Autorin der Woche KW 44: Gabi Büttner

Die Aufgabe für die 5 Autoren war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Straßenreinigung, Gummibärchen, Lavendelblüte, Rost, infrarot

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Autorin der Woche KW 44: Gabi Büttner

„Wie sehen die Menschen, was in ihren Paketen ist? Benutzen sie dafür dieses Infa tot?“
Grisbert Grimmbart seufzte, nachdem ihm einer seiner Schüler diese Frage gestellt hatte. Anfangs empfand er es als Ehre, dass ihm der Posten des Lehrers in der Wichtelschule angeboten wurde. Wie naiv von ihm. Erstklässler, noch keine hundert Jahre alt … Warum, bei Barte des ersten Santas, musste er es sein, der ihnen die Grundlagen beibrachte?
„Es heißt infrarot und natürlich benutzen die Menschen das nicht, um herauszufinden, was in ihren Weihnachtspaketen steckt. Stattdessen öffnen sie es einfach.“, grummelte er grimmig.
„Öffnen?“ Liana Lavendelblüte riss die Augen auf. „Aber wir verpacken sie doch so schön.“
„Und die Miniaturmenschen reißen die Verpackung auseinander, nehmen sich den Inhalt, beschäftigen sich eine Weile damit, bis er im Müll landet und die Straßenreinigung ihn entsorgt“, nörgelte Norbert Naseweis.
Tränen schossen Liana in die lavendelfarbenen Augen, „Warum geben wir uns dann so viel Mühe?“
„Pah“, machte Norbert, „hör auf zu träumen. Noch verpackst du nicht einmal einen Mistelzweig.“
„Wichtel, die keine Träume mehr haben?“ Liana sprang auf und stemmte empört die Hände in die Hüfte. „Das ist wie der Nordpol ohne Schnee.“
„Der schmilzt eh seit Jahren.“
Aufgeregtes Getuschel setzte ein. Norbert schnaubte, Liana heulte, Gimli Gaumenfreude verteilte zum Trost Gummibärchen.
Grisbert schlug mehrfach mit dem Lineal auf das Pult. „Ruhe“, rief er. „Setzt euch wieder hin und hört zu!“ Sie ignorierte ihn. Ihn, der über die Erfahrung von Jahrhunderten verfügte! Nur leider nicht im Umgang mit Jungwichteln. „Weihnachten“, rief er, bemüht ihre Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, „ist nicht nur das Fest der Geschenke. Es ist das Fest des Miteinanders, der Familie, der Liebe.“
„Liebe“, fragte Ignazios Ignoranz. „Dafür ist mein Vetter zuständig. Er ist ein Cherub, die auch als Liebesgötter …“
„Es geht hier aber nicht um Liebe, sondern um Weihnachten“, zeterte Zenobia Zickenart.
„Das gehört zusammen“, versuchte Grisbert zu erklären. “Sich Gedanken um das passende Geschenk für jemanden zu machen, ist ein Ausdruck von Zuneigung. Die Zeit, die dafür aufgewendet wird, ist eine Wertschätzung an die Person. Darum kommt es auch nicht auf den materiellen Wert des Geschenkes an.“
Verwirrte Blicke, krausgezogenen Nasen.
„Aber die Minimenschen schreiben doch Wunschzettel. Da drin geht es nur um ihre eigenen Wünsche“, erwiderte Norbert Naseweis nach einer Weile. „Und wir arbeiten uns dafür den Rücken krumm. Im Akkord! Ohne Bezahlung nach Tarif!“
Betrübt schüttelte Grisbert den Kopf. Eher würde er Rost ansetzen, als diesen Jünglingen etwas Gescheites beizubringen.
(c) Gabi Büttner

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