König als sogenannten absoluten Herrscher darzustellen, inklusive des Leitsatzes „L’État c’est moi“, häufig auch noch falsch geschrieben: état. Nun, L’État ist der Staat, l’état bedeutet schlicht: Zustand. Mit dieser Schreibweise wird der Sinn erheblich entstellt. Abgesehen davon, dass der König diesen Satz nie gesagt hat und auch den Begriff Absolutismus nicht kannte, diente der Geschichtsunterricht lediglich einer Sache: anhand der Regierung des Königs herzuleiten, dass die französische Revolution eine gute Sache war. Das wollte mir so nicht gefallen. Das nächste Buch kam ins Haus, „1789“ von André Lefebvre, während eines Frankreich-Aufenthaltes erworben. Und er zeichnet ein ganz anderes Bild zur französischen Revolution, und gesteht dem König ebenfalls seine Qualitäten zu. Und da beschloss ich: ich will nicht nur über den König lesen, ich will auch über ihn schreiben. Mein leichtsinniges Ziel mit 16 oder 17 Jahren: sein Bild hier in Deutschland geradezurücken. Doch bevor man schreibt, muss man noch mehr lesen. Mein Taschengeld ging fortan tatsächlich nur noch für Bücher und Literatur aus der Börse. Trotz Schule und dieser zeitaufwändigen Leidenschaft suchte ich mir eine Arbeit, um mehr Geld zu Verfügung zu haben, um dieses wiederum in Bücher oder Bilder investieren zu können. Später kamen auch noch CDs dazu, zur damaligen Zeit unermesslich teuer, natürlich mit meiner geliebten Barockmusik.
Bei meinen Recherchen kann mir wieder vermehrt besagtes Bild unter die Augen. Auffällig ist, dass Rigaud dem Alter Rechnung getragen hat, indem er auf den erstaunlich jugendlich anmutenden Körper ein altes Gesicht gesetzt hat. Die eingefallenen Wangen, Folge der Zahnentfernungen und des zertrümmerten Gaumens, Beweis des Könnens der königlichen Leibärzte, die leichten Pockennarben, die müden Augen, der resignierte, fast Trauer ausstrahlende Blick passen nicht zur Vorstellung von einem Herrscherbildnis. Eine Merkwürdigkeit gesellte sich hinzu, als ich eine Version dieses Bildes in Herrenchiemsee sah.
In Frankreich stieß ich dann endlich, zum Teil in Antiquariaten, auf französische Quellen. Mir ging das Herz auf. Ich bemerkte, dass die französischen Quellen von ganz anderen Dingen ausgingen als die deutschen, aber auch hier gab es Diskrepanzen: während Louis XIV im 17. und auch im 18. Jahrhundert durchaus positiv bewertet wurde, änderte sich dies in den Quellen des 19., 20. und zum Teil auch des 21. Jahrhunderts. Die häufigen Widersprüche, die ich fand, weckten erst recht meine Neugier.
Dies ist der Beginn einer Reise, die noch immer kein Ende gefunden hat, und die seit mittlerweile fast 25 Jahren mein Leben bestimmt. Mein erstes Buch, „Die Sonnenkönigin – Frankreichs vergessene Königin“ ist mittlerweile in einer neuen Auflage bei Lysandra Books Verlag erschienen, zudem habe ich eine neue Übersetzung der Märchen von Charles Perrault vorgelegt und um einige Anekdoten der damaligen Zeit ergänzt. Für mich spannend: Perrault webt die tatsächlichen Geschehnisse am französischen Hof in seine Geschichten ein. Und nun ist der zweite Band der Sonnenkönigin in Vorbereitung und wird unter dem Titel „Die Sonnenkönigin – Louises Lächeln“ im Mai oder Juni bei Lysandra Books Verlag erscheinen. Ich freue mich schon sehr darauf.

Meine Seite zum Buch
Die Seite zu Versailles
Die Seite zu Frankreich

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Instagram: louise.bourbon

 

Details

Datum:
April 17
Zeit:
19:00 - 20:00
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
Webseite:
https://www.facebook.com/events/428974330771141/

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