AutorIn der Woche KW 29: Katja Stange & Medusa Mabuse

Die Aufgabe für die AutorInnen war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Parfüm, Rollenspiel, Bikini, Gold, Termin

AutorIn der Woche KW 29: Katja Stange & Medusa Mabuse

Planungsdifferenzen

Petra betrachtete zufrieden ihre Silhouette im Flurspiegel und strich über ihr dunkelblaues Etuikleid. Die hohen Schuhe sahen großartig dazu aus, auch wenn sie ein bisschen zu teuer gewesen waren. Aber für den heutigen Abend musste alles perfekt sein.

Das Coq au Vin duftete fantastisch, der Champagner stand kalt, das weiße Porzellan ergab einen edlen Kontrast zu der dunklen Leinentischdecke.

Wieso brauchte Bernd bloß so lange? Er sollte doch an ihrer Seite sein, wenn die Gäste kamen!

Gerade als draußen ein Auto über den Kies fuhr, hörte sie Bernds Schritte auf der Treppe. Na endlich! Sie zündete die langen Kerzen auf der Tafel an, drehte sich lächelnd zu Bernd um und … erstarrte!

Ihr Mann lehnte am Türrahmen und lächelte sie an. „Haben wir einen Termin?“, raunte er lasziv. Er trug ihren schwarzen Bikini, ihren Lippenstift, ihr Fußkettchen aus Gold und sogar ihr Parfüm!

Petra schnappte nach Luft. „Wie siehst du denn aus?“

„Na, das war doch deine Idee mit dem Rollenspiel“, entgegnete Bernd verwirrt.

„Rollenspiel? Rollenspiel?!“ Petras Stimme erhob sich hysterisch. „Davon war nie die …“ Sie stockte. „Bernd, du musst unbedingt zum Ohrenarzt! Ich habe gesagt, wir haben heute Abend einen Termin mit Herrn Poggenpiel, meinem Chef! Es geht um den Vertragsabschluss!“

In diesem Moment klingelte es an der Tür. Petras Blick schoss von Bernd zur Tür und zurück. Das letzte, was sie sah, war sein halbnackter Hintern in ihrem Bikini.

© Katja Stange


Gwendolyn reichte Amber eine Karte. »Dein nächster Auftrag, Jonathan Sutton. Du hast einen Termin um neun Uhr. Er steht auf Rollenspiele. Zieh einen Bikini an. Das ist alles.«
Amber fuhr nach Hause und machte sich zurecht. Die Auswahl des Outfits ließ ihr nicht viele Möglichkeiten, aber wann hatte sie die schon?
Seufzend legte sie einen Hauch Parfüm auf und betrachtete sich im Spiegel. »Ich sollte nicht undankbar sein. Es ist ein Job, der gut bezahlt ist.«
Sutton öffnete ihr persönlich, als sie an die Tür seines Penthouses klopfte. Er führte sie ins Wohnzimmer und goss Champagner in zwei Gläser. Amber sah sich rasch um, ehe sie sich auf das Sofa setzte. Sutton nahm neben ihr Platz.
Während er mit der linken Hand das Glas erhob, strich er mit der rechten an ihrem Schenkel entlang. »Trinken wir auf einen angenehmen Abend.«
Amber beobachtete ihn mit halb geschlossenen Augen, während sie am Glas nippte. Ihm entging, dass sie die den Verschluss ihres goldenen Giftrings öffnete und den Inhalt in sein Glas schüttete.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis Sutton tot war. Amber reinigte ihr Glas und stellte es zu den anderen neben dem Sektkühler. Anschließend informierte sie Gwendolyn und verließ die Wohnung.
Sutton hatte den Tod verdient. Er war ein Verbrecher der schlimmsten Sorte, dem mit gesetzlichen Mitteln nicht beizukommen war. Dafür gab es Ausputzer und Amber war eine von ihnen.
© Medusa Mabuse

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