Die Aufgabe für die AutorInnen war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Revolver, Gewitter, Radiergummi, Platzregen, Computer

AutorIn der Woche KW 21: Neal Delsy

The Sunshine State

„Wo ist der Revolver?“, rief ich. „Das Ding mit den Kugeln, wo zur Hölle ist er?“

„Was willst du mit dem Revolver?“, antwortet eine Stimme aus der Küche.

„Was schon? Was macht man mit einem Revolver? Nägel in die Wand klopfen?“

„Du willst mit dem Revolver Nägel in die Wand klopfen? Echt jetzt?“

Ich knurrte. „Nein, ich will keine Nägel in die Wand klopfen, eher in deinen gottverdammten Schädel, wenn du mir nicht sagst, wo das Ding ist!“

Mein Nachbar Frank holte gerade einen Sixpack Miller, den wir zusammen mit ein paar Steaks vernichten wollten „Soll ich im Eisfach nachsehen?“

„Nein, sollst du nicht.“

Ich saß im Garten, schielte mit einem Auge zum Grill und den Steaks und schrieb mit dem anderen Auge einen Bericht über Henk Zulani, der glaube, es wäre eine gute Idee gewesen, mich zu verarschen. Es war keine gute Idee. Genau genommen war es die schlechteste Idee, die er je hatte. Dazu benötigte ich den Revolver.

„Wo hast du das Bier? Du sagtest, du hättest welches gekauft!“

„Habe ich auch, zusammen mit dem Revolver.“

„Im Walmart neben dem Publix?“

„Frank!“

„Ist ja schon gut. Wo ist das Bier?“

„Dort wo der Revolver ist. Wenn du noch lange Forrest Gump spielst, gibt es keine Steaks mehr“, sagte ich und warf einen Blick in den Himmel.

Aus tiefschwarzen Wolken zuckten die ersten Blitze. Ein Grollen in der Ferne kündigte das obligatorische floridianische late afternoon Gewitter an, das gewöhnlich in einem Unwetter der besonderen Art endete. Steaks auf dem Grill und Platzregen vertrugen sich nicht. Ich schrieb weiter, dachte an Revolver und Henk und ertrunkenen Steaks …

„Yeah!“, schrie die Stimme. „Ich habe das Bier gefunden! Es stand unter dem Salat!“

„Ich wusste, du bist ein richtiger Pfadfinder. Und der Revolver?“

„Um … da ist kein Revolver … Doch warte … habe ihn. Er lag unter dem Bier.“

Ich tat einen großen tiefen Seufzer. „Legst du ihn bitte in den Schrank, der neben dem Computer steht?“ Die ersten Tropfen fielen auf den Grill. Es zischte und qualmte. Es roch nach einem gelungenen Nachmittag.

„Welchen? Den rechten oder den linken Schrank neben dem Computer?“

„Lege ihn einfach in einen Schrank, ok?“

„Ok, ich lege ihn jetzt in den linken Schrank hinter dem Buch über „Wie ein Radiergummi einen Mord aufklärte“. Mann, du solltest deine Literaturliste mal überprüfen.“

Oder meinen Nachbarn, dachte ich, klappte meinen Lap zu, warf einen letzten hungrigen Blick auf die Steaks und rannte ins Haus. Es regnete Tsunamis. Mein Pool saugte die Massen auf, solange bis er überlief, den Grill erfasste und in den Canal beförderte. Ein Alligator blinzelte erstaunt aus dem Wasser und nahm Kurs auf die Steaks. Wie ich schon sagte, ein gelungener Nachmittag.

(c) Neal Delsy

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