Lektorat

Lektorat, ja oder nein?

Die Meinung im Lager der Selfpublisher zu dem Thema Lektorat ist seit jeher zwiegespalten. Die einen schwören darauf, die anderen sind der Meinung, bei den wenigen verkauften Büchern zu denen es aller Wahrscheinlichkeit nach kommt, lohne sich der Aufwand nicht. Und es gibt die gleichgültigen, die nur ihr Buch herausbringen wollen, wobei ihnen die Qualität im Grunde egal ist.

Der Selfpublisher, natürlich gibt es Ausnahmen, ist allgemein nicht sehr gut angesehen in der Öffentlichkeit.

Das liegt zum Teil an den Plattformen, die den Selfpublishern Platz für ihre Veröffentlichungen bieten. Schließlich kann hier jeder alles ungeprüft hochladen, von Omas Kochrezept bis zu wirklich herausragenden literarischen Werken. Die Plattform prüft die Qualität der hochgeladenen Manuskripte nicht. Aus welchem Grund auch? Bereits bei einem verkauften Exemplar verdient der Betreiber der Plattform Geld. Was er verkauft, ist ihm letztendlich egal.

Aber diese Einstellung „schadet“ letztlich den AutorInnen, die sehr ernsthaft und gewissenhaft arbeiten. Diese überarbeiten ihre Manuskripte mehrmals, suchen sich dann Testleser und überarbeiten wieder. Danach nehmen sie Geld in die Hand und suchen sich einen professionellen Lektor, mit dem sie gemeinsam das Manuskript wie in einem seriösen Verlagsunternehmen durcharbeiten, überarbeiten und immer weiter verbessern. Danach nimmt man wieder Geld für ein professionelles Cover in die Hand, denn das selbstpublizierte Werk soll den von Verlagen hergestellten möglichst gleichwertig sein. Und schon sind ein paar tausend Euro weg, bevor man sein Manuskript überhaupt auf einer Plattform hochgeladen hat.

Es gibt viele Begründungen, warum ein Selfpublisher kein Lektorat an seinem Manuskript zulassen möchte. „Ich mache keine Fehler“, „Lektorat ist mir zu teuer“, „Verlagsbücher haben auch Fehler“, „Als Hobbyautor brauche ich das nicht“. Man kann 1000 andere Gründe finden, warum man kein Lektorat braucht.

Gerade wir, die wir uns AutorInnen nennen wollen, sind meiner Ansicht nach verpflichtet, alles zu tun, professionell und qualitativ die höchsten Ansprüche an uns zu stellen und diese auch zu erfüllen. Unsere Leser sind es gewohnt, von namhaften Verlagen hochwertige, professionell gestaltete Literatur zu bekommen. Genau deshalb ist es wichtig, sich als Selfpublisher wie die größeren Verlage zu verhalten.

Verlage beschäftigen Lektoren nicht nur zum Spaß, beispielsweise weil sie nicht wissen, wohin mit ihrem Verdienst. Als Autor übersieht man in der ersten Begeisterung über das fertige Manuskript viele Dinge. Man wird sozusagen Betriebsblind. Spätestens bei der zweiten oder dritten Überarbeitung neigt man dazu, sein Manuskript quasi nur noch zu überfliegen. Hier kann ein professioneller, erfahrener Lektor noch einiges aus der Geschichte herausholen.

Ein selbst verlegender Autor, der nicht nur knapp über der Wahrnehmungsgrenze der Leser liegen möchte, muss sich schon gewaltig anstrengen, wenn er mit Verlagsautoren vielleicht gleichziehen und Geld verdienen möchte. Vielleicht sogar vom Schreiben leben möchte.

Womit wir wieder bei der Qualität sind, denn oft erscheinen nur unsere selbst veröffentlichten Werke in der Öffentlichkeit, da der Weg für den Autor ins Rampenlicht sehr steinig und schwer sein kann und er diesen erst einmal erfolgreich bewältigen muss.

