AutorIn der Woche KW 4: Michael Sohmen

Die Aufgabe für die AutorInnen war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Pfütze, Arztbesuch, Butter, Regentropfen, Salatdressing

#autorennetzwerkchallenge

AutorIn der Woche KW 4: Michael Sohmen

Anno 2050. Die letzten Überlebenden der Großen Pest der Neuzeit lebten glücklich und zufrieden in ihrer Zuflucht, dem Kloster des Heiligen Lazarus. Geschützt durch unüberwindlich hohe Mauern von der menschenfeindlichen Außenwelt lebten sie glücklich, zufrieden und vegan. Bis eines Tages..
Severin, der Älteste fiel auf die Knie und bat um Verzeihung. „Darf ich dich ernten, Max?“
„Ja Severin, hiermit gebe ich dir meine Erlaubnis und vergebe dir!“
Der Alte nickte zufrieden und zögerte nicht lange, griff nach seinem Messer und tat sein Werk. Sorgsam schnitt er den Kopf seines bereitwilligen Opfers ab, legte diesen in den Leinensack und erhob sich langsam. Er seufzte. So viele Jahre lebte er schon in diesem Orden und immer noch verfolgte ihn die Vergangenheit, die Bilder kamen immer wieder wie ein alptraumhafter .. wie nannte man es? Wahn? Mittlerweile waren so viele Jahre vergangen. Dreißig oder so. Dieser Virus soll damals vom Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Zwei, fast drei Jahre führte man ein fast normales Leben, zwar durfte man zeitweise sein Haus nicht verlassen, doch bald, schon bald, sagten sie, nur ein wenig Zeit noch, habt Geduld! So sagte man. Und plötzlich sah er sie kommen. Es war knapp. Sehr, sehr knapp.
Severin verharrte und richtete seinen Blick auf die weißgetünchte Mauer. Sein Kopf pochte. Sind dort draußen immer noch die, wie nannte man sie – Zombies? Mutierte? Mutierende Tiere?
Er lachte kurz bei dem Aphorismus. Den Begriff hatte er mal gehört und fand ihn gut, obwohl er nicht wusste, was er bedeutete. Zu spät. Sein Lachen hatte den Dämon namens Hunger geweckt. Er öffnete den Leinensack und betrachtete den Salatkopf.
Da erschien ihm ein Engel, schwebte mit Salatdressing herbei und bereitete eine köstlich schmackhafte Mahlzeit daraus. Plötzlich zog sich der Himmel zu, ein Regentropfen fiel in eine Pfütze. Erzengel Gabriel erhob sich daraus, hob seinen Finger und sprach „Severin! Du hast gesündigt!“
„Es war nur meine Phantasie.“
„Vielleicht noch Butter dazu und Käse sogar? Was noch? Ein Steak?“
Severin wurde klar, sollte er diese Gedanken weiterspinnen, wäre alles zu Ende. Für alle. Endgültig. Das Finale der Menschheit.
Seine Gedanken drehten Pirouetten. Es war Zeit für den Arztbesuch.
(c) Michael Sohmen

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