Zukunftsidee oder Spinnerei?

Es ist voll um die Mittagszeit in meiner Lieblingsbuchhandlung. Menschen sitzen entspannt in der Lounge, einem abgetrennten Bereich, in dem für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist. Die beiden Kellnerinnen hinter dem Tresen haben gut zu tun, die voll besetzten Tische mit Stühlen sowie die im Raum verteilten Sitzecken mit bequemen Sesseln und weichen Sofas zu versorgen.
Der Kaffee ist ausgezeichnet, das Brötchen kross und der Orangensaft schmeckt nach frisch gepresst. Ich sitze entspannt auf dem bequemen Sofa und lese interessiert die Leseprobe auf meinem Handy, die ich unter vielen aus der eigenen App der Buchhandlung ausgewählt habe, in der ich mich befinde. Das WLAN ist natürlich kostenlos.
Die Frau mir gegenüber nippt an ihrem Weißwein und lauscht über den Funkkopfhörer einem Buchtrailer, der über einen an der Decke angebrachten Flat flimmert, während ihr Mann neben ihr interessiert das Interview mit einer Autorin auf einem weiteren Bildschirm ebenfalls über drahtlose Kopfhörer verfolgt. Es werden nicht nur Videos von Verlagsautoren, sondern auch von Selfpublishern vorgestellt. Einige selbstverlegte Bücher haben sich in dieser Buchhandlung zu absoluten Rennern entwickelt.
Drei Frauen unterhalten sich angeregt über das zuletzt gelesene Buch, das vor jeder von ihnen auf dem Stehtisch in der Ecke liegt.
Ein regionaler Autor liest in einem Nebenraum aus seinem neuen Buch. So eine Lesung gibt es jeden zweiten Tag hier in der Buchhandlung. Nicht nur für regionale AutorInnen. Oft ist auch ein bekannter bzw. ein Bestsellerautor zu Gast.
Andere sitzen einfach nur zur Unterhaltung an einem Tisch und begnügen sich ansonsten mit dem Verzehr von angebotenen Speisen und Getränken.
Etliche Besucher schlendern an den Buchregalen entlang, ziehen hier und da ein Buch heraus, um es sich anzusehen und anzulesen. Der Buchhändler selber sucht für einige Kunden Daten am Computer heraus oder nimmt Buchbestellungen auf. Hin und wieder schweift sein Blick erfreut zur Kasse hinüber, an der die stete Schlange selten kürzer wird.
Er wirkt entspannt, erfreut und hat für jeden Kunden ein freundliches Wort. Aus seiner Sicht scheint das neue Konzept, das er für seine Buchhandlung erdacht hat, aufzugehen. Die Kasse klingelt und das trotz Corona, denn die Mindestabstände sind korrekt eingehalten und ein Mitarbeiter am Eingang achtet darauf, das die Maskenpflicht eingehalten wird.
Für meinen Buchhändler hat sich die Abkehr vom alten Buchhandlungskonstrukt gelohnt, denn ihm ist es mit einfachen Mitteln und der Anpassung an die neue digitale Zeit gelungen, wieder Kunden in sein Geschäft zu locken..

Foto: Pixabay.com

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