Autorin der Woche KW 45: Olga Drocjuk

Die Aufgabe für die 5 Autoren war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Heidekraut, Drachenklaue, Kuhglocke, Rabulist, Bourdalou

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Autorin der Woche KW 45: Olga Drocjuk

Gott steh uns bei

„Ein Million Dollar zum Ersten! Ein Million Dollar zum Zweiten! Zum Dritten …“

Der Hammer des Auktionators schlug auf den Tisch.

„… und diese wunderbare Bourdalou aus dem 18. Jahrhundert mit dem unglaublich eleganten Heidekrautmuster eines unbekannten Malers geht an den Herrn mit der roten Krawatte!“

Der Deal war perfekt. Der festgelegte Preis spielte keine Rolle. Die „rote Krawatte“ lächelte. Der „Grüne“ stieß mit seinem stilsicher gewählten schwarzen Lackschuh gegen den seinen und warf ihm einen ungeduldigen Blick zu.

„Eine Million Dollar für DAS?“, atmete er. „Warum nicht die Kuhglocke? Aus dem 17. Jahrhundert? Mit dem unglaublich eleganten Drachenklauenmuster eines ebenso unbekannten Malers?“

„Katharina die Große.“ Die rote Krawatte stand entschlossen auf. Er hatte keine Zeit. „Wir gehen.“

„Katharina die Große bitte WAS?“ Grün blieb weiter sitzen, schüttelte ungläubig den Kopf. Dann erhob er sich und folgte dem Mann mit der Bourdalou in der Hand, der, ohne sich umzudrehen, das Auktionshaus verließ.

„Sie hat da reingepinkelt. DAS! Idiot!“, stieß Rot heraus.

Grün versuchte Schritt zu halten. „Dass du pervers bist, war mir nicht bekannt!“

„Und du bist ein Rabulist! Du verdrehst die Sachen!“

„Ich …?“

„Ja, du! Erinnerst du dich? Mir ist es gelungen, in einem Glasbehälter eine künstliche Befruchtung eines menschlichen Eies durchzuführen. Der Embryo hat sieben Tage gelebt.“

„Ja! Das von dir gestohlene Zellkernmaterial von einem verstorbenen berühmten Musiker …? Wie hieß er nochmal …?“ Die grüne Krawatte blieb stehen, grübelte. „Elvis …? Du hast aber den Embryo umgebracht. Warum? Angst?“

Rot ging weiter. „Egal! Wenn man das genetische Material einer Eingeweidezelle eines Menschen in das Ei eines anderen einpflanzt, entsteht ein Amphibium, das sich zu einem erwachsenen Exemplar entwickeln kann. Durch den vegetativen asexuellen Prozess kann man aus einer einzigen Körperzelle des Originals einen identischen IHN erzeugen. Katharina die Große war die beste Politikerin ihrer Zeit! Verstehst du? Die Zukunft ist da. Wir retten die Welt.“

„Bleib doch stehen!“ Die schwarzen Lackschuhe beeilten sich. „Mit anderen Worten: Willst du jetzt sie klonen …? Aber wie …? Wie ich weiß, sind in der eine Million teuren Bourdalou keine Spuren von Katharina, keine ihrer Eingeweide, Kernzellen. Nichts! Und das schon lange.“

Rot beschwingte den Schritt.

„Doppelspiralige DNA-Struktur, du Idiot. Wasser … Pfu … Urin … haben Gedächtnis. Es wird sogar eine genetische Information von Katharina der Großen reichen, die ich von dem Boden dieser Nachtvase abkratze. Im Glasbehälter wird ihre DNA-Kernverschmelzung stattfinden. Die technischen Schwierigkeiten stehen uns nicht mehr im Weg.“

Grün blieb abrupt stehen. Schluckte den Schock herunter. Wahnsinn! Die Zukunft war jetzt möglich. Statt des Todes war Leben möglich. Seine Logik hörte auf. Konnte man auf so eine Weise die Welt retten?

„Gott steh uns bei!“, dachte er. Dann folgte er Rot.

(c) Olga Drocjuk

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