Dazu gehört ein ordentliches, anständiges Lektorat, durchgeführt von Lektoren, die auch eine Ausbildung in dieser Richtung nachweisen können. Es gibt genug selbsternannte Lektoren im Netz, die Geld kassieren, aber nur mittelmäßige Arbeit liefern. Bei der Lektoren Suche sollte man schon darauf achten, einen ausgebildeten Profi zu finden, oder sich zumindest AutorInnen nennen lassen, mit denen dieser Lektor schon zusammengearbeitet hat und sich die Arbeitsqualität bestätigen lassen. Weiterhin ist wichtig, dass die Chemie zwischen Autor und Lektor passt, wenn es zu einer professionellen, qualitativ hochwertigen Zusammenarbeit kommen soll.
Gute, qualitativ hochwertige Bücher werden und wurden zu allen Zeiten weiterempfohlen und nichts ist so wirksam wie Mund zu Mund Propaganda.

Aber natürlich entscheidet das jeder selbst, wie er arbeitet und mit welcher Qualität er zufrieden ist. Sollte man sich an dieser Stelle aber nicht einmal selbst hinterfragen? Was will man mit seinem Buch erreichen?
Wer sich wegen finanzieller Probleme kein Lektorat leisten kann, kann sich einen Lektor suchen, der für Selfpublisher vergünstigte Tarife bietet. Es gibt Gruppen im Netz, die Hilfen beim Lektorat günstig anbieten.

Und selbst wer sich das alles nicht leisten kann, kann entweder sparen bis er das Geld zusammen hat, oder sich zumindest bemühen, 4 oder 5 Autoren zu finden, die sein Werk mit ihm durch arbeiten. Es gibt bereits viele, die mit gegenseitiger Hilfe das genauso machen. Letztendlich kann man das fast mit einem Lektorat gleichsetzen, wenn verschiedene Autoren mit unterschiedlichem Kenntnisstand zusammenarbeiten und sich gegenseitig hart bewerten. Das kostet nichts, weil es auf Gegenseitigkeit beruht. Es kostet nur Zeit bei der Bearbeitung.

„Das Geld für ein Lektorat bekomme ich niemals heraus. Dafür müßte ich x Bücher verkaufen“, hört man oft. Das mag stimmen und es hat ja wie erwähnt auch jeder die Freiheit, das so für sich zu entscheiden.

Aber nur einmal angenommen, diese Aussage ist ein grundlegender Irrtum. Ein mal eben schnell hingezaubertes Manuskript verkauft sich mit Glück z. B. zweihundert Mal, nur einmal angenommen. Dann ist das schon ein erster, recht ansprechender Erfolg für den Autor. Beim zweiten Buch stellt sich die Frage, ob die Leser des ersten Buches, die unter Rechtschreibfehlern, schlechten Formulierungen usw. zu leiden hatten, das zweite Buch ebenfalls kaufen. Aber vielleicht findet der Autor ja für Buch 2 neue Leser wenn er Glück hat.

Weiter angenommen, der gleiche Autor hält die übliche Prozedur mit Lektorat ein und sein Manuskript wird dadurch hochwertiger, in sich logischer. Auch er verkauft sein Buch 200 Mal, wird aber aufgrund der Qualität weiterempfohlen. Damit würden sich die Verkaufszahlen schon einmal erhöhen. Bringt dieser Autor sein zweites Buch heraus, kann er höchstwahrscheinlich davon ausgehen, dass sich die Leser des ersten Buches auch das zweite kaufen. Und so kommt er letztendlich auf eine höhere Verkaufszahl als der Autor des ersten Beispieles.

Schluss mit der Theorie. Jeder soll weiterhin nach eigenen Gutdünken seine Arbeit tun. Aber vielleicht regt dieser kurze Artikel ein wenig zum nachdenken an.

Fakt ist, in jedem Beruf – Autor zu sein ist auch ein Beruf – gibt es feststehende Arbeitsschritte, die sich in vielen Jahrzehnten bewährt haben. Hält man sich an diese, sind in den meisten Fällen die Erfolgsaussichten größer.

Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

 

Links zu Lektoren, die vergünstigte Tarife für Selfpublisher bieten:

Doktor Lektor

Elsa Rieger – Lektorin

KoLibri Lektorat

Kutscher – Lektorate

Lektorat –  Brinkert-Lederer

Lektorat – FrauKlein

Lektorat – Korrektorat – Julia Fränkle & Svea Lundberg

Lektorat Lott

Libri Melior Lektorat

Schreibreich

Silberworte

Syntax – Lektorat

Wortfinderinnen

Wortflow

Wort.Gewand13

Zeilenrausch