Mike Gorden

Autoreninterview Mike Gorden

Der Autor

Mike Gorden ist Jahrgang 1962 und stammt aus Bremen. Nach dem Chemiestudium sattelte er um auf Kaufmann. Seit 1997 betreibt er einen der ältesten, deutschen Onlineshops. Sein Motto lautet: »Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang.«

In den Neunzigern fing er an, Kurzgeschichten zu schreiben. Zunächst nur für sich selbst. Das erste Romanprojekt scheiterte. 2014, während eines Urlaubs mit Ehemann und Hunden auf einer französischen Kanalinsel, platzte dann der Knoten. Seitdem hat er mehrere Science-Fiction Kurzgeschichten geschrieben und den 600-seitigen SciFi-Thriller »Gefahr von der anderen Seite« veröffentlicht.

Dieser bildet jetzt den ersten Teil seines »Moíra-Zyklus«. Der zweite Teil »Der gefrorene Urknall« wurde 2020 veröffentlicht. Einen dritten Teil, weitere Kurzgeschichten und zwei Spin-Offs hat er bereits in Arbeit.

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Das Interview

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe immer gern und viel geschrieben. Das liegt vermutlich daran, daß ich beim ersten Schulbesuch bereits lesen und schreiben konnte. Leider hat es lange nur zu nicht druckbaren Kurzgeschichten gereicht. Erst 2014 habe ich es geschafft, aus einer Idee einen Roman zu plotten und den dann auch zu schreiben. Jetzt, wo ich endlich weiß, wie es geht, kann ich nicht mehr damit aufhören.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Ich plotte gerne, aber letztlich macht es die Mischung. Oft entwickeln meine Charaktere ein Eigenleben, das jeden Plot sprengt. Die Szenen, die daraus entstehen, daß ich auf meine Protagonisten höre, gehören zu den stärksten in meinen Geschichten.

Nacharbeiten muß ich regelmäßig. Was ich in einem Rutsch heruntergeschrieben habe, gehorcht leider nicht immer den Gesetzen der Logik und die sind mir als ehemaliger Wissenschaftler sehr wichtig.

Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich verlege nicht nur meine Schlüssel, sondern auch mich selbst. Nach einer längeren Selbstfindungsphase mit Bewerbungen bei Verlagen und Selfpublishing über Dienstleister habe ich beschlossen, Verleger zu werden. Ich betreibe im wirklichen Leben einen Postversand (seit 1997 auch einen der ersten Webshops in Deutschland). Das hilft ungemein. Unter HML-Verlag.de findest Du meine Bücher.

 Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Meine Inspiration ziehe ich aus meinen Träumen. Sie setzen das, was ich tagsüber erlebe, manchmal auf so unerwartete Art zusammen, daß es einen neuen Sinn ergibt. Meine Sci-Fi Kurzromane sind alle aus solchen Träumen entstanden.

Die allererste dieser Geschichten schien mir mehr Potential zu haben und ich begann, dazu ein wie-alles-begann zu schreiben. Ich entwickelte die Hauptfiguren und entwarf die ersten Handlungsstränge. Dann – plötzlich – entwickelten meine Figuren ein Eigenleben. Sie redeten mit mir und verlangten meine Aufmerksamkeit. Sie wollten leben. Ich mußte ihnen Zugeständnisse machen.

Letztlich entsteht daraus mein Hauptwerk, der »Moíra-Zyklus«. Mittlerweile schreibe ich am dritten Buch des Zyklus. Zwei Romane aus dem gleichen Universum schreibe ich dazu parallel. Der erste, »Empath«, wird im Februar 2021 veröffentlicht.

 Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Ich schreibe ausschließlich am Rechner. Angefangen habe ich in den Achtzigern mit WORD 4.0 für MS-DOS inklusive Dos, Diplomarbeit und Emulator mit einer 720 kB Diskette auf einem Amiga 500. Das waren noch Zeiten. Handschriftliche Notizen mache ich mir nur im Notfall.

Meine Skiller-Mech Tastatur mit schreibmaschinenähnlichem Anschlag leistet mir seit vielen Jahren treue Dienste dabei. Schon an der Uni hieß ich in der Arbeitsgruppe wegen meines vielen und lauten Getippes nur »der Hacker«.

 Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Schlecht und gelegentlich unprofessionell. Während ich schreibe, tauche ich in die Welt meiner Geschichte ab. Wenn mich dort jemand herausreißt, ist das Erwachen unsanft. Für beide Seiten.

Magst du kurz anreißen, worum es in »Empath« geht?

Es handelt sich dabei um ein spezielles Projekt. Weißt Du, ich hätte früher gerne erotische Geschichten gelesen. Es scheiterte allein daran, daß ich nach den ersten Sätzen immer zwischen Fremdscham und unbeherrschtem Kichern hin- und herschwankte. Warum liegt hier eigentlich Stroh? Irgendwann gelangte ich zu der Einsicht, daß ich einen guten Porno wohl selbst schreiben muß.

Bis dato habe ich mich mit erotischen Szenen in meinen Romanen zurückgehalten. Ich finde, sie lenken von der Handlung ab. Bei diesem einen Projekt aber bringen die Sexszenen die Geschichte voran und sind nicht nur angeflanscht, damit sie sich besser verkauft.

Nun ist nicht direkt ein Porno daraus geworden. Du weißt ja, meine Protagonisten und ihr Eigenleben… sie wollten keine Pornomäuschen als Selbstzweck sein. So habe ich ihnen einen Plot gegeben, innerhalb dessen sie sie verlustieren konnten. Letztlich wurde daraus ein Mystery-Thriller mit Hardcore. Gay-Hardcore.

