AutorIn der Woche KW 5: Michael Sohmen

Die Aufgabe für die AutorInnen war es, eine  Geschichte mit einer Länge von einer Normseite zu schreiben, in der folgende 5 Wörter enthalten sein mussten – Herzinfarkt, Frostnebel, Fischkutter, Felsendom, Muschelsuppe

#autorennetzwerkchallenge

AutorIn der Woche KW 5: Michael Sohmen

At’k-huxalp schipperte auf seinem Fischkutter durch das trübe Gewässer der Unterwelt, der Muschelsuppe aus Schädelresten und Gebeinen, Tod und Verderben. Die Gespenster der Verstorbenen lauerten hinter jedem Felsen auf Frischfleisch und sie hätten sich auf ihn gestürzt, wenn sie an ihm etwas zu knabbern gefunden hätten.
Er war in seinem Element. Nach seinem dritten Herzinfarkt war er aus der Gemeinschaft der Zombies ausgestoßen worden. Zombies hatten kein Herz. Er passte nicht zu ihnen. Er war anders. Ein Zombie mit Herz.
Nachdem er sein Boot durch das nicht mehr vorhandene Auge des Schädels eines Zyklopen gesteuert hatte, erhob sich eine Wand aus Frostnebel. Vor ihm lag der Nebel des Verderbens, der Nebel des Todes, der Nebel des Grauens. Unendlich kalt. Kälter als Eis. Das endgültige Nichts und gleichzeitig seine Erlösung. Das Ende aller Qualen und Schmerzen. Es war nicht mehr weit. At’k-huxalp hielt seinen Atem an, der in diesem allesvernichtendem Eisnebel sofort gefroren wäre, und steuerte sein Schiff in das weiße Licht aus Frost. Es zählte nur noch, diese letzte Reise zu überstehen, die endgültige Grenze zu überwinden.
Ein heftiger Strudel zog ihn in die Tiefe, sein Schiff drehte Pirouetten, tauchte wieder auf und er musste das Steuer herumreißen, um den tödlichen Felsen auszuweichen, dem scharfkantigen Granitgestein zu beiden Seiten. Knapp rettete er, was von seinem Boot noch übrig war.
Da war ein Schatten im Nebel auszumachen.
Der Felsendom.
Die Silhouette des Tempels aus Gebeinen. Unverkennbar. Der Dom. Er war am Ziel.
At’k-huxalp hatte den Nebel überwunden und erblickte das Paradies, den von Palmen gesäumten Strand mit attraktiven Badenixen in knappen Bikinis, die zu Schlagermusik anzüglich tanzten. Als er den Wirt sah, der ein frisches Pils zapfte, waren seine letzten Zweifel beseitigt. Dies war das Paradies. Das Land seiner Träume.
(c) Michael Sohmen

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