Autorinnen der Woche KW 48: Carmen Kessler & KAa Vero

Diese Woche sind zwei Autorinnen punktgleich auf Platz 1.

Die Aufgabe für die 5 Autoren war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Handkoffer, Spitzel, Siegellack, Gans, Klingel

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Autorinnen der Woche KW 48: Carmen Kessler & KAa Vero

Geschichte 1: Carmen Kessler

„Edna! Wo stecken Sie, dumme Gans!“
Die derart schrill Geforderte fuhr erst zusammen und dann hoch. Der Zusammenstoß mit der Tischplatte warf ihren Kopf wieder nach vorne. Edna rieb sich den Hinterkopf in der Hoffnung, dass sich keine Beule bilden würde, während sie unter dem Schreibtisch des Dux hervorkam. Voller Sorgfalt zog und strich sie ihre Kleidung glatt, öffnete die Innentasche ihrer Weste und ließ ihr Kästchen mit den Magitek darin verschwinden. Das Objekt mit dem Abhörzauber war angebracht.
Das Bimmeln der Klingel steigerte sich zu einem hysterischen Crescendo. Edna musste sich nun wahrlich beeilen, ehe der Dux noch seiner Beschwörerin befehlen würde, ein Deva auf sie anzusetzen. Im Salon angekommen, fiel ihr Blick auf den geöffneten Handkoffer auf dem Tisch, darin es dunkelgrün glänzte. Ein knappes Nicken des Dux, und hastig schlug der Mann, der neben ihm stand, den Deckel zu.
„Fast könnte man meinen, Sie hätten Recht mit Ihrer Vermutung, Donesin.“ Das Lachen des Dux klang blechern. „Wir haben Besuch!“, schnarrte er, an Edna gewandt.
Sie verstand die dahintersteckende Aufforderung und entfernte sich in Richtung Küche.
Im Hinausgehen vernahm sie die geflüsterten Worte des Gastes: „Was, wenn sie der Spitzel ist?“
Die Antwort des Dux hörte Edna nicht mehr, doch das musste sie nicht. Würde er etwas ahnen, wäre sie längst tot. Auf dem Weg in die Küche sann sie darüber nach, was es wohl bedeuten mochte, dass der Koffer dunkelgrünen Siegellack enthielt.
Dunkelgrün.
Die Farbe des Djun-Hauses.
(c) Carmen Kessler

Geschichte 2: KAa Vero
Beobachtung.
Der Bus hielt, ich stieg aus und nahm die Abkürzung am Talsee entlang Richtung nach Hause. Mein Gepäck waren ein kleiner Handkoffer mit Rollen und meine Laptoptasche. Ich kam von einer Lesereise. Die Sonne stand hoch am Himmel. Im Seewasser spiegelten sich die Sonnenstrahlen. Keine Welle bewegte es, es wirkte wie mit Siegellack überzogen. Ich blieb stehen und genoss den Anblick. Dann betrachtete ich amüsiert das Getümmel der Enten und Gänse mitten auf dem Weg.
Eine schrille Klingel ertönte hinter mir. Ein Fahrrad schreckte mich und das Gefieder auf. Ich sprang zur Seite. Die Tiere huschten aufgeregt hin und her.
»Das ist kein Radweg!«, schimpfte ich.
Der Fahrer stieg ab und schob sein Rad. Neben einem Gebüsch lauerte eine weiße Gans. Sie sprang auf und rannte hinter dem Radfahrer her. Der wehrte sie ab und es dauerte eine Weile, bis er die Gans beruhigt hatte. Schnell schwang er sich auf sein Rad und fuhr davon. Ich stapfte weiter und zog meinen Rollkoffer hinter mir her.
Die Gans nahm keine Notiz von mir und doch sprach ich sie an: »Du hast wie ein Spitzel neben dem Busch gewartet, um deine Freunde zu beschützen. Prima.«
Die Gans schaute mich an und watschelte schnatternd davon. Ich glaube, sie hat mich verstanden.

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