Ich weiß nicht, ob es dafür einen Markt gibt. Das Buch wird sich entweder grandios verkaufen oder grandios floppen. Dazwischen gibt es nichts.

 Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Mehrere. Neben dem dritten Teil meines »Moíra-Zyklus« schreibe ich noch ein Spin-Off für zwei meiner Protagonisten, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Sie haben mich um einige Wochen Urlaub gebeten, weißt Du?

Natürlich verläuft der Urlaub nicht nach Plan… es wird wohl ein Krimi werden.

Kurzromane gehen eh immer.

 Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

Manche Leute schreiben Meuchelmetzeleien, Horrorgeschichten und Psychodramas. Sie beschreiben das Grauen in einer solch epischen Breite, bei der ich mich frage, welche Teile Fantasie sind und was in Wirklichkeit zum Psychogramm des jeweiligen Autors gehört. So etwas bereitet mir schlaflose Nächte. Beim Lesen und Schreiben, Deshalb lasse ich es.

Wenn in meinen Geschichten jemand stirbt, dann halte ich die Szenen kurz. Wobei… Du kennst Paolo, meinen Empathen noch nicht. Aber das ist etwas völlig anderes…

 Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Dan Brown. Daniel Silva. Ken Follett. E. E. Smith. Robert Silverberg. Scott Baron. Tolkien. Karl May.

Wenn ich fremdlese, versuche ich meinen inneren Autor im Zaum zu halten und die Geschichte zu genießen, die er sich der andere für mich ausgedacht hat. Das ist meistens kein Problem und ich bin dann mitunter tagelang abgemeldet.

Natürlich inspirieren sie mich. Sie suchen mich in meinen Träumen heim und dann… siehe oben.

 Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Teils enthusiastisch, teils distanziert. Mein Ehemann unterstützt mich voll und ganz. Gerade, weil er nicht zur Zielgruppe meiner Geschichten gehört, ist sein unvoreingenommener Blick auf meine Texte unbezahlbar. Unsere Hunde schlafen meist, während ich schreibe. Es hat wohl etwas Beruhigendes für sie, wenn ich auf meiner Skiller Mech herumhacke.

Die Freunde, die ich noch nicht durch Mißbrauch als Testleser vergrault oder zu Fans gemacht habe, wissen die Arbeit zu würdigen, die es braucht, ein Buch jenseits von 500 Seiten zu schreiben.

 Hast du noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Mein Postversand (lacht). Nein, eigentlich ist das Schreiben das Hobby. Auch wenn ich mir wünschte, es wäre anders. Ansonsten Lesen. Musik. Oder beides. Früher habe ich pianiert. Schach. Skat.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Es klingt doof, aber ich habe alle meine Träume verwirklicht. Ich lebe mit dem Mann zusammen, den ich über alles liebe. Ich habe mein eigenes Haus. Meine Firma. Meine Hunde. Meine Skiller Mech…

Was ist nicht verwirklicht habe, habe ich zumindest versucht und weiß, warum es nicht funktioniert. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben. Ich habe bei einer Opernaufführung am Klavier gesessen. Ich habe als Jugendlicher ein Schachturnier gewonnen. Solche Dinge.

Den Weltfrieden habe ich auch nicht erreicht. Ich kenne meine Grenzen.

 Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Nein. Ich habe lediglich Gesichtsdoubles für meine Protagonisten gesucht und gefunden. Immerhin muß ich wissen, mit wem ich schreibe. Die sind aber alle keine Schauspieler.

Ich kann mir auch keinen bekannten Schauspieler in meinen Geschichten vorstellen. Ich benötige unverbrauchte Gesichter.

Wobei… Dolores Umbridge als Madame de Lacy hätte vielleicht doch etwas…

 Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Leser? (lacht verlegen)

Hattest du schon Lesungen?

Mehrere. Meist vor eher ausgesuchter und sehr kleiner Zuhörerschaft. Allerdings werde ich diese Unart wohl ablegen. Ich bin echt keine Rampensau. Deshalb ist Mike Gorden auch weder Konzertpianist noch Schachgroßmeister geworden.

 Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Ich rauche nicht. Ich trinke nicht. Ich habe nichts mit Frauen… Hasch habe ich einmal probiert. Mein Magen war anderer Meinung.

Ich spiele leidenschaftlich gerne »Mass Effect«. Deshalb ist die meistgenutzte Taste auf meiner Skiller Mech das ‘W’, die Taste, mit der man sich im Spiel vorwärts bewegt.

 Machst du selbst Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Facebook- und Google Ads habe ich probiert, aber keinen Weg gefunden, die Kosten wieder einzuspielen. Amazon ist nicht meins. Ich mag keine Monopolisten.

Derzeit beschränke ich mich auf mein Facebook-Profil und meine gut gepflegte Heimseite. Und dieses Interview.

Für den »Empath« werde ich Anzeigen in einschlägigen Printmedien schalten. Kostendeckung verspreche ich mir davon aber auch nicht.

 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Webradio, Bremen Eins, Deluxe Easy, Klassik Movie, nichts, das mich zu sehr ablenkt.

 Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

bin ich tot. Ich habe keinen Plan B.

 Hast du einen Tip für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Tue es und laß Dich durch niemanden davon abbringen. Suche konstruktive Kritik. Laß Dich aber nicht entmutigen, sondern lerne durch sie, es besser zu machen.

 Deine drei Wünsche an die gute Fee?

Weltfrieden, Weltfrieden, Weltfrieden. Ich hab’ ja alles, und ewiges Leben ist mir zu riskant.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview, Mike Gorden, und viel Erfolg mit allem, was du noch so schreibst. 

Bücher

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