Pflichtexemplare

Pflichtexemplare

Jeder gewerbliche oder nicht gewerbliche Verleger in der Bundesrepublik Deutschland ist verpflichtet, von seinen Medienwerken zwei Pflichtexemplare kostenlos an die Deutsche Nationalbibliothek abzuliefern.

Damit beginnt das Drama. Denn nicht alle Selfpublisher Plattformen liefern automatisch zwei Pflichtexemplare bei der Deutschen Nationalbibliothek ab. Amazon zum Beispiel hat seinen Sitz in Luxemburg und somit im Ausland. Von daher ist der Autor verpflichtet, seine Pflichtexemplare abzuliefern.

Doch erst einmal zu den Aufgaben der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek hat die Aufgabe, lückenlos alle deutschen und deutschsprachigen Publikationen zu sammeln,  dauerhaft zu archivieren, bibliographisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Die Deutsche Nationalbibliothek besteht an zwei Standorten – Berlin und Leipzig.

Die Grundlage der Sammlung ist das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) vom 22. Juni 2006 (BGB I S 1338). In Ergänzung des Gesetzes präzisiert die am 23. Oktober 2008 in Kraft getretene Pflichtablieferungsverordnung (PflAV) den Sammelauftrag (BGB I S 2013). Gesetz und Verordnung legen grundsätzlich fest, was Sammlungsgegenstand der Deutschen Nationalbibliothek ist.

Die Pflichtablieferungsverordnung konkretisiert das Recht der Deutschen Nationalbibliothek auf unaufgeforderte und kostenlose Belieferung mit den Medienwerken aus Deutschland und schließt diejenigen von der Ablieferungspflicht aus, für deren Sammlung kein öffentliches Interesse besteht.

Jeder gewerbliche oder nicht gewerbliche Verleger in der Bundesrepublik Deutschland ist verpflichtet, von seinen Medienwerken zwei Pflichtexemplare kostenlos an die Deutsche Nationalbibliothek abzuliefern.

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt:

Bücher, Karten, Normen, Zeitschriften, Zeitungen, Tageszeitungen in Auswahl, zeitschriftenartige Reihen (Jahrbücher), Loseblattwerke, Dissertationen und Habilitationsschriften (nicht aus dem Ausland)

Musikalien

Musiktonträger, Sprechtonträger

Dia- und Arbeitstransparent-Serien

Mikroformen

Medienwerke auf elektronischen Datenträgern ( z.B. CD-ROMs, Disketten)

Netzpublikationen

Wie wird bei der Ablieferung von Medienwerken verfahren, die über einen ausländischen Selfpublishing-Dienstleister hergestellt werden?

Auch wenn einige Selfpublishing-Plattformen ihren Firmensitz im Ausland haben, fällt die Erwerbung dieser Medienwerke nicht automatisch in die Zuständigkeit der Auslandserwerbung. Die Autoren gehen keinen Verlagsvertrag mit der jeweils gewählten Selfpublishing-Plattform ein, und diese haben im Sinn der Deutschen Nationalbibliothek kein eigenes Verbreitungsrecht. Die Autoren kaufen mit der Herstellung über die ausländische Selfpublishing-Plattform und dem Erwerb einer ausländischen ISBN lediglich die Vertriebsmöglichkeit über das Internet. Es steht den Autoren frei, zusätzlich eine deutsche ISBN zu erwerben, um ihren Titel an das VLB zu melden und/oder auch den Vertrieb über den deutschen Buchhandel zu ermöglichen.
Aus diesem Grund erfolgt die Bearbeitung durch die Inlandserwerbung, deren Zuständigkeit sich, wie bei allen anderen Medienwerken auch, nach dem juristischen Hauptsitz/Wohnort des ablieferungspflichtigen Autors richtet. Damit sind zwei Exemplare ablieferungspflichtig.

§ 19 DNBG: Bußgeldvorschriften

Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden, wenn ein Medienwerk z.B. nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig abgeliefert wurde

Link zur Deutsche Nationalbibliothek

Doch damit nicht genug. Es sind auch Ablieferungen an die Landesbibliotheken der Bundesländer vorgeschrieben. Mehr dazu findet ihr in einer Tabelle unter diesem Link –

Pflichtexemplar

Wer im Zweifel ist, ob seine von ihm gewählte Selfpublishing Plattform die sämtliche Pflichtexemplare selbstständig an die Deutsche Nationalbibliothek und an die Landesbibliotheken der Bundesländer weiterleitet, sollte die Supports der betreffenden Plattformen auf jeden Fall kontaktieren.

Da im Falle der Nichtablieferung der Pflichtexemplare hohe Bußgelder drohen können, sollte man die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich informieren.