Rechtsgrundlagen – Nebenrechte und Serien

Rechtsgrundlagen von Oliver Jung-Kostick

Nebenrechte und Serien

Als eine befreundete Autorin und Lektoratsauftraggeberin letztens einen Vertragsverlag bekam, fiel mir wieder einmal auf, wie strange viele dieser Konvolute sind. Flugs sah ich mal die anderen Verträge durch, die ich im Lauf der Jahre zwecks Kommentierung zugesandt bekommen habe.

Einige Punkte möchte ich dabei grundsätzlich einmal ansprechen, denn es geht NICHT nur ums Honorar. Andere – übersehene – Klauseln können nachher so viel Ärger verursachen, dass man sich wünscht, den Vertrag nie abgeschlossen zu haben.

I. Die Nebenrechte

Nebenrechte sind alle weiteren Rechte am verlagsvertragsgegenständlichen Werk – also Verfilmung, Übersetzung, Merchandising etc.

Hier hat der Verlag durchaus bei entsprechenden Leistungen ein nachvollziehbares und für mich moralisch legitimes Recht, am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt zu werden, WENN die Verlagstätigkeit konkret zu einer weiteren Verwertung geführt hat.
Als Honoraufteilung wird hier z.b. 60 (AutorIn) : 40 (Verlag) vorgegeben, wobei alle Provisionen und sonstige Kosten vom Verlagsanteil abgerechnet werden sollten.

Hm….

Was stört mich? – Ganz einfach: es ist nicht sinnvoll, so pauschal derart weitreichende Rechte zu vergeben, wenn dies konkret noch gar nicht im Raum steht. Würde die andere Verwertung über den Verlag an mich als Autor herangetragen, würde ich selbstverständlich diesen auch angemessen beteiligen.Keinesfalls schließt irgendein Verlag Verträge mit Dritten über MEIN WERK ab, ohne dass ich auf Augenhöhe beteiligt bin.

Klauseln, nach denen ich als AutorIn nur „auf Verlangen“ über Zweitverwertungsaktivitäten meines Verlegers informiert werde, sind daher in meinen Augen bedenklich. Mein Rat: Keine Zweitverwertung – durch egal wen – OHNE MEIN EINVERSTÄNDNIS. Dass dann wirtschaftlich kontrolliert werden muss, ob der vom Dritten angebotene Vertrag sinnvoll ist oder nicht, dürfte sich von selbst verstehen, oder?

II. Eingriffe seitens des Verlages ins Werk

Besonders beliebt hier der „Stichentscheid“ bei Titelfragen zugunsten des Verlages.

Nun kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Titelidee des Verlages vielleicht (!) marktgängiger ist. Doch wer Klauseln unterschreibt, die das Titelrecht dem Verlag zuschreiben AUSSER in Fällen der Verletzung des Persönlichkeitsrechts – hat schon verloren.

Denn wann wäre dies der Fall? Die Praxis wird kaum je diese Schwelle erreichen (Und davon abgesehen, gehe ich davon aus, dass der verwendete Begriff falsch ist – gemeint war wohl das „Urheberpersönlichkeitsrecht“, nicht das „Persönlichkeitsrecht“).

Und was bitte ist mit einer Serie, wenn der Verlag Band I umbennen darf?
Beispiel: „Ärger über Egeria“ wird zu „Todesmarsch durch den Dschungel“.
Wem gehört dieser Titel dann? Und was mach ich als AutorIn mit den Fortsetzungen zu meiner Egeria-Welt?

Sehr bedenklich auch Klauseln, die es dem Verlag erlauben, das Werk ganz oder in Teilen vorabzudrucken oder mit anderen Werken „zu kombinieren“. Davon mal abgesehen, dass in den mir vorliegenden Verträgen lustigerweise NIE von Honoraren die Rede war, möchte ich nicht, dass z.b. die „saftigen“ Sexszenen aus meiner Dystopie rausgenommen werden und in dem Sammelband „Schlampen in Space“ erscheinen. Damit würde mein Werk vielleicht in ein Genre gerückt werden, wo ich es definitiv nicht platziert habe.

Zusammenfassung: Unbedingt darauf achten, dass man die Lufthoheit über das eigene Werk behält. Die Rechteeinräumung sollte zeitlich und räumlich und „technisch“ (also in Bezug auf die Formen der Verwertung) auf das Notwendige und für den aktuellen Vertrag sinnvolle beschränkt werden.

Jede Nutzung seitens des Verlages MUSS mit einer angemessenen Honorierung verbunden werden.

Gerade bei Serien ist darauf zu achten, dass die Titel NICHT in letzter Instanz durch den Verlag bestimmt werden dürfen. Für Folgebände ist sofort vorab zu klären, WIE und WANN der Verlag von Band I mit Band II etc. zu tun bekommt – oder nicht.

Fair ist ein Optionsmodell, bei dem dem Verlag von Band I Band II zuerst angeboten wird. Wenn sich der Verlag nicht innerhalb einer Frist von z.b. sechs Wochen nach Übersendung positiv für Band II entscheidet, haben die jeweiligen AutorInnen das Recht, Band II einem anderen Verlag anzubieten.

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