AutorIn der Woche KW 3: Vero KAa

Die Aufgabe für die AutorInnen war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Sand, Ampel, Wellen, Handschuhfach, Warndreieck

#autorennetzwerkchallenge

AutorIn der Woche KW 3: Vero KAa

Ferien. Benni und Ute starteten Richtung Ostsee zur Insel Rügen. Der Pickup mit dem Wohnwagen waren gepackt. Einmal Urlaub anders, so hatte es Ute ihrem Benni nach einer langen Diskussion versprochen.
Sie waren seit drei Jahren verheiratet und kinderlos. Ute war verwöhnt, was den Urlaub betraf. Für sie bedeuteten Ferien eine Reise all inclusive mit dem Flugzeug an irgendeinen sonnigen Strand in ein gutes Hotel plus Komplettservice. Die einzige Arbeit, die Ute in dem Fall verrichtete, war das Kofferpacken.
Nun aber zuckelten sie mit dem Gespann an der Anhängerkupplung los. Benni achtete penibel darauf, das Tempo von achtzig Stundenkilometern einzuhalten. Ute war das zu langsam, doch sie beherrschte sich. Kurz vor Greifswald standen sie im Stau. Benni wurde nervös. Ute schaute ihn von der Seite an und tätschelte zur Beruhigung seinen rechten Oberschenkel.
Benni kam ins Schwitzen. Hatte er sich mit dieser Reise im Pickup mit Wohnwagen überschätzt? Er wischte laufend seine schwitzenden Hände an seiner Hose ab. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.
Ute bemerkte seine Ängste, sie waren unübersehbar. „Fahr doch raus auf einen Parkplatz, wir machen eine Pause.“ Sie durchkramte das Handschuhfach nach einer Packung Erfrischungstücher.
„Nein, es sind ja höchstens noch eineinhalb Stunden“, meinte Benni. Ute reichte ihm die Tücher.
Er rieb sich die Stirn und die Hände ab. „Ich halte doch“, sagte er und horchte auf, „irgendetwas klappert.“ Benni setzte den Blinker und bog auf einen LKW-Parkplatz ein.
Sie stiegen aus. Er kontrollierte auf einem Rundgang um den Pickup, was da los sein könnte, während Ute sich die Beine vertrat. Bei ihr wollte einfach keine Urlaubsstimmung aufkommen.
„Oh nein!“, schrie Benni, „ am vorderen rechten Rad haben wir ein Platten. Jetzt den Reifen wechseln, na toll, mit diesem Gespann hinten dran.“ Ihm wurde flau im Magen, er starrte Ute entgeistert an.
Flink stellte sie das Warndreieck auf. „Was nun?“
„Ich rufe den ADAC!“, meinte Benni zähneknirschend. „Ich habe mir die Reise anders vorgestellt“, wetterte er sauer.
Ute wollte nicht noch Öl aufs Feuer gießen. „Du, wir haben im Wohnwagen alles, was wir brauchen. Kommt lass uns reingehen und einen Kaffee trinken. So lässt es sich besser auf den Pannenhelfer warten.“ Sie hatte sich mit dieser Situation arrangiert, es war nun mal so, wie es war, und zerrte Benni in den Wohnwagen. Brühte rasch einen Kaffee auf, deckte den Tisch, schnitt den selbst gebackenen Marmorkuchen an.
Benni schaltete das Radio ein. „Eigentlich recht gemütlich hier.“ Er hatte sich beruhigt, „ wir könnten den Urlaub auch hier verbringen.“
„Scherzkeks.“ Ute schenkte ihm den duftenden Kaffee ein. Eine Verkehrsmeldung drang aus dem Radio: „Durch die heute beginnende Ferienzeit sind die Autobahnbahnen überlastet, bitte weichen Sie auf andere Straßen aus, wenn sie können.“
„Wann kommt der Pannendienst?“, fragte Ute mit vollem Kuchenmund.
„Oh, ich habe vergessen anzurufen.“ Schnell griff Benni zum Handy. „Kein Empfang“, stöhnte er und biss in den Kuchen.
Draußen dunkelte es schon. Ute räumte den Tisch ab, schob die Tischplatte hoch und richtet das Bett für die Nacht. „Na, dann machen wir uns es hier gemütlich.“
Eng aneinander gekuschelt hörten sie im Radio einen Ostessekrimi. Geschrei und Gezanke drangen aus dem kleinen Kofferradio, dass neben ihnen auf eine Konsole stand. Jemand stampfte durch den Sand der Dünnen, die Wellen peitschten von der Ostsee an das Ufer. Dann fiel ein Schuss. Ute konnte sich alles bildlich vorstellen. Eine Frau schrie: „Ruft die Polizei!“ Der Motor zweier VW-Käfer, begleitet durch ein Tatütata, heulte auf. Ihre Bremsgeräusche gingen im Sand unter. Autortüren klappten zu. „Herr Wachmeister, ich bin Kommissar Wilde, wo liegt der Tote?“, erklang eine tiefe Männerstimme.
„Hier in der Düne!“, rief die Frau.
„Bitte gehen Sie zur Seite“, forderte der Kommissar. „Oh, den Burschen kenne ich. Ich habe ihn heute erwischt, wie er über eine rote Ampel raste“, hörte Ute ihn noch sagen, dann erreichte sie das Land der Träume.
Benni war auch geschafft, er stellte das Radio ab. „Ute Schatz, gute Nacht und schlaf gut. Morgen ist ein neuer Urlaubstag.“😉

(c) Vero KAa

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