Autorinnen der Woche KW 47: Gabi Büttner & Nani Kamara

Diese Woche sind zwei Autorinnen punktgleich auf Platz 1.

Die Aufgabe für die 5 Autoren war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Kalfaktor, Atombusen, Gnaddelbüdel, Mondstein, Badesalz

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Autorinnen der Woche KW 47: Gabi Büttner & Nani Kamara

Geschichte 1: Gabi Büttner

„Kennt ihr das größte Geheimnis des Nordpols?“, fragte Grisbert Grimmbart die Jungwichtel seiner Klasse.
„Dass Inke Immerputz einmal einen Mondstein fallen ließ, der dann zu Bruch ging, woraufhin sich die feinen Splitter auf den Weihnachtskarten verteilt haben? Seitdem glauben die Menschen es gäbe Feenstaub, weil das Zeug so glitzert“, murmelte Mathilda Mausgrau.
„Wirklich?“, wisperte Winfried Weißnichtviel. „Ist es nicht eher der Glaube an Engelshaar? Was würden die Menschen nur sagen, wüssten sie, dass es sich dabei nur um die vergessenen Spinnweben in der Werkhalle handelt.“
„Nein!“, brummelte Berta Borindernas. „Das größte Geheimnis ist, dass mein Vater das Badesalz in die Geschenkflakons füllt. Und wisst ihr, wo er vorher seine Finger hatte?“
„Igitt“, hauchte Hannelore Hasenfuß. „Noch dazu ist dein Vater ein richtiger Gnaddelbüdel. Ständig sauertöpfisch spaziert er umher.“
„Oh ihr einfältigen Nachplapperer“, grummelte Grisbert grimmig. „Nichts wisst ihr! Das größte Geheimnis ist, wie ihr Jungwichtel zu euren Namen kommt.“
Nun hatte er seine Schüler an der Angel. Sie alle starrten Grisbert an.
„Ein Kalfaktor notiert in euren ersten Lebensjahren eure Fähigkeiten und Eigenheiten. Danach werdet ihr benannt. Es liegt an euch, ob ihr diese Namen euer Lebtag tragen wollt, oder ob ihr sie mit Geschick und Fleiß zu etwas Ehrhaften verändert“, erklärte er.
„Aber …“ fragend verzog Frank Furchtlos das Gesicht. „Warum nennt man Euch dann Grisbert …“
„Pffftt“, prustete Prusella Pustelbacke. „Ist doch klar, warum er Grimmbart genannt wird.“
„Nein, ich wollte wissen, warum er Grisbert heißt und nicht Gisbert.“
„Weil es besser zu Grimmbart passt“, erwiderte Grisbert, während er versuchte, Prusella mit Blicken zu erdolchen.
Er wusste, dass sie mit ihrem Namen unzufrieden war.
Wäre er ein weniger beherrschter Wichtel, würde er sie bei Gelegenheit darauf hinweisen, wie viel Glück hatte. Bei dem Atombusen, den sie im zarten Alter von 111 Jahren bereits vor sich hertrug, hätte ihr Name auch ganz anders lauten können.
(c) Gabi Büttner

Geschichte 2: Nani Kamara

Peinlich
 
Und wieder hörte sie das kaum unterdrückte Kichern ihrer Mitschüler.
Wie unglaublich nervig diese albernen Jungs sein konnten. Der Wahnsinn!
Fasching war immerhin schon vor zwei Wochen gewesen, es wäre üblicherweise an der Zeit, ihren diesjährigen Faschingskostüm-Ausrutscher endlich zu vergessen, aber nein… die Jungs kicherten noch immer, sobald sie Lina sahen. Man nannte sie in der Klasse seit der Faschingsparty nur noch “das Atomsockenwunder” und wie es aussah, würde sie diesen Spitznamen wohl nicht so schnell wieder loswerden.
Dabei war sie ja nicht mal Schuld an diesem Disaster. Sie hatte ja nur unbedingt als Prinzessin gehen wollen. Das schöne Kleid aus rotem Samt, dass sie im Schaufenster des Kostümverleihs gesehen hatte, passte perfekt zu ihrer Kette und den Ohrringen aus Mondstein, die sie von ihren Eltern an Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Also hatte sie das Kleid rechtzeitig vorbestellt.
Am Tag der Party sollte sie es gleich morgens früh abholen.
Doch dann stellte sich heraus, dass dieser selten dumme Angestellte, dieser pickelige, unterbelichtete “Kalfaktor” dieses Saftladens, wohl einen Fehler bei iher Reservierung gemacht hatte.
Denn als sie Zuhause die Schachtel öffnete, fiel ihr ein komplett anderes Kostüm entgegen.
In dem Beilagezettel stand “Atombusen-Wunder”, Original Design by Gerda Gnaddelbüdel.
Lina starrte auf das Kleid und konnte es nicht fassen. Sie rief natürlich sofort beim Kostümverleih an und beschwerte sich, aber alle anderen schönen Kostüme waren längst abgeholt worden und es war außer einem Waschbären und einem Peppa Pig-Kostüm nichts mehr zu haben. Jonas aus der Zehnten, dem sie schon seit Monaten schmachtende Blicke hinterherwarf, würde sie weder in dem einen noch in dem anderen Kostüm, bestimmt nicht so wahrnehmen wie sie es sich wünschte.
Da konnte nur noch Stefanie helfen, ihre beste Freundin. Stefanie war sofort in Bereitschaft und tröstete sie.
“Ach komm schon…Ich komm mal eben rüber und wir lassen uns was einfallen. So schlimm kann’s ja mit dem Namen “Atombusen-Wunder” nicht sein. Außerdem bringe ich noch mein spezielles Vanille-Badesalz mit und während ich mir das passende Makeup überlege, kannst du in der Wanne chillen. Dann geht’s dir auch unter Garantie wieder besser!”
Gesagt, getan.
Das Kostüm war aus eng geschnittenem Kunstleder mit einem Korsett das, wenn man denn einen hätte, den Busen nach oben drückte und vergrößerte. Aber Lina, die zu ihrem Leidwesen nur mit einer Körbchengröße A aufwarten konnte, musste mit zwei Paar zusammengerollten Sportsocken nachhelfen, um wenigstens etwas Dekolleté vorweisen zu können.
Das Ganze fing sogar an, ihr Spaß zu machen. Das Kleid sah echt sexy aus, und vielleicht würde Jonas sie damit doch endlich bemerken.
Die Faschingsdienstags-Party fand in der Schule statt. Die Jungs aus ihrer Klasse bekamen große Augen, als sie Lina in dem Outfit sahen. Sie tranken heimlich Biermischgetränke und tanzten ausgelassen.
Und Jonas bemerkte sie dann tatsächlich…allerdings erst, als alle laut anfingen zu lachen. Denn nach einem besonders ausgelassenen Tanz, quoll eine der Socken seitlich aus dem Korsett hervor, was sie überhaupt nicht bemerkt hatte. Leider jedoch, alle anderen. Sie hatte sich noch nie derart blamiert gefühlt. Die Party war damit für sie gelaufen. Überhaupt wäre sie am liebsten nie wieder in die Schule gegangen!
“Ach komm, du weißt doch wie Jungs sind. Die werden das Ganze schnell wieder vergessen. Einfach nicht beachten.” Sagte ihre Mutter.
Auch Stefanie hatte probiert, sie mit einem ähnlichen Spruch zu beruhigen.
Aber, wie es jetzt aussah würden die vermutlich noch das ganze Jahr weiterkichern. Oh Mann.
Und Jonas. Dem wäre sie am liebsten auch nie wieder begegnet. Peinlicher gings einfach nicht.
Während sie langsam zur großen Treppe schlurfte, stand er lässig an die Wand gelehnt, genau dort, wo sie ihm nicht ausweichen konnte. Sie senkte den Blick und lief so schnell sie konnte an ihm vorbei.“Hey…Lina…warte doch mal!” Sie blieb wie erstarrt stehen. “Hey…Jonas!” War alles was sie herausbrachte. “Sag mal, was machst du heute Nachmittag?” “Ich…äh….nichts Besonderes.”
“Okay, ich wollte dich fragen, ob du Lust hast mit mir ins Kino zu gehen.”
Lina konnte es kaum glauben. Sie zögerte leicht, nickte dann aber doch und Jonas lächelte glücklich.
Er fand Lina nämlich schon lange toll!
Copyright 2019, Nani Kamara